10. Herrn Geh. Oberschulrats Nodnagel abgehalten. Es bestanden sie die unter IVb auf- geführten Oberprimaner. Von ihnen waren 9 von der mündlichen Prüfung befreit.
4. Schulfeiern. Zu der Dreihundertjahrfeier unserer Anstalt tragen wir noch nach, dass uns im April 1908 von unserer vorgesetzten Behörde eine künstlerisch ausgestattete, von Herrn Professor F. W. Kleukens zu Darmstadt entworfene Pergamenturkunde über die Verleihung des Namens Landgraf-Ludwigs-Gymnasium zugestellt wurde. Sie zeigt in Umrahmung in ihrer oberen Hälfte ein Bild des Stifters unserer Anstalt, des Landgrafen Ludwig des Getreuen in spanischer Tracht und enthält in ihrer unteren Hälfte die Urkunde, die folgenden Wortlaut hat: ERNST LVDWIG VON GOTTES GNADEN GROSSIHERZOG VON HESSEN VND BEl RHEIN PP. PP. WIR HABEN AVS ANLASS DER FEIER DES DREIHVNDERT- IAHRIGEN BESTEHENS DES GVYMNASIVMS ZV GlESSEN ALLERGNADIGST ZV BESTIMMEN GERVIIT, DASS DIESE ANSTALT ZVR ERINNERVNG AN IHREN ER- LAVCHTEN STIFTER, DEN LANDGRAFEN LVDWIG DEN GETREUEN, HINFORT
DEN NAMEN LANDGCRAF.ILVDWIGS-GXMNASIVNI FVHREN SOILIL. DARMSTADT, DEN 9. OKT. 1007.
Ernst Ludwig. Braun.
An einem rotweissen Seidenbande ist an ihr das Grossherzogliche Siegel in einer silbernen Kapsel befestigt. Die Urkunde ist sehr sinnig mit zwei silbernen Ziernägeln in einem schwarzen Kasten aufgehängt, dessen Randleisten geschnitzt sind. Sie hat ihrem Werte entsprechend einen besonders hervorragenden Platz in unserer Aula erhalten.
Bei der Feier des Geburtstages Sr. Kgl. Hoheit des Grossherzogs, die nur von der engeren Schulgemeinde begangen wurde, hielt Herr Oberlehrer Dr. Molz die Festrede über die Bestrebungen der hessischen Fürsten auf dem Gebiete der Kunst und Wissenschaft.— Zu der Feier des Geburtstages Sr. Majestät des Kaisers war auch an die Eltern unserer Schüler eine Einladung ergangen, der sie so zahlreich folgten, dass unser Festsaal kaum Plätze genug für sie bot. Mit augenscheinlicher Spannung folgten die Zuhörer den Deklamationen, die Herr Prof. Altendorf eingeübt hatte, den tüchtigen Darbietungen des Schülerorchesters und ganz besonders dem sicheren, stimmungsvollen Vortrage von Schillers Liede von der Glocke durch den Sängerchor unter der Leitung des Herrn Geller. Herr Lehramtsreferendar, L. Kracke sang die Meistersprüche mit sympathischer Stimme, die Klavierbegleitung lag in den geübten Händen des Obersekundaners Fr. Habenicht. Die eindrucksvolle Ansprache hielt aus dem reichen Schatze seiner Erinnerungen Herr Professor D. Stamm. Einem aus Eltern- kreisen geäusserten Wunsche nach einer Wiederholung der Feier konnten wir leider nicht entsprechen.
5. Gesundheitliches. Während der Gesundheitszustand der Schüler im allgemeinen- günstig war, waren die Mitglieder des Kollegiums zum Teil wiederholt durch Krankheit an der Ausübung ihres Dienstes verhindert.
Die Ausflüge der einzelnen Klassen wurden monatlich ausgeführt. Der Tagesausflug der VI—IlIa und der Vorschule fand am 22. Mai statt. Die Oberprima wählte sich als Ziel ihres Ausflugs am 4.— 6. Juni den Rhein, die Unterprima Thüringen(9.— 11. Juli).— Während im vorigen Jahre wegen allzugrosser Hitze der Unterricht gar nicht ausgesetzt zu werden brauchte, musste das dieses Mal am 1., 2., 4., 16., 19. Juni und am 2., 3., 11., 25., 27.— 30. Juli geschehen. Zum Eislauf wurde ausser den meisten Turnstunden ein Nachmittag freigegeben.


