Jahrgang 
1906
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IV. Zur LThronik der finſtalt.

1. Ereigniſſe und Feſtlichkeiten. Der Geburtstag des Landesfürſten wurde am Vortag, dem 24. November, durch eine Schulfeier feſtlich begangen, zu der auch die Freunde der Anſtalt Zutritt hatten. Hierbei wurden mehrere Chöre vorgetragen und Gedichte von G. Hauptmann und Wildenbruch; die Feſtrede hielt der Direktor über das eigentümliche Weſen derDeutſchen Treue. Kaiſers Geburtstag wurde dagegen diesmal nur durch eine interne Feier geehrt. Herr Profeſſor Dr. Fink, unſer neuer Phyſiklehrer und geſchätzter Kollege, hielt dabei eine höchſt intereſſante Feſtrede über Landgraf Wilhelm den Befreier als Aſtronomen. Die vorbereitete dreihundertjährige Jubelfeier der Anſtalt (10. Oktober 1905), für welche der Euripideiſche Hippolytus ſchon zumteil eingeübt war, wurde auf Beſchluß des Lehrerrats aus Zweckmäßigkeitsgründen um zwei Jahre vertagt und ſoll zeitlich mit derjenigen der Univerſität, mit der das paedagogium illustre als Unterbau urſprünglich organiſch verbunden war, zuſammengefeiert werden. Die Ludoviciana beging denn auch am 25. November eineFeier zur Erinnerung an die Begründung des gymnasium illustre, der urſprünglichen Geſtalt der Hochſchule, bei der Herr Geheimer Kirchenrat Profeſſor D. Stade die im Druck erſchienene Feſtrede hielt. Außer dem Lehrerkollegium unſerer Anſtalt war auch eine Abordnung von acht Schülern von Sr. Magnificenz dem Rektor und dem Senate eingeladen.

Durch das liebenswürdige Entgegenkommen der Herren Profeſſoren Dr. Bethe, Sauer, Strack und Wünſch wurde auch einer erheblichen Anzahl(zehn) tüchtiger Schüler der unentgeltliche Beſuch ihrer akademiſchen Popularvorträge aus dem Gebiet der Altertums⸗ wiſſenſchaften gewährt. Eine bleibende ſchöne Frucht haben die Jubiläumsvorbereitungen indeſſen doch bereits gezeitigt: die ausgezeichnete Überſetzung, in der unſer Kollege, Herr Oberlehrer Altendorf, das tragiſche Meiſterwerk des Euripides, den Hippolytus, in eine deutſche Dichtung verwandelt hat.(B. G. Teubner.) Die Anſtalt erwarb die Hälfte der Erſtauflage aus dem ſtaatlichen Jubiläumszuſchuß und wird jedem, der zur Aufführung mitwirken ſollte, und künftig jedem Abiturienten die Dichtung für den Preis von 50 Pfg. (an die Schülerbibliothek!) zum bleibenden Eigentum überlaſſen.

2. Das Lehrerkollegium war, abgeſehen von kürzeren Erkrankungen der Herren Profeſſoren Dr. Clemm und Hüter, vor Weihnachten, ſtets vollzählig tätig, nur daß der Urlaub des Herrn Profeſſor Dr. Meſſer zum Zweck wiſſenſchaftlicher Unterſuchungen noch über dies Schuljahr erſtreckt wurde. Seine Vertretung verſah in dankenswerter Weiſe Herr Dr. Gundel.

3. Dem pädagogiſchen Seminar gehörten ſeit Oſtern 1905 an: Die Herren Friedr. Fiſcher(Altphilol.); Willy Fink(Math. Phyſ.); Wilh. Jacob(Neuphilol.); Wilh. Koch(Math. Phyſ.); Karl Naumann(Naturw. Phyſ.); Heinrich Pröſcher(Math. Phyſ.); Jakob Rodrian(Altphilol.); Walther Schonebohm(Rel. Deutſch); Alexander Weide (Neuphilol.); Friedr. Will(Math. Phyſ.).