Jahrgang 
1904
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gehenden Zimmer hatten zwar von zwei Seiten, der Straße und dem Hausgarten, Licht, dennoch aber waren ſie wegen ihrer geringen Höhe von nicht 3 Metern für die vielen atmenden Lungen ungeeignet, weil jede Ventilation fehlte, ebenſo der direkte Ausgang, durch deſſen Ritze friſche Luft eindringen konnte. Letzterer Uebelſtand hätte zu endloſen Störungen führen müſſen, wenn die Lehrer nicht auf ſtrenge Selbſtdisziplin bei den Kindern gehalten hätten. Im Uebrigen war das Lokal an der wenig befahrenen und ſchwach bebauten Neugaſſe, nahe dem Marktplatz mit den Turngeräten, nicht ungünſtig gelegen. Auch war die Nähe des damals noch Friſierolden Kaninchenberges zur Abhaltung der Botanik im Freien nicht hoch genug anzuſchlagen. Bei ſchlechtem Wetter bot der Weiß'ſche Hausgarten, den der Beſitzer unter meine Obhut geſtellt hatte, Pflanzen⸗ material genug, um den Unterricht anſchaulich zu geſtalten. Lehrer⸗ und Konferenzzimmer fehlten ganz, dagegen gab es einen ſchmalen Vorraum zur Aufſtellung eines Bibliothekſchrankes und zur Unterbringung anderer Utenſilien nebſt einigem Heizmaterial.

Die Verſönlichkeit des Direktors und der Tehrer.

Wie ſchon 7 Jahre vorher, ſo befand ſich die Oberleitung der Privatrealſchule auch während dieſer letzten Dekade in den Händen des Schulvereinsvorſitzenden Kreisſekretär a. D. Küchler, dem ſie als ſein liebſtes Kind ganz beſonders am Herzen lag. Durch ſein ſeuides Aus⸗

ſehen, bei großer kräftiger Statur und durch das hohe Anſehen, das er bei der B Woölleriin genoß, war er zur Repräſentation der A lnſtalt vorzüglich geeignet. Obgleich die amtliche Wirkſamkeit dieſes Herrn einer Zeit an⸗ gehört hatte, wo der Bureaukratismus ſeine üppigſten Blüten entfaltete, ſo muß zu ſeiner Ehre doch anerkannt werden, daß dieſe Gepflogenheit den Lehrern gegenüber nur ſelten und in höchſt nebenſächlichen Dingen zum Vorſchein kam. Aber auch dann entbehrte eine ſolche edantiſche Anwandlung niemals den freundlichen Lichtſchein des Wohlwollens, wie denn überhaupt Herr Küchler in allen Lebensverhältniſſen. eine vermittelnde und verſöhnende Wirkſamkeit als ſeine Lebensaufgabe betrachtete, bei unentwegtem Feſthalten an den Grundſäben der Billigkeit. Seinen unwandelbaren Gleichmut bei ſolchen Gelegenheiten und ſeine unerſchöpfliche Geduld haben wir Lehrer oft zu bewundern Gelegenheit gehabt. Zugleich lag darin aber auch das Vertrauen begründet, das er bei der Bevölkerung in ſo hohem Maße genoß und das in den letzten Jahren des Beſtehens der Privatrealſchule energiſche Gegenbeſtrebungen lange Zeit wirkungslos abgleiten ließ.

Die großen Ziele der Schule behandelte er in ebenſo großen Zügen, wie ſchon allein dieGrundſätze beweiſen, die jedem Lehrer als Richt onand für ſeine Wirkſamkeit eingehändigt wurden. Dieſelben zeichnen die an die Anſtalt und ſomnit auch an die Lehrer geſtellten Anforderungen nur in groben, den Stempel des Vernünftigen tragenden Linien mit Umgehung aller pedantiſchen Details, während nur allein die ſtreng juridiſchen Dinge, wie die Rechtsverhältniſſe der Eltern und der Lehrer, ſich einer genaueren Präziſierung erfreuen. Die Anſtalt war ſomit in vortrefflichen Händen, wie ſie damals nicht beſſer deſunden werden konnten. Im Liederkranz und im Turnverein, wo Küchler gleichfalls den Vorſitz führte, fand ſeine ruhige Beſonnenheit dieſelbe Schätzung. Auch war er Mitglied der Kreisſparkaſſe.

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