Jahrgang 
1904
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Anhang.

Erinnerungen eines Augenzeugen

aus der Periode der Privatrealſchule von 18611871.

N⁴ einer ganzen Reihe von mehr oder weniger glücklichen Anläufen ( ſeit 1832 zur Schaffung einer höheren Schule in Groß⸗Gerau ergaben ſich in den 60er Jahren endlich ſolche zufällige Verhäl tniſſe, daß ſich eine Anſtalt herausbilden konnte, welche zwar nicht in ihren beſchränkten Ein⸗ richtungen und höchſt beſcheidenen Hilfsmitteln, wohl aber in ihren Leiſtungen für jene Zeit als ideal bgeicne werden konnte. Jene zufä lee Verhältniſſe wurden geſchaffen durch den vorher faſt immer entbehrten l ängeren Verbleib der Lehrer der Hauptklaſſen, indem zwei derſelben je fünf Jahre und einer ſogar zehn ausdauerte. Außerdem hatte gerade damals durch die höhere Wertſchätzung der Realkenntniſſe infolge des raſchen Fortſchreitens der Naturwiſſenſchaften, der Technik und des Verkehrs ein Umſchwung im Unterrichtsweſen eingeſetzt ſowohl in Bezug auf höhere Anforderungen als auch rationellere Grundſätze, dem in einer Privatſchule wie die Gerauer raſcher Rechnung getragen werden konnte als in dem ſchwerfälligeren Apparat der Staatsſchulen. Die Privatſchule konnte ſich daher einer Reihe von Einrichtungen und Handhabungen des Unterrichts und der Erziehung rühmen, die damals von dem Herkömmlichen weit abwichen. Gelangte inzwiſchen auch ein Teil dieſer Dinge zur allgemeinen Aufnahme, ſo war doch damals die Privatrealſchule damit voraus, und ihr Geiſt wird durch dieſelben ganz ſpeziell charakteriſiert. Die nachfolgenden Erinnerungen ſollen daher außer denkwürdigen Ereigniſſen ganz beſonders auch jenem Voraus⸗ eilen vor ihrem Jahrzehnt gewidmet ſein.

Allgemeines über Tehrkräfte und Schullokal.

Bereits in den 60er Jahren machte die beginnende Induſtrieperiode Deutſchlands ihre Einflüſſe auf die Berufsverſchiebungen fühlbar, indem eine Menge junger Leute ſich nicht mehr dem weniger günſtig geſtellten Lehrfache widmete, ſondern ſich den praktiſchen Berufsarten zuwandte. Die Regierungen hatten daher Mangel an Lehrkräften, beſonders für den nunmehr allgemein einzuführenden Realunterricht. Die höheren Privat ſchulen mußten ſich infolgedeſſen entweder mit den kurzen Warteperioden enger Lehr⸗ und Pfarrkandidaten begnügen oder ſelbſt mit ſolchen Kräften, welche aus irgend einem Grunde auf die Staatslaufbahn verzichteten, oder, wie ich ſelbſt, von vorn herein ganz anderen Zielen zuſtrebten.