Jahrgang 
1938
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3. Freiſtellen können an begabte, fleißige und bedürftige Schüler von gutem Betragen und deutſchen Blutes verliehen werden. Die Verleihung erfolgt ſtets nur auf Widerruf und auf ein Jahr. Geſuche ſind auch von den ſeitherigen Freiſtelleninhabern bis 2. April einzureichen; dabei iſt ein Vordruck zu verwenden, der von der Direktion bei Beginn des Schuljahres zu erhalten iſt. An neu in die Schule eintretende Schüler ſoll im 1. Jahr in der Regel keine Freiſtelle verliehen werden.

4. Zeugniſſe werden zu Beginn der Herbſt⸗, Weihnachts⸗ und Oſterferien ausgeſtellt. Sie ſind für die Eltern Maßſtab der Entwicklung und der Mängel ihrer Kinder und mögen im Notfalle auf die zeitige Ver⸗ pflichtung hinweiſen, die notwendigen Schritte zu unternehmen, die zur Sicherung einer gedeihlichen Entwick⸗ lung des Schülers dienen. Die Zeugniſſe zu Herbſt und Weihnachten ſind aber keine Gewähr für eine Verſetzung an Oſtern, wenn ſich inzwiſchen Leiſtung und Haltung des Schülers entſchieden verſchlechtert haben.

5. Privatunterricht. Wenn die Eltern ihren Söhnen Privatunterricht erteilen laſſen wollen, empfiehlt es ſich, vorher mit uns Rückſprache zu nehmen. Perſönliche Beratung durch die Lehrer und die Direktion der Schule iſt in dieſem Falle einer immer unſicheren Zeitungsanzeige unbedingt vorzuziehen.

6. Sprechſtunden. Zur Pflege dauernder und fruchtbringender Zuſammenarbeit von Schule und Eltern⸗ haus bitten wir die Eltern, mit den Fachlehrern und der Direktion ſtets in Verbindung zu bleiben. Die Lehrer ſind nur in der Schule, jedoch nicht während ihrer Unterrichtsſtunden zu ſprechen. Es empfiehlt ſich alſo, Wünſche über die Beſuchszeit rechtzeitig durch den Schüler oder ſchriftlich zu äußern, damit Fehl⸗ gänge vermieden werden. Der Direktor iſt in der Regel von Montag bis Freitag von 11.15 bis 12.15 Uhr(zu anderer Zeit nach vorheriger Verſtändigung) auf ſeinem Amtszimmer zu ſprechen.

Gießen, im März 1938. Die Direktion der Langemarckſchule(Oberſchule für Jungen) Angelberger.

Vereinigung ehemaliger Angehöriger des Realgymnaſiums Gießen.

Nach Mitteilung des Rechners, Herrn Studienrat Scharmann, iſt die Vermögenslage der Vereinigung gut. Anläßlich des Jubiläums im Sommer hatte ſie zahlreiche Neuanmeldungen an Mitgliedern zu verzeich⸗ nen, deren Geſamtzahl ſich, einſchließlich der faſt lückenlos hinzugetretenen Abiturienten dieſes Jahres, auf über 600 ſtellt. Im folgenden ſei eine Zuſchrift des Vorſitzenden der Geſamtvereinigung wiedergegeben. Herr Sanitätsrat Dr. Becker, Sprendlingen, ſchreibt wie folgt:

Die Tätigkeit der Vereinigung im abgelaufenen Berichtsjahre ſtand ganz unter dem Zeichen der Hun⸗

dertjahrfeier der Anſtalt, die dank der mühevollen, zielbewußten und vorwärtstreibenden Vorbereitung

durch Herrn Direktor Angelberger und ſeine Mitarbeiter einen würdigen und glänzenden Verlauf nahm.

Von nah und fern waren eine große Anzahl Mitglieder der Vereinigung erſchienen, um durch ihre An⸗

weſenheit ihre innere dauernde Verbundenheit mit ihrer alten Schule unter Beweis zu ſtellen, wohl alle

ſchieden mit tiefſter Befriedigung von Gießen und werden auch fernerhin der Vereinigung die Treue halten, damit dieſe die bei der Gründung aufgeſtellten Ziele in vollem Umfang erreichen kann.

Während der Feſtverſammlung in der Volkshalle konnte der unterzeichnete Vorſitzende der Vereinigung

die erfreuliche Mitteilung machen, daß dieſe beſchloſſen habe, Herrn Direktor Angelberger wiederum

die Summe von 1000 RM zur Erweiterung der Schülerbibliothek wie zur Pflege der Leibesübungen und uUnterſtützung bedürftiger Schüler bei Ausflügen und Landheimaufenthalten zur Verfügung zu ſtellen mit dem Verſprechen, daß die Vereinigung ſtets Hand in Hand mit der Anſtalt arbeiten werde.

Die äußere Entwicklung der Vereinigung und die treue Haltung ihrer Mitglieder zeigen alſo ein erfreu⸗ liches Bild regen Lebens. Leider fällt darein ein trüber Schatten: Anläßlich eines Beſuches bei ſeinen Angehörigen in München verſtarb plötzlich ein langjähriges, hoch verdientes Mitglied der Vereinigung, Herr Dr. Wilhelm Müller, Abiturient von 1896, Generaldirektor und Gründer der Niederlaſſung der J. G. Farben in Flix(Tarragonien). Er wurde am 4. 3. in Gießen beigeſetzt. Sein Andenken ſoll bei uns un⸗ vergeſſen ſein.

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