III. Zur Geschichte der Anstalt.
Das Schuljahr begann am 19. April 1926 mit der Aufnahmeprüfung der neueingetretenen Schüler, der regel- mässige Unterricht am 20. April.
Herr Assessor Schlosser musste zur Wiederherstellung seiner Gesundheit bis zum Herbst beurlaubt werden und wurde durch Herrn Assessor Dr. Grünewald vertreten. Ebenso war Herr Assessor Keim wegen eines Ohren- leidens bis zu den Sommerferien beurlaubt; sein Vertreter war Herr Assessor Friedrich Quack. Letzterer blieb noch bis zu den Herbstferien als Volontär an der Anstalt, um dann eine Vertretung an der Lutherschule in Waldheim (Sachsen) zu übernehmen. Herr Dr. Grünewald wurde nach Butzbach versetzt. Herr Assessor Keim kam im erbst in ein für ihn günstigeres Klima nach Wimpfen, während seine Stelle Flerr Assessor Dr. Floering, bisher an der deutschen Schule in Madrid, übernahm.
Durch Verfügung des Landesarntes für das Bildungswesen wurde der bisherige Leiter der Anstalt, Herr Studien- direktor Adler zum Oberstudiendirektor am Gymnasium und der Realschule in Bingen ernannt, und an seine Stelle trat der Studienrat am Realgymnasium in Mainz, Heinrich Scholl, beide mit Wirkung vom 1. jJuni 1927. Herr Di- rektor Adler, dem die Schule für sein erfolgreiches Wirken zu grossem Dank verpflichtet ist, verabschiedete sich bei einer kleinen Feier in der Turnhalle am 30. Juni von den Lehrern und Schülern und nahm die besten Wünsche für seine neue Tätigkeit entgegen.
Am 1. September wurde der Schulverwalter Friedrich Mössinger zum Reallehrer ernannt.
Am 8. Februar erwiesen wir dem plötzlich während des Sonntagsgottesdienstes von einem Schlaganfall betrof- fenen Kollegen, Professor i. R. Ludwig Dörr, die letzte Ehre. Von 1913 bis zu seinem Ausscheiden aus dem Dienst gehörte er dem Lehrkörper der Realschule an und wird in der Erinnerung seiner Mitarbeiter, die vollzählich an seinem Grabe versammelt waren, und seiner Schüler weiter leben. Der Unterzeichnete widmete dem Ib. Verstorbenen am Grabe Worte des Dankes und des Abschiedes.
Unter der Grippe hatten im Januar neben einigen Lehrern, die durch das Kollegium vertreten wurden, auch eine grössere Anzahl von Schülern zu leiden, doch konnte der Unterricht ohne erhebliche Störung durchgeführt werden.
Schulfeiern.
Zur Feier des diesjährigen Jugendfestes am 26. Juni begaben sich Lehrer und Schüler, begleitet von einigen Eltern in festlichem Zuge nach dem Gernsheimer Wald, wo eine kurze Ansprache des Unterzeichneten, ernste und heitere Deklamationen und Aufführungen, Lieder und Musikvorträge, fröhliche Spiele und spannende Wettkämpfe in bunter Folge wechselten. Freundliche Spenden aus Elternkreisen ermöglichten es, die Mitwirkenden und Sieger be- sonders auszuzeichnen.
Die Verfassungsfeier fand am 21. August statt. Zwischen Liedern und Deklamationen sprach Herr Studienrat Schnauber über Wesen und Wert der Verfassung.
Für die evangelischen Schüler wurde am 30. Oktober eine Vierhundertjahrfeier der Einführung der Reformation in Hessen veranstaltet, an der auch die beiden in unserem Gebäude untergebrachten evangelischen Volksschulklassen teilnanmen. In seiner Festrede behandelte Herr Dekan Vogel die der Einführung der Reformation vorausgehende reformatorische Bewegung in FHessen und zeigte, in welcher Form sich das schwierige Werk vollzog.
Die Totengedenkfeier am 11. November war in Wort und Lied auf einen ernsten Ton abgestimmt. Dabei gedachte Herr Dekan Vogel in zu fierzen gehenden Worten unserer Toten und ihres Fieldentums und führte aus, dass der Gedanke an sie uns die Bedeutung des Leids erkennen lässt und uns zur Treue mahnt gegen uns selbst und unsere Pflichten.
Ein besonderer Glanz und eine weihevolle Stimmung lag wieder über unserer Weihnachtsfeier am Nachmittag des 21. Dezember. In überfüllter Turnhalle vor der in diesem Jahre vervollständigten Schulbühne lauschten Kinder und Erwachsene den Vorträgen, Liedern und Weihnachtsspielen, die in reicher Fülle von den kleinen Künstlern ge- boten wurden, bei Jung und Alt einen starken Eindruck hinterliessen und innige Weihnachtsstimmung erweckten. Der Dank der Schule sei auch an dieser Stelle den Lehrern und Schülern, die sich um die gute Sache Verdienste erwarben, dargebracht.
Vorträge und Deklamationen bei der Pestalozzifeier am 17. Februar liessen die persönlichkeit des grossen Er- ziehers wieder lebendig werden. Dabei entwarf Herr Reallehrer Mössinger ein eindrucksvolles Bild dieses edlen
Menschenfreundes, der ein leuchtendes Beispiel selbstloser Erziehungsarbeit ist.


