Jahrgang 
1899
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IHI. Chronik der Schule.

1. Eröffnung des Schuljahres. Am 19. April begann das Schuljahr in feierlicher Weise mit Gottesdienst, worauf die Einreihung der Schüler in die einzelnen Klassen und die Mitteilung der Schulgesetze auf der Aula erfolgte. Die Aufnahme- prüfung der neuen Schüler hatte bereits am Tage vorher stattgefunden. Die Organisation der Anstalt erfuhr insofern eine Anderung, als die Realschule(mit gymnasialem Parallelunterrichte für die 3 unteren Klassen) ihren sechsten Jahreskursus, die Prima, erôffnete, sodass mit Ablauf dieses Berichtsjahres der innere Ausbau der Realschule beendet ist. Bemerkt sei, dass die Quarta 16 Real- und 5 Lateinschüler, die Quinta 13 Real- und 5 Lateinschüler, die Sexta 16 Real- und 7 Lateinschüler zählte.

2. Kuratorium. Im Bestande desselben sind keine Veränderungen erfolgt. Ehrend wird auch an dieser Stelle erwähnt, dass Herr Fabrikbesitzer Bernhard Iloehl sen. während des Berichtsjahres auf eine 25jährige erspriessliche Thätigkeit als Mitglied des Kuratoriums zurückblicken konnte.

3. Lehrerkollegium. Am Schlusse des Schuljahres 1807/98 verliess uns Herr Hülfslehrer Dr. Maxeiner, welcher der Anstalt ein Jahr angehört hatte, um in gleicher Eigenschaft an die Oberrealschule in Hlanau überzugehen. In die erledigte Stelle trat Herr Hülfslehrer Hosch aus Biedenkopf. Vom 28. Juni bis 11. Juli war IIerr Oberlehrer Dr. Siele zu einer militärischen UÜbung nach Wiesbaden einberufen. Zu Anfang November erkrankte der Kollege leider so schwer, dass er um Urlaub bis zum Ende des Winterhalbjahres einkommen musste; seine Stunden übernahmen bereitwillig die übrigen Herren, bis mit dem 1. Dezember Herr Kandidat Gaebel von der Oberrealschule zu Marburg a. L. der Anstalt zur Fortsetzung seines Probejahres überwiesen wurde. Ierr Oberlehrer Martin, der mehr als zehn Jahre an der Anstalt treu gewirkt hat, wird uns zu Ostern d. J. verlassen, um eine Oberlehrerstelle an dem in der Entwickelung zum Gymnasium begriffenen Progymnasium zu Hôchst a. M. an- zutreten. Unsere besten Wünsche begleiten den scheidenden Kollegen!

4. Schulfeiern. Die Geburts- und Sterbetage der in Gott ruhenden Hohen- zollernkaiser Wilhelm I. und Friedrich III. beging die Anstalt in der Aula durch würdige Gedenkfeiern, bei denen neben einer Ansprache Gesänge und Gedichte, die auf die Bedeutung des Tages Bezug hatten, zum Vortrage gelangten. Die Gedächtnis- rede am 15. Juni hielt der Direktor, am 18. Oktober Ilerr Oberlehrer Sauerborn, am 9. März Herr Hülfslehrer HIosch und am 22. März Herr Hülfslehrer Gaebel.

Den Allerhöchsten Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers und Königs feierte die Realschule auf der prächtig geschmückten Xula durch einen Festaktus, den zahl- reiche Gäste aus dem ganzen Rheingau mit ihrer Anwesenheit beehrten. Die Schüler trugen der Feier des Tages entsprechende Chorgesänge, Deklamationen, sowie Klavier- und Violinstücke vor; das patriotische FestspielDeutschland über Alles von Gôbel erregte allgemeines Interesse. In der stimmungsvollen Festrede verbreitete sich Herr Oberlehrer Nägler über die Fortschritte auf dem Gebiete der Mathematik.