Sehulnachrichten.
I. Schulgeſchichte.“
Die höhere Bürgerſchule begann das Schuljahr am 22. April. Nachdem die Landſtände dem Antrag der Großherzog⸗ lichen Staatsregierung— auf Verſtaatlichung der Anſtalt und Umwandlung derſelben in eine Realſchule— Folge gegeben hatten, fand die Uebernahme am 15. Juni ſtatt, der ſich am 17. Juni die Einführung des Direktors durch den Herrn Geheimen Oberſchulrat Soldan anſchloß.
Ein Allerhöchſtes Dekret vom 1. Juni 1895 berief den Lehrer an dem Gymnaſium Fridericianum zu Laubach Dr. Wilhelm Lahm²) zum Direktor der Schule; durch Allerhoͤchſte Dekrete vom 1. und 25. Juni wurden die Lehrer an der Realſchule und dem Progymnaſium zu Alzey Dr. Wilhelm Bremme*) und Dr. Guſtav Storck') an unſere Anſtalt verſetzt, die Lehrer an der höheren Bürgerſchule zu Gernsheim Ludwig Schmitt') und Adam Böhm’) zu Lehrern an der Groß⸗ herzoglichen Realſchule ernannt.
Durch Verfügung Großherzoglichen Miniſteriums vom 1. Juni wurden den Lehramtsaſſeſſoren Karl Vogt,*) Dr. Edmund Lücken?) und Wilhelm Schottler) je eine Lehrerſtelle übertragen.“
Infolge dieſer Aenderungen ſind drei verdiente Lehrer der höheren Bürgerſchule zu Gernsheim am 15. Juni ausge⸗ ſchieden. Herr Dirigent Joſt wurde durch Allerhöchſtes Dekret zum Lehrer an der Realſchule in Bingen ernannt, die Lehr⸗ amtsaſſeſſoren Noack und Roth tauſchten ihre hieſigen Stellen gegen ſolche an den Realſchulen zu Alzey beziehungsweiſe Alsfeld.—
1) Eine vollſtändige Geſchichte der höheren Bürgerſchule zu Gernsheim ſoll als Beilage zu dem nächſtjährigen Programm erſcheinen. Für dieſes Jahr müſſen wir uns auf Mitteilungen aus dem Schuljahr 1895/96 beſchränken, weil unſer für Druckkoſten bewilligter Kredit durch die Anfertigung der zur Geſchäftsführung nötigen Förmularien ſchon ſehr klein geworden iſt.
2) Dr. Wilhelm Lahm, geboren am 14. Dezember 1856 zu Wörrſtadt in Rheinheſſen, beſuchte von 1870 bis 1874 das Realgymnaſium zu Mainz, ſtudierte bis 1879 in Gießen und Berlin Mathematik und Naturwiſſenſchaften, erledigte ſein Probejahr an dem Gymnaſium Fridericianum zu Laubach, wurde am 1. April 18809 dort definitiv angeſtellt und durch Allerhöchſtes Dekret vom 1. Juni 1895 zum Direktor der Großherzoglichen Realſchule zu Gernsheim ernannt.
3) Dr. Wilhelm Bremme, geboren den 8. Dezember 1839 zu Wickede in Weſtfalen, ſtudierte nach Abſolvierung des Gymnaſiums in Warendorf bis zum Jahre 1867 in Münſter und Greifswald Mathematik und Naturwiſſenſchaften, war nach abgelegtem Probejahr am Real⸗ gymnaſium in Wiesbaden im Ausland, wurde 1877 an der Realſchule in Oppenheim definitiv angeſtellt, war 1889— 1895 an der Realſchule und dem Progymnaſium zu Alzey und ſeit dem 15. Juni 1895 an der Realſchule in Gernsheim.
4) Dr. Guſtav Storck, geboren 19. Juni 1852 zu Schönderg, Kreis Bensheim, beſuchte das Gymnaſium zu Bensheim, machte nach deſſen Abſolvierung den Feldzug 1870/71 mit, ſtudierte darauf bis 1876 auf der Landesuniverſität klaſſiſche Sprachen, Deutſch und Geſchichte. Beſtand im Juli 1876 die Prüfung und fand bis 1878 proviſoriſche und dann definitive Verwendung an dem Gymnaſium zu Bensheim, wurde 1880 an die Realſchule zu Alzey und 1895 an die zu Gernsheim verſetzt.
5) Ludwig Schmitt, geboren den 19. Auguſt 1861 zu Neckarſteinach, beſuchte von 1873— 1878 das Realgymnaſium zu Mainz. ſtudierte bis 1883 in Straßburg Neuere Philologie, erledigte ſein Probejahr am Gymnaſium zu Mainz, war ſodann im Volksſchuldienſte zu Darmſtadt an der Knaben⸗Mittelſchule und Stadtſchule, vom 9. April 1891 an an der höheren Bürgerſchule zu Gernsheim verwendet, wurde an dieſer Anſtalt am 1. Oktober 1894 definitiv, ſodann durch Allerhöchſtes Dekret vom 1. Juni 1895 zum Lehrer der Großherzoglichen Realſchule zu Gernsheim ernannt..
6) Johann Adam Böhm, geboren den 8. März 1860 zu Bechtolsheim im Kreiſe Oppenheim, beſuchte von 1875 bis 1876 die Präparanden⸗ anſtalt zu Lindenfels und von 1876 bis 1879 das Großherzoglich Heſſiſche Schullehrer⸗Seminar in Bensheim. Durch Hohes Dekret vom 23. April 1879 wurde ihm eine Lehrerſtelle an der höheren Bürgerſchule zu Gernsheim proviſoriſch und am 1. Juni 1884 durch Allerhöchſtes Dekret definitiv übertragen. Am 1. Juni 1895 wurde er durch Allerhöchſte Entſchließung Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs zum Lehrer an der Großherzoglichen Realſchule zu Gernsheim ernannt.
7) Karl Vogt, Lehramtsaſſeſſor, geboren den 24. September 1861 zu Battenberg im Hinterland, beſuchte die Realſchule zu Alsfeld von 1867— 1876, das Realgymnaſium zu Darmſtadt von 1876- 1879, ſtudierte auf den Hochſchulen zu Darmſtadt und Gießen Mathematik, Phyſik und Zoologie, diente von 1887— 188s8, beſuchte von Herbſt 1891 bis Oſtern 1893 das Seminar in Darmſtadt und wurde nach einer Ver⸗ wendung in Gießen durch hohe Verfügung vom 28. Juli 1893 mit einer proviſoriſchen Lehrerſtelle an der höheren Bürgerſchule in Gernsheim betraut.
8) Dr. Edmund Lücken, geboren den 30. März 1863 zu Teutoniahütte, Kreis Warburg, Weſtfalen, beſtand das Maturitätsexramen am Ludwig⸗Georg⸗Gymnaſium zu Darmſtadt Oſtern 1887, ſtudierte in Gießen Neuere Philologie, Deutſch und Geſchichte und abſolvierte die Facul⸗ tätsprüfung am 1. März 1891. Von Oſtern 1891 bis Oſtern 1892 legte er als Mitglied des pädagogiſchen Seminars am neuen Gymnaſium zu Darmſtadt ſein Probejahr zurück. Einen vierteljährigen Urlaub benutzte er, um ſich in Genf im Gebrauche der franzöſiſchen Sprache zu vervollkommenen. Er war alsdann thätig an dem Realgymnaſium zu Darmſtadt, den Realſchulen zu Heppenheim und Michelſtadt und der höheren Bürgerſchule zu Gernsheim.:
9) Wilhelm Schottler, geboren am 25. März 1869 zu Mainz, beſtand das Maturitätsexamen am Realgymnaſium zu Mainz im Auguſt 1887, ſtudierte in Gießen Naturwiſſenſchaften und Mathematik und legte die Facultätsprüfung am 2. März 1892 ab. Er abſolvierte das Probejahr am Realgymnaſium zu Mainz und wurde am 10. Auguſt 1894 zum Lehramtsaſſeſſor ernannt.


