Jahrgang 
1904
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In ſolcher Lage befand ſich auch die Groß-Gerauer Privatrealſchule in den 10 Jahren von 18611871. Während des ganzen Sommers 1861 konnte ſie keinen Lehrer für die Realien finden, ſo daß ſie ſofort zugriff, als ich als akademiſ ch gebildeter Chemiker, der nicht Lehrer zu werden beabſichtigte, i ihr vorübergehend meine Dienſte anbot. Dabei hatte ich nicht einmal ein Zeugnis von meinem Schlußexamen, da ein ſolches, wie auch heute noch, für den Chemiker nicht exiſtierte. Man mußte ſich daher mit meiner Gymnaſialmaturitas und meiner 2 ½⁄jährigen Aſſiſ tentenzeit am chemiſchen Laboratorium der Univerſität Gießen begnügen, wo alardirdhe mein reicher Verkehr mit den Studierenden engliſcher und amerikaniſcher Nationalität dem geforderten Unterricht in der engliſchen Sprache zu gut den

Ganz ähnliche Saheriglellen zeigten ſich bald darauf bei Beſetzung der Lehrſtelle für den altſprachlichen Unterricht, als Hanſtein im Herbſt 1861 abberufen wurde, ſo daß man von heſſiſ ſchen Kandidaten abſehen und einen jungen Philologen aus Thüringen, Wilh. Gottſchild, annehmen mußte, der auf Anſtellung in der Heimat verzichtete. Hierdurch, ſowie durch meinen vetdigen Nebergang von theoretiſch⸗ wiſſenſchaft lichen Prionaclanen zu chemiſch⸗techniſchen, die mich länger feſthielten, als bei den erſteren im Plane lag, wurde die Privatreal ſchule während der letzten 10 Jahre in den Hauptklaſſen vor dem ſtändigen Wechſel der Lehrer bewahrt und ihr eine Blüteperiode ermöglicht, wie ſie ihr noch nie beſchieden war, indem die Schülerzahl bis über 100 ſtieg und die in eine höhere Anſtalt über tretenden Schüler ſich faſt ausnahmslos als gut und vielfach ſogar als über die in den Realien geſtellten Anforderungen weit hinaus vorbereitet erwieſen. Erſt durch Gottſchilds Tod im Juli 1866 trat ein Wechſel ein, indem Pfarrvikar Klein den Sprachunterricht aushilfsweiſe erteilte, bis als Erſatz für Gottſchild der Theologe Gg. Friedr. Hertel aus Sonneberg in Thüringen eingetroffen war. Dieſer blieb, wie ich ſelbſt, bis zum Schluſſe der Privatrealſchule im Herbſt 1871. Ebenſo blieb die Oberleitung dauernd in den Händen von Kreisſekretär Küchler. Dieſe früher ſeltene Beſtändigkeit in den Perſonen und damit auch in den Unterrichts- und Erziehungsmethoden gab eine gewiſſe Sicherheit für die tüchtige Ausbildung der Zöglinge. Von den tatſächlich erreichten Reſultaten ſoll ſpäter die Rede ſein.

Weniger günſtig geſtaltete ſich die Ausdauer der ſeminariſtiſch ge bildeten Lehrer in der Vorbereitungsklaſſe, indem nur die zwei erſten Lehrer Gg. Pohl und P. Arnold je 3 Jahre an der Klaſſe verblieben. Von Herbſt 1868 ab blieb Ph. Volz kaum ½ Jahr, W. Lautenſchläger 1 ½ Jahre und Osw. Kurz nur 10 Monate. Dennoch blieb die Vor⸗ bereitung der Schüler, die ſchon unter den beiden erſten Lehrern eine ganz vorzügliche war, auch weiter eine ſehr befriedigende, welche die Bewältigung des großen Unterrich tsmateriales der Hauptkl aſſen ſehr erleichterte.

Dieſe Vorbereitungsklaſſe war anfänglich zweijährig, bis ſpäter gewiſſe Gegenbeſtrebungen von einflußreicher Seite die Aufnahme der Kinder ſchon vor dem 8. Jahre, d. h. vom 6. ab als notwendig erſchienen ließen. Die Tätigkeit des Lehrers wurde hierdurch nicht wenig kompliziert, doch fehlten die Mittel zu einem zweiten Elementarlehrer und der Raum zu einer 4. Klaſſe. Die Schule befand ſich damals in dem einſtöckigen Seitenbau des Bäcker Schaab'ſchen Hauſes, damals Eigentum des Erbauers der Mainzer Eiſenbahnbrücke, Sektionsingenieur O. Weiß. Die drei ineinander⸗

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