7. Sonntag, den 16. Juni, führte Herr Domkaplan Alsheimer’ in Vertretung des erkrankten Religionslehrers 20 katholiſche Schüler, die er in aufopferndſter Weiſe in beſonderen Stunden vorbereitet hatte, zur erſten hl. Kommunion. Sonntag, den 23. Juni, empfing eine größere Anzahl katholiſcher Schüler im hohen Dom die hl. Fiyrmung. Sonntag, den 26. April, wurden 11 evangeliſche Schüler der Anſtalt nach Vorbereitung durch den Herrn Superintendenten Ruhl konfirmiert.
8. Mit Genehmigung der vorgeſetzten Behörde wurde vom 10. Juni an den Primanern von dem dem hieſigen Kgl. Gymnaſium zugewieſenen franzöſiſchen Lehramtsaſſiſtenten Herrn Léonetti in zwei Kurſen zu je 2 Stunden wöchentlich franzöſiſche Konverſation erteilt. Die ſtädtiſchen Körperſchaften hatten auf Befürwortung der Sache durch das Kuratorium mit großer Bereitwilligkeit die erforderlichen Mittel dazu ausgeworfen.
9. An dem Geburts⸗- und dem Todestage der beiden hochſeligen Kaiſer richteten die Ordi⸗ narien Gedenkworte an die Schüler ihrer Klaſſen.
10. Die Sedanfeierwurde, wie üblich, am 2. September im engſten Kreiſe durch Deklamation, Geſang und eine Feſtrede begangen; in dieſer verſuchte der Berichterſtatter durch Schilderung der Eindrücke, die ein mehrtägiger Beſuch der Schlachtfelder um Metz in ihm hervor⸗ gerufen hatte, den Schülern eine möglichſt lebh hafte Vorſtellung von dem Schauplatze des blutigen Ringens und von dieſem ſelbſt zu veymitteln. Die Feier des kaiſerlichen Geburts⸗ tages fand in dem vom Magiſtrate uns zur Verfügung geſtellten roten Saale der Orangerie unter ſtarker Beteiligung von Angehörigen unſerer Schüler und Freunden der Amftalt r am 27. Januar um 11 4 Uhr vormittags ſtatt. In ſeiner Feſtrede verbreitete ſich Herr Profeſſor Dr. Melchior über die erſtaunlichen Fortſchritte, welche die Wiſſenſchaft der Phyſik und Chemie und durch ſie die Technik in den letzten Jahrzehnten gemacht haben, ſowie über die wirkſame Förderung, welche un⸗ ſer Kaiſer dieſen Beſtrebungen hat angedeihen laſſen.
11. Der Unterricht begann während des ganzen Sommers 1907 an allen Tagen außer Mittwochs und Samstags um 7 Uhr und unfaßte täglich 5 Vormittagsſtunden.
Vom 15. Januar 1908 bis 12. Februar wurde der Schulgottesdienſt für die katholiſchen Schüler an den Wochentagen wegen der ungewöhnlich ſtrengen Kälte ausgeſetzt.— Am 6. Auguſt mußte der Unterricht großer Hitze wegen verkürzt werden.
12. Der Geſundheitszuſtand der Schüler läßt ſich als befriedigend bezeichnen. Auch als im Februar die Influenza in hieſiger Stadt recht heftig auftrat, haben nur die beiden Tertien eine auffallend hohe Zahl von Erkrankten gehabt.
13. In der Verteilung der Klaſſen unſerer Anſtalt auf zwei mehrere hundert Meter von einander entfernte Gebäude iſt gegen die Vorjahre eine Veränderung nicht eingetreten. Zwar hat die Stadt in anerkennenswerter Weiſe auch in dieſem Jahre an dem alten Schulgebäude manche für die Geſundheit der Schüler und für den Unterrichtsbetrieb unabweislich nötige Verbeſſerungen mit ziemlich hohen Koſten vornehmen laſſen, doch iſt damit den ſchweren Uebelſtänden, die in den un⸗ zulänglichen oder ſonſtwie ungeeigneten Baulichkeiten und in der Unterbringung der Klaſſen in zwei Gebäuden liegen, keineswegs abgeholfen. So ſind wir in der wichtigen Frage des Neubaus noch immer auf die Hoffnung auf beſſere Tage angewieſen.


