Jahrgang 
1925
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III. Zur Geschichte der Anstalt.

Das neue Schuljahr begann Montag, den 28. April 1924 mit Aufnahmeprüfungen der neuangemeldeten Schüler.

Es ist das erstemal seit Ostern 1917, dass wieder ein gedruckter Jahresbericht in mässigem Umfange erscheint.

Am 16. April 1924 wurde Herr Studiendirektor Gerhard Beisinger zum Oberstudiendirektor an der Oberrealschule in Heppenheim ernannt. Herr Direktor Beisinger hat seit Ostern 1921 an der hiesigen Realschule erfolgreich gewirkt. Mit grosser Umsicht und Tatkraft hat er in schweren Zeiten die Geschicke der Schule geleitet. Verhältnisse, die unten er- wähnt sind, brachten es mit sich, dass Herr Direktor Beisinger erst am 29. Oktober 1924 endgültig Abschied von unserer Schule nehmen konnte. Bei dieser Gelegenheit dankte der Unterzeichnete dem seitherigen Leiter der Schule für seine erspriessliche Tätigkeit und gab ihm im Namen der Lehrer und der Schüler die besten Wünsche für seine Zukunft mit. Herr Direktor Beisinger verabschiedete sich darauf in einer längeren Ansprache, in der er besonders das einträchtige Zusammenwirken mit seinen Amtsgenossen hervorhob und den Schülern und Schülerinnen väterlich-freundliche Worte für ihre Lernzeit widmete.

Zum Nachfolger in der Leitung der Realschule Gernsheim wurde durch Dekret vom 16. April 1924 der Unterzeichnete ernannt. Er war seither als Studienrat am Gymnasium zu Bensheim tätig. Weder Herr Oberstudiendirektor Beisinger noch der neue Leiter der Realschule konnten zu Beginn des Schuljahres 1924/25 ihren Dienst antreten, weil sie keine Wohnung finden konnten. So mussten sie zunächst ihren Dienst an ihrer seitherigen Dienststelle weiter versehen. Herr Direktor Beisinger erteilte an unserer Anstalt zunächst den Unterricht des Unterzeichneten, bis er im Auftrage des Landes- amts für das Bildungswesen ab l. Juni 1924 die Leitung der Oberrealschule Heppenheim übernehmen musste. Während er von diesem Zeitpunkt ab seine unterrichtliche Tätigkeit hier aufgeben musste, behielt er noch die Leitung und Ver- waltung der Realschule bis zum Herbst bei. Der Unterricht des Direktors wurde in dieser Zeit durch die Herren Amts- genossen in z. Teil zusammengelegten Unterrichtsfächern ge- halten. So mussten die IIa und IIb im Deutschen zusammen- gelegt werden, der Lateinunterricht in IIa fiel während dieser Zeit ganz aus. Dieser Zustand dauerte bis zum Schluss des Sommerhalbjahres. Im Okt. eröffnete sich nach verschiedenen vergeblichen Versuchen endlich eine günstige Aussicht für den Unterzeichneten, eine Wohnung in Gernsheim zu er- halten. Anfang November konnte er diese Wohnung beziehen.

Zu Beginn des Winterhalbjahres 1924/25 hat der neue Direktor seinen Dienst mit einer Begrüssung der Lehrer, Schüler und Schülerinnen der Anstalt angetreten. Der Stunden- plan konnte nunmehr regelrecht durchgeführt werden.

Am 1. Mai 1924, also gleich nach Beginn des neuen Schuljahres, ist Herr Studienrat Wilhelm Schmitt in den einstweiligen Ruhestand getreten, nachdem er vom 24. Olt. 1907 an ununterbrochen an unserer Schule gewirkt hatte. Die dienstliche Tätigkeit des von unserer Schule geschiedenen Amtsgenossen bedarf einer ganz besonderen Erwähnung. Herr Studienrat Schmitt ist seit jahren körperlich leidend. Aber dieses Leiden hat seine Tätigkeit als Lehrer niemals beeinträchtigt. Herr Kollege Schmitt hat stets mit bestem Erfolge seine Lehrtätigkeit ausgeübt. Seinen Amtsgenossen war er ein treuer und lieber Mitarbeiter, seinen Schülern und Schülerinnen, die in geradezu kindlicher Verehrung und Liebe

an ihm hingen, ein guter Lehrer und wahrer Freund. Nur sein schweres körperliches Leiden zwang ihn, vorzeitig in den Ruhestand zu treten. Die besten Wünsche der gesamten Schule begleiten ihn auf seinem weiteren Lebenswege.

Zu Beginn des Schuljahres wurde Herr Studienassessor Julius Keim mit der Verwaltung einer Studienratsstelle an unserer Schule durch Dekret vom 23. 4. 24 beauftragt. Herr Assessor Keim hat seinen Dienst am 28. 4. 24 angetreten.

Mit Beginn des Winterhalbjahres wurde Herr Studien- referendar Dr. Walter Vogel unserer Schule zur Ableistung seines Probejahres überwiesen. Mit Wirkung vom 1. Okt. 1924 ist er zum Studienassessor ernannt worden. Herr Assessor Dr. Vogel hat in verschiedenen Klassen den Unterricht über- nommen.

Vom 20. Okt. 1924 ab bis zu den Weihnachtsferien musste Herr Studienassessor Fr. Herbert krankheitshalber Urlaub nehmen. Mit seiner Vertretung war durch Verfügung des Landesbildungsamts vom 29. Okt. 1924 Herr Studienassessor Dr. Theodor Duseberg beauftragt. Leider ist Herr Kollege Herbert seit dem 14. Febr. 1925 wieder erkrankt. Er musste sich einer Operation unterziehen., In den ersten Tagen seiner Erkrankung übernahmen die Amtsgenossen die Vertretung, vom 25. 2. 25 ab wurde als Vertreter Herr Studienreferendar Kurt Freidank geschickt. Mit einigen kleinen Aenderungen im Stundenplan konnte nun der Unterricht bis zum Schluss des Schuljahres ohne Störungen durchgeführt werden.

Das Jugendfest wurde am 24. Juni gefeiert. Chor und Orchester erfreuten durch ihre Weisen. Heitere Gedichte, zum Teil in einheimischer Mundart, eine Parodie, Sologesänge, lustige Reigen, ein Tanzspiel von Sommer und Winter er- zeugten eine jugendfrohe Stimmung. Im Schulhofe fanden in bunter Folge Spiele, Wettkämpfe und Reigen statt. Die Anteilnahme der Eltern und Freunde der Anstalt war rege. (Nach dem Berichte des Herrn Kollegen Mössinger.)

Am 1. Juli 1924 beehrte der Hochwürdigste Herr Bischof von Mainz, Dr. Ludwig Maria Hugo, unsere Schule mit seinem Besuche und wohnte dem Religionsunterricht der kath. Schüler und Schülerinnen bei.

Vom 16. bis 18. Okt. haben die Herren Studienrat Stöppler, die Herren Assessoren Herbert und Dr. Sassmannshausen an einem naturwissenschaftlichen Fortbildungskursus in Darmstadt teilgenommen. Der Hausmeister, Herr Wolf, war in der Woche vom 27. Okt. bis 1. Nov. 1924 zu einem Ausbildungs- kursus auf der Hochschule für Politik in Berlin beurlaubt.

Am 19. Nov. 1924 beehrte Herr Ministerialrat Dr. Dorfeld die Schule mit seinem Besuche und wohnte dem Unterricht in allen Klassen bei.

Abgesehen von den Störungen, die der Unterrichtsbetrieb notgedrungen durch die oben erwähnte Verzögerung des Umzuges und den damit verbundenen, verspäteten Amtsantritt des neuen Leiters der Schule erfuhr, konnte der Unterricht im abgelaufenen Schuljahr ordnungsgemäss durchgeführt werden. Auch Störungen durch Erkrankungen mit Aus- nahmen des erwähnten Falles waren gering.

Der Gesundheitszustand der Schüler und Schülerinnen war im grossen und ganzen gut. Vereinzelte Fälle von Grippeerkrankungen kamen vor. Ein Mädchen musste aus Gesundheitsrücksichten die Schule verlassen. Die von dem Amtsarzt des Kreisgesundheitsamts Darmstadt,(Herrn Dr. Vix) vorgenommene schulärztliche Untersuchung im Früh-