Jahrgang 
1904
Einzelbild herunterladen

Nur einen Monat ſpäter verließ auch der Kandidat Becker ſeine bisherige Stellung.*) Er wurde durch den Kandidaten der Mathematik und Naturwiſſenſchaften Friedrich Götz aus Darmſtadt erſetzt.

Die nunmehrige Zuſammenſetzung des Lehrkörpers der Privatſchule entſprach wieder den Verhältniſſen, wie ſie vor der Erkrankung des Mit⸗ predigers Dr. Römheld geherrſcht hatten. Trotzdem alſo die Schwierig⸗ keiten in Bezug auf die Erteilung des Religionsunterrichtes beſeitigt waren, tobte der Kampf um das Verhältnis der Anſtalt zu Staat und Kirche unverändert fort, bis er etwa nach drei Jahren endlich ſich legte. Daß derſelbe der Schule keinen Eintrag getan hatte, ergibt ſich aus der erfreu lichen Tatſache, daß die Anſtalt damals von 37 Kindern beſucht war, von denen acht aus der Umgebung Groß⸗Geraus(Dornberg, Dornheim, Waller⸗ ſtädten, Büttelborn, Trebur, Mörfelden) ſtammten.

Nach etwa 1 ½ jähriger Lehrtätigkeit an unſerer Schule mußte Kalbhenn von ſeiner Stellung zurücktreten, denn er war am 26. Sep⸗ tember dieſes Jahres zum Pfarrvikar ernannt worden. Den Religions⸗ unterricht an unſerer Anſtalt behielt er indeſſen bis zu ſeinem im Jahre 1865 erfolgten Weggang von Groß⸗Gerau bei.)

Den von ihm ſeither erteilten Unterricht in den alten Sprachen übernahm jetzt der Kandidat der Theologie Friedrich Reitz aus Grünberg.*) Er trat ihn jedoch ſchon am Ende des Jahres an den Kandidaten der Theologie Karl Hanſtein in Gießen*) ab, welcher auch nur bis zum Herbſt 1861 dem Verbande der Anſtalt angehörte. Ihm folgte der Kandidat der Philologie Wilhelm Gottſchild aus Neuſtadt an der Orla, welcher zuvor an dem Realgymnaſium zu Eiſenach in Verwendung geweſen war.

Zu dieſen mannigfachen Veränderungen im Lehrkörper unſerer Anſtalt geſellte ſich im Mai desſelben Jahres die Abberufung Götz', welcher als proviſoriſcher Lehrer an die Realſchule in Alsfeld überſiedelte.) Sein Nachfolger wurde Ernſt Frank aus Worms, welcher dem Lehrkörper der Anſtalt bis zu deren Auflöſung, alſo ein ganzes Jahrzehnt, angehörte.

Von jetzt ab brach für die Anſtalt wieder eine beſſere Zeit an, denn der unerquickliche Kampf um ihr Verhältnis zu Staat und Kirche hatte

ſich gelegt. Er war freilich in anderem Sinne, als es Küchler erwartet

*) Er wurde damals Lehrer an der Mädchenſchule zu Darmſtadt, 1868 Pfarrer in Kleinkarben, 1879 in Trebur, 1885 in Biſchofsheim, ſeit 1894 in Kirch⸗Göns bei Butzbach.

**) Leider iſt über den ferneren Lebenslauf dieſer nichts näheres mehr zu ermitteln geweſen.

***) Am 1. März 1864 wurde er an dieſer Anſtalt definitiv angeſtellt und am 23. Juli 1873 zum Direktor derſelben ernannt. Er ſtarb am 1. März 1890 zu Alsfeld im Alter von 59 Jahren.

6y=ü