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IV. Zur Chronik des Gymnaſiums 1903/04.
1. Ereigniſſe und Feſtlichkeiten. Da das Land den Geburtstag des Landesherrn diesmal— der tiefen Trauer wegen— in der Stille beging, wurde nur am 24. November eine ernſte Vorfeier veranſtaltet, wobei der Direktor eine kurze Anſprache hielt. Am 26. Januar 1904 feierten wir feſtlich, am Vortag, den Geburtstag des deutſchen Kaiſers und luden dazu auch das Elternpublikum. Hierbei hat unſer Schülerorcheſter und der Sängerchor unter Herrn Gellers Leitung Erfreuliches geleiſtet. Die Deklamationen bewegten ſich alle in dem Gebiet der politiſchen Dichtung von 1848(pro et contral), da der Direktor die Feſtrede hielt über:„Die Feuerprobe der Heſſentreue im badiſchen Feldzuge von 1849“. Am 18. Dezember ſprach zur Jahr⸗ hundertfeier, nach Vorſchrift der Oberbehörde, vor den Primen und einigen anweſenden Kollegen der Direktor über Johann Gottfried Herders Leben.
Die Anſtalt wurde am 23. Oktober von Herrn Geheimen Oberſchulrat Nodnagel beſichtigt, der beſonders die Klaſſen der jüngeren Kollegen ſeiner Aufmerkſamkeit unter⸗ zog. Am 27. Juni examinierte der unterdeß verewigte hochwürdige Biſchof, Herr D. theol. Brück(Mainz), in Gegenwart des Gr. Gymnaſialdirektors, die katholiſchen Schüler in Religion.
Die Reifeprüfung fand in dem am 19. Februar abgehaltenen mündlichen Examen ihren Abſchluß, unter dem Vorſitz des Direktors, der zum Regierungskommiſſär beſtellt war. Die 17 Oberprimaner konnten alle als reif entlaſſen werden, 10 von ihnen wurden ſogar von der mündlichen Prüfung gänzlich befreit(ſ. S. 7)
2. Das Lehrerkollegium erfuhr in ſeinem Beſtande keine Änderung und auch von Krankheiten wurden wir faſt völlig verſchont. Nur mußte im Juli 1903 der Direktor zur Wiederherſtellung ſeiner Geſundheit Urlaub nehmen, und während deſſen vertraten ihn Herr Profeſſor D. Stamm in den Direktorialgeſchäften, Herr Ober⸗ lehrer Altendorf im Unterricht der IA, Herr Lehramts⸗Akzeſſiſt Wimmenauer im deutſchen Unterricht der IB und IIIA in dankenswerteſter Weiſe. Im Januar wurde Herr Ober⸗ lehrer Dr. Bernbeck durch eine in ſeiner Familie auftretende anſteckende Krankheit der Schule ferngehalten. Vor Pfingſten 1903 mußte Herr Levy zehn Tage fehlen, von da an bis Anfang Juli Herr Prof. Kutſch.
3. Dem pädagogiſchen Seminar gehörten im Sommer 1904 an: die Herren Georg Bentz(Neuere Philol.); Dr. Ludwig Ruhl(Alte Philol.); Dr. Ludwig Falter(Mathem.); Karl Unverzagt(Neuere Philol.); Otto Waſſem(Alte Philol.). Alle dieſe Herren wurden im Sommer 1903 an verſchiedenen Anſtalten des Landes bereits verwendet; die Herren Bentz und Unverzagt ſogar während des ganzen Semeſters.
Im Herbſt traten hinzu die Herren: Dr. Eugen Koeſer(Alte Philol.); Wilhelm Boeck(Mathem. Naturw.); Dr. Ludwig Fahz(Alte Philol.); Dr. Heinrich Graef(Latein und neuere Philol.); Theodor Ranft(Neuere Philol.); Ludwig Schimpf(Mathem. und Naturw.); Karl Weimer(Neuere Philol.).
4. Die Vereine der Schüler. Dem Schülerorcheſter gehörten an: Kloſe, IA; Netto, IB; Bürſtlein, IB; Seib, IIIA: Violine I. Zörb, III B; Heimer, II A;


