Jahrgang 
1925
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I. Zur Geſchichte unſerer Anſtalt.

Zum letzten Male iſt ein gedruckter Jahresbericht unſrer Oberrealſchule an Oſtern 1917 herausgekommen. Auch die Schule hat dem großen Völkerringen Opfer bringen müſſen, und ſo war es nur eine leicht erklärliche Folgeerſcheinung des Krieges, daß vom Schuljahr 1917/18 ab die oberſte Schulbehörde Heſſens gezwungen war, die Veröffent⸗ lichung der üblichen Jahresberichte der höheren Schulen einſtellen zu laſſen. Es iſt dies natürlich für die gedeihliche Arbeit einer Schule, die doch nicht nur an ihren Einzelorga⸗ nismus gebunden ſein ſoll, ſondern die hinausblicken muß über den eigenen Kreis, um An⸗ regungen und Nahrung zu ſchöpfen und neue Ziele zu verfolgen, ein bedauerlicher Amſtand, der auch nicht durch die Tatſache aufgehoben werden kann, daß ſeit Oſtern 1918 die heſſiſche Oberſchulbehörde von ſämtlichen höheren Lehranſtalten geſchriebene Jahresberichte eingefordert hat. Sie liegen als Manuſkripte in den Akten und ſind der Allgemeinheit unzugänglich. Sie beſaßen und beſitzen darum einſtweilen nicht die Kraft gegenſeitiger Befruchtung und harren vielleicht noch geraume Zeit des Spatens, der ſie zum Leben emporhebt. Bedauerlich war es auch, daß uns durch das Eingehen der gedruckten Jahresberichte eines der erfolgreichſten Mittel genommen war, mit den Eltern unſrer Schüler in innige Wechſelbeziehungen zu treten, gerade in einer Zeit, wo Mangel an Zucht und an Pflichtgefühl bei einem großen Teile unſrer heranwachſenden Jugend ein gemeinſames Arbeiten von Lehrern und Eltern⸗ ſchaft ſo unbedingt notwendig gemacht hätte. Amſo mehr müſſen wir es deshalb begrüßen, daß nach einer Pauſe von acht Jahren das Heſſiſche Landesamt für das Bildungsweſen den höheren Lehranſtalten die Veröffentlichung gedruckter Jahresberichte wieder geſtattet hat.

Es wäre gewiß wünſchenswert, daß wir, um die Lücke zu überbrücken, die zwiſchen Oſtern 1917 und Oſtern 1924 liegt, verſuchten, eine möglichſt vollſtändige Aeberſicht über das Leben der Schule in dieſem Zeitraum zu geben. Doch würde dadurch der Amfang unſres Berichtes weit über die zuläſſigen Grenzen hinausgehen. Wir müſſen deshalb verſuchen, aus wenigem Material eine Brücke über die Jahre 1917 1924 zu bauen. Wir wollen uns deshalb nur auf einige Angaben über dieſe Zeit beſchränken und uns darnach ein⸗ gehender dem verfloſſenen Schuljahr 1924/25 widmen.

A. Der Zeitraum zwiſchen Oſtern 1917 und Oſtern 1924.

Die Zahl der Schüler, die Oſtern 1917 632(Sexta bis Prima) betragen hatte, ſtieg bis zum gleichen Zeitpunkt 1924 auf 786, die der Klaſſen von 18 auf 26. Dementſprechend mußte auch die Zahl der ordentlichen Lehrkräfte erhöht werden, ſo daß ſie ſich am Ende des Schuljahres 1924 auf 38 belief. Durch Einführung der Einheitsſchule ging in all⸗ mählichem Abbau von Oſtern 1919 bis Oſtern 1921 unſere Vorſchule ein. Weſentliche Veränderungen erfuhr der Beſtand der Lehrer. Sie ſind z. T. auf die beſonderen Ver⸗ hältniſſe der Kriegs⸗ und Nachkriegszeit zurückzuführen.

1. Es kamen in unſern Lehrkörper und ſind zur Zeit noch an der Schule tätig die Amtsgenoſſen:

Studienrat W. Schmidt(Leiter der deutſchen Schule zu Madrid) am 12.5. 17; Prof. G. Weiß⸗ gerber(Ceiter der Schillerſchule Friedberg) am 1. 4. 1918; Prof. H. Heymann(Realſchule Oppenheim) am 1. 7. 1918; Studienaſſeſſor Dr. L. Gebhardt(Seminar der Oberrealſchule Gießen) Oſtern 1919; Real⸗ lehrer J. Klippel(Volksſchule Gießen) Oſtern 1919; Prof. Dr. W. Heymann(Realſchule Groß⸗Gerau) 16. 10. 1919; Studienrat F. Obermann(Höhere Mädchenſchule Mainz) 16. 10. 1919; Studienrat Dr. Lic. H. Adolph(Tfarrer in Herbſtein) 27. 4. 1920; Studienrat Dr. A. Chambré(Leiter der Höheren Bürger⸗ ſchule Vilbel) 10. 5. 1920; Studienaſſeſſor A. Zilch(Oberrealſchule Friedberg) Oſtern 1920; Reallehrer H. Zieprecht(Gymnaſium Gießen) 1. 10. 1920; Studienaſſeſſor K. Kreiling(Leiter der Höheren Bürger⸗ ſchule Bensheim) Oſtern 1921; Reallehrer R. Paul(Volksſchule Gießen) Oſtern 1921; Studienrat Dr. L. Hillenbrand(Realſchule Wimpfen) 15. 8. 21; Studienrat Dr. H. Kiefer(Victoriaſchule Darmſtadt) Oſtern 1922; Studienaſſeſſor Dr. W. Flörke(Aſſiſtent am mineralogiſchen Inſtitut der Aniverſität Gießen) Oſtern 1922; Studienaſſeſſor W. Größer(Realſchule Butzbach) Herbſt 1922; Studienrat Dr. W. Schraub

lausgewieſen, Lehrerſeminar Alzey) Oſtern 1923.