Jahrgang 
1925
Einzelbild herunterladen
  

6

jahr und am 18. Dezember 1924 hatten ein befriedigendes Ergebnis. Einzelnen Schülern und Schülerinnen gab der Amts- arzt Verhaltungsmassregeln, deren Befolgung zur Besserung ihres Gesundheitszustandes beitragen kann.

Mit der Rückkehr ausgewiesener Beamten in ihre Heimat hat eine grõssere Anzahl Schülerund Schülerinnen unsere Schule wieder verlassen und besucht jetzt wieder die Schule ihrer Heimatstadtoder Schulen in der Nähe. Die Kinder von Lampert- heim, Hofheim und Biblis blieben bis auf einige Ausnahmen in unserer Schule, auf der sie seiner Zeit infolge der Besatzungs- verhältnisse liebevolle Aufnahme gefunden hatten. Diesonstigen Austritte bewegten sich in normaler Grenze, nur trat eine Häufung ein um Neujahr 1925, da das Schulgeld für manche Eltern zu hoch geworden war. Die betreffenden Eltern be- tonten der Direktion, dass sie das Schulgeld nicht mehr aufbringen könnten und genötigt seien, ihr Kind aus der Schule herauszunehmen.

Die Heizung des Schulgebäudes im Winter bereitete dieses Jahr keine Schwierigkeiten, da wir mit genügend gutem Heiz- material versehen waren. jedoch wurden noch immer Spar- massnahmen getroffen.

Von der früner eingerichteten Buchhilfe wurde noch in mehreren Fällen Gebrauch gemacht.

Die Nothilfesammlung durch Beteiligung an dem Kauf von Wohlfahrtsbriefmarken erbrachte 42,80 R.-M., die an die Bezirksfürsorgestelle Gross-Gerau abgeführt worden sind.

Im abgelaufenen Schuljahr fanden wiederholt in un- mittelbarer Nähe der Südseite von Gernsheim Ausgrabungen statt, die bestätigten, dass nier eine rõmische Siedelung oder gar ein römisches Kastell war. Der Herr Studienrat Dr. Burk, die Herren Assessoren Schlosser und Dr. Vogel haben sich um diese Grabungen grosse Verdienste erworben. Auch die Schüler der oberen Klassen haben öfters bei den Aus- grabungen eifrig mitgeholfen.

Am 10. Dezember 1924 und am 21. März 1925 besuchte die Schule den Filmvortrag des Herrn Dr. Vetter aus Darmstadt über die Nordsee.

Schulfeierlichkeiten.

Vom jugendfest war oben die Rede. Da die öffentliche Verfassungsfeier in die Sommerferien fiel, wurden die Schüler und Schülerinnen gleich am ersten Schultage nach den Ferien, am 8. Aug. 1924, durch Ansprachen in den Klassen auf die Bedeutung der deutschen Reichsverfassung hinge- wiesen. Der Unterricht fiel aus.

Am Gedenktage für die Gefallenen des Weltkrieges hat Herr Schulverwalter Mössinger einen interessanten Licht- bildervortrag über HolbeinsTotentanz geboten. Chorlieder und Darbietungen des verstärkten Lehrerorchesters trugen wesentlich zur Hebung der ernsten Feier bei.

Weihnachtsfeiern haben wir in Lampertheim am Nach- mittag des 17. Dez. 1924 und in Gernsheim am 19. Dez. 1924 veranstaltet. Ein sinniges Weihnachtsmärchenspiel kam zur Aufführung. Beide Veranstaltungen waren aus Eltern- kreisen und von Freunden der Schule gut besucht.

Am 5. März 1925 fand die Trauerfeier zu Ehren des verstorbenen Reichspräsidenten Friedrich Ebert statt. Eine Darbietung des Orchesters und ein Chorlied umrahmten die Traueransprache des Direktors.

Die Schluss- und Entlassungsfeier findet am Freitag, den 27. März 1925, nachmittags 5 Uhr, statt. Als Leitgedanke liegt der Feier zu Grunde:Das Deutschtum im Auslande.

Wanderungen.

Ausser verschiedenen kleineren Gängen in die nähere Umgebung und einem Tagesausflug im Frühbjahr, am 15. Mai 1924, fand noch ein grosser Ausflug am 16. bezw. am 17. Sept. 1924 statt:

Ila zwei Tage im Odenwald durchs Finkenbachtal nach dem Neckartal und Heidelberg.

IIb zwei Tage mit dem Ziele Wimpfen und Weinsberg.

IIIa 1 Tag Heidelberg, IIlb Felsberg und Reichenbach.

IVI Auerbach Fürstenlager Schönberg, IVZ Bensheim Knoden Feisenmeer und Fürstenlager.

VI Frankenstein Darmstadt, V Hähnlein Rodau Jägersburg.

VI Bensheim Hemsbach Gronau.

IV./ Bekanntmachungen und Mitteilungen an die Eltern.

Das Schuljahr 1925/26 beginnt Montag, den 20. April 1925 mit den Aufnahmeprüfungen und am Dienstag, den 21. April 1925, mit dem vollen lehrplanmässigen Unterricht.

Das Schulgeld beträgt zur Zeit für alle Klassen monat- lich 15 R.-M. Wenn auch dieser Satz sehr hoch ist, so sollten sich doch die Eltern nicht abhalten lassen, dieses Opfer für die Ausbildung ihrer Kinder zu bringen; denn die Bildung und das Wissen sind noch immer das beste Kapital, das die Eltern ihren Kindern geben können. Kapital an Geld kann verloren gehen, eine gediegene Ausbildung auf der Schule aber ist ein unverlierbares Kapital. Uebrigens

darf man hoffen, dass der Schuldgeldsatz auch wieder nied-

riger wird. Ermässigungen für Geschwister treten ein, und tüchtige brave Schüler und Schülerinnen können auch Frei- stellen erhalten, soweit das die behördlichen Bestimmungen ge- statten. Die Direktion bittet, das Schulgeld pünktlich zu zahlen.

Die Aufnahmebedingungen sind im grossen und ganzen wie früher. Bei guten Leistungen in der Volksschule werden

die Kinder ohne Prüfung in die Sexta aufgenommen. Dieses Jahr werden auf Grund des Grundschulgesetzes nur Kinder mit vierjährigem Grundschulbesuch in die Sexta auf- genommen. jedoch können unter gewissen Bedingungen und in Ausnahmefällen auch diese Ostern noch Kinder, die vor dem 1. Okt. 1915 geboren sind, aufgenommen werden. Die Ent- scheidung liegt bei dem Landesamt für das Bildungswesen. Die Direktion wird bereitwillig Auskunft erteilen.

Aufnahmegesuche für Mädchen unterliegen nicht mehr dem Eingabestempel.

Die Eltern werden gebeten, den Direktor oder die Klassenlehrer von beabsichtigten Besuchen vorher zu be- nachrichtigen. Die Besuche der Eltern zum Zwecke der Erkundigung nach den Leistungen und dem Verhalten ihrer Söhne und Töchter sind wünschenswert und stets willkommen, weil sie im Interesse der Kinder liegen. Der Direktor ist in der Regel an den Schultagen von 1112 Uhr auf seinem Amtszimmer zu sprechen.

Die Direktion der hessischen Realschule Gernsheim:

Adler.