durch den Kandidaten Eduard Bechtold“) aus Nierſtein erſetzt. Obgleich von Fach ein Pbilologe, mußte dieſer den Unterricht in den Realwiſſen— ſchaften übernehmen, denn zu jener Zeit herrſchte gerade ein großer Mangel an Kandidaten der mathematiſchen und naturwiſſenſchaftlichen Lehrfächer. Er ſah indeſſen ſelbſt ein, daß er dieſer Aufgabe nicht gewachſen war und gab im März 1856 ſeine Stellung wieder auf. Als ſein Nachfolger wurde der Kandidat des höheren Lehramts J. C. Lion aus Göttingen beſtellt, welcher etwa zwei Jahre an der Privatſchule tätig war.
Um jene Zeit war die Anſtalt wieder in lebhaftem Emporblühen begriffen, denn im Jahre 1857 war ihre Schülerzahl bereits auf 32 an— gewachſen. Dieſer Umſtand ſpricht dafür, daß die Schule damals einer Blütezeit entgegenging. Ein Verdienſt an dieſem großartigen Erfolge gebührt wohl neben Dr. Römbeld dem ausgezeichneten Schulmanne, deſſen Name ſpäter weit über die Grenzen unſeres deutſchen Vaterlandes berühmt geworden iſt. Aber nur allzubald verließ er ſeinen hieſigen Wirkungskreis.„Aus Verhältniſſen und Rückſichten, die außerhalb des Vereines ihren Grund“ hatten, ſchied J. C. Lion bereits im März 1858 aus ſeiner Stellung, um einem Rufe an eine Lehranſtalt in Bremerhaven Folge zu leiſten.)
Kurz zuvor ſchon war die Anſtalt noch von einem anderen ſchweren Schlage betroffen worden: Im Januar desſelben Jahres ſah ſich der Mitprediger Dr. Römbeld infolge einer ſehr ſchweren Krankheit genötigt, ſeiner erfolgreiche Tätigkeit im Schuldienſte zu entſagen. Damit verlor auch die Privatſchule einen ihrer bewährteſten Lehrer, nachdem er ſechs Jahre an derſelben gewirkt hatte. Da die Rückſicht auf ſeinen leidenden Zuſtand ſogar gebot, daß ſelbſt die Glocken auf dem nahen Kirchturm eine Zeitlang ſchweigen mußten, ſo mußte der Unterricht, welcher ſeither in der Mit— predigerwohnung erteilt wurde, eingeſtellt werden. Infolge deſſen mußte die Privatſchule, welche bis dabin in dieſem Hauſe untergebracht war, in dem Seitengebäude des Rentamts(Ecke der Fahr- und Hintergaſſe) Unterkunft ſuchen, bis ſie ſpäter in die Erdgeſchoßräume des Hinterhauſes an der Ecke der Darmſtädter Straße und Neugaſſe(jetzt im Beſitze des Herrn Bäcker Schaab) verlegt wurde, wo ſie bis zu ihrer Auflöſung(1871) verblieb.
*) Nachdem derſelbe an verſchiedenen Inſtituten und Hauslehrerſtellen in Mänchen, Vevey, Collonges, Langenthal und Darmſtadt tätig geweſen, war er einige Zeit als Vikar 1862 am Gymnaſium zu Büdingen verwendet. Über ſeinen weiteren Lebenslauf iſt nichts mehr zu ermitteln geweſen.
**) Von dort wurde er 1862 nach Leipzig als Direktor des ſtädtiſchen Turnweſens berufen 1874 wurde ihm die Beaufſichtigung des Turnunterrichtes an den ſächſiſchen Schullehrerſeminarien übertragen. 1895 erfolgte ſeine Ernennung zum Profeſſor. Er ſtarb am 31. Mai 1901 in einem Alter von 72 Jahren. Als Schriftſteller auf dem Gebiete des Turnweſens hat er ſich einen ſehr berühmten Namen gemacht.


