Jahrgang 
1904
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Lehrern ſollte die Erziehung der heranwachſenden Jugend nicht mehr länger anvertraut werden. Denn beide hatten keinen amtlichen Ausweis über ihre Befähigung zur Ausübung des Lehrberufes in Händen. Von Fach war nämlich Franck Chemiker und Hertel Theologe. Ungeachtet ihrer anerkannten Lehrerfolge ſollten ſie in ihrer ſeitherigen Stellung nicht mehr bleiben, es ſei denn, daß ſie durch eine nachträglich abgelegte ſtaatliche Prüfung den Vorausſetzungen zur Fortſetzung ihrer Lehrtätigkeit entſprochen hätten. Ein ſolches Anſinnen wurde auch tatſächlich an Franck geſtellt, dieſer lehnte es aber ab, demſelben Folge zu geben, weil er ſich andere Ziele geſteckt hatte. Es wurde infolgedeſſen mit allen Mitteln gegen die Schule zu Felde gezogen, indem man in den Eingaben an das Miniſterium bald auf ihrejämmerliche Leitung, bald auf die Unfähigkeit ihrer Lehrer hinwies, um auf dieſe Weiſe ihren ferneren Beſtand als unmöglich hin zuſtellen. Die noch vorhandenen Aktenſtücke weiſen neben dieſen auf noch manche andere Mißſtände, welche an der Schule beſtehen ſollten, hin. Man geht daher wohl in der Annahme nicht fehl, daß in den Aktenſtücken, welche nicht mehr vorhanden ſind, noch weitere Beſchwerden über die Leitung der Privatrealſchule und über die Tätigkeit derſchlechten Lehrer enthalten waren, die man anſcheinend der Nachwelt vorenthalten zu müſſen glaubte.

Die durch kriegeriſche Ereigniſſe vielbewegte Zeit machte eine Auflöſung der Anſtalt ſcheinbar vorerſt unmöglich. Erſt als das Jahr 1871 mit dem erſehnten Frieden auch die Bürgſchaft für eine gedeihliche Entwickelung einer neuen Schulgründung brachte, ſchritt man zum Handeln. Die ſeit⸗ herige Privatrealſchule ſollte nunmehr aufgelöſt werden, damit auf ihren Trümmern die jetzigeHöhere Bürgerſchule erſtehen könne. Die Zahl der Schüler, die aus der alten in die neue Schule übertreten würden, bürgte für eine Einnahme an Schulgeld, welche in Verbindung mit einem bisher nicht erreichbar geweſenen Zuſchuß aus der Gemeinde und aus der Sparkaſſe die Unterhaltung der Anſtalt zu ermöglichen ſchien.

Der längſt erwartete Anſtoß zur Auflöſung der Schule bot ſich in den perſönlichen Verhältniſſen Hertels, welcher infolge ſeiner ſehr bedrängten Lebenslage die Würde ſeines Standes vor der Ofeatlichkeit nicht zu wahren vermochte. Namentlich die unkluge Verheimlichung ſeiner Familienverhältniſſe brachte dieſen bemitleidenswerten Mann in eine Fülle von Verlegenheiten, welche ſein ferneres Verbleiben in unſerem Städtchen unmöglich machte.

Der ſeitherige Leiter und die Lehrer der Anſtalt ſahen ein, daß unter den herrſchenden Umſtänden die Auflöſung der Schule nicht mehr länger zu umgehen war. Eine höhere Weiſung ließ auch nicht mehr lange auf ſich warten. Anfangs April 1871 erging daher die vertragsmäßige Kündigung an die ſeitherigen Lehrer der Schule, und Ende Juli erfolgte die Auflöſung der Anſtalt.