Jahrgang 
1872
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Die Geſangübungen der Selekta leitete in 2 St. wöchentlich der Geſanglehrer Kantor Geſang. Außerdem wurden die katholiſchen und evangeliſchen Schüler abwechſelnd 1 St. wöchentlich im Choralge⸗ ſange geübt.. 1 onn 1.

Zeichenunterricht für Geübtere, woran im Ganzen 27 Schüler der Tertia, Sekunda und Prima Antheil nahmen, ertheilte jeden Mittwoch von 13 Uhr der Zeichenlehrer Binder. Es wurden Zeich⸗ nungen in Bleiſtift, Kreide und Aquarell⸗Farben angefertigt.

Die Turnübungen wurden im Sommerſemeſter auf dem, an das Gymnaſialgebäude anſtoßenden, geräumigen und zweckmäßig eingerichteten Turn⸗ und Spielplatze unter Leitung des Turnlehrers Fr. Jäneke 8 St. wöchentlich mit 4 verſchiedenen Abtheilungen betrieben, deren jede 50 bis 60 Schüler zählte. Im Ganzen betheiligten ſich 183(und 25 Schüler der Vorbereitungsklaſſe); 9 waren dispenſirt. Der Anfang wurde regelmäßig, öfters auch der Schluß, mit Freiübungen gemacht. Bei dem Turnen an Geräthen wur⸗ den hauptſächlich Gerkopf, Reck, Barren, Pferd, Springel, Schwebebaum, Schaukelringe, Klettergeräthe, Hanteln und eiſerne oder hölzerne Stäbe benutzt. An jedem Geräthe turnte eine Riege von 8 10 Mann c. 12 Minuten. Im Winter konnten wegen Mangels einer Turnhalle keine Uebungen ſtattfinden.

Zu Schwimmunterricht war im verfloſſenen Jahre keine Gelegenheit, da es in Ermangelung einer Garniſon an geeigneten Lehrern fehlte, auch eine eigene Schwimmanſtalt nicht errichtet war.

Die Kirchenordnung war dieſelbe wie in den frühern Jahren. Bei der Beichte der katholiſchen Schüler leiſtete wieder Herr Seminarlehrer Koch freundlichſt Aushülfe, wofür ich demſelben im Namen der Anſtalt den verbindlichſten Dank ausſpreche.

B. Chronif.

a) Perſonalnachrichten.

1. Durch Verfügung des Königl. Provinzial⸗Schulkollegiums vom 1. April 1871(S. 874) wurde der bisherige Rektor einer Privatanſtalt in Höhr(Amt Montabaur) Chriſtian Ernſt Krämer proviſoriſch zum Hülfslehrer und durch Verfügung vom 7. Nov.(S. 2773) zum ordentlichen Lehrer am hieſigen Gymnaſium ernannt.

Chriſtian Ernſt Krämer wurde geboren den 9. Auguſt 1839 zu Weilburg im ehemaligen Herzogthum Naſſau. Nachdem er daſelbſt ſeine Gymnaſialſtudien abſolvirt hatte, ſtudirte er 18581862 Philologie und Geſchichte, zunächſt drei Semeſter zu Greifswald, dann ebenſo lange in Berlin, endlich je ein Semeſter in Bonn und Gießen. Am letztgenannten Orte erhielt ſeine Bearbeitung der von der Fakultät geſtellten Preisfrage:Ueber den Sprachgebrauch und Stil des Salluſt den Preis. Vom Frühjahr 1862 an hielt er ſich in der Schweiz auf, beſonders in der franzöſiſchen, und ging gegen Ende des Jahres 1863 als Hauslehrer einer franzöſiſchen Familie nach Neapel. Im Herbſt 1864 ſiedelte er nach Rom über, wo er neben ſeinen Privatſtudien Unterricht in einer engliſchen und ruſſiſchen Familie ertheilte. Um Oſtern 1865 reiſte er nach Deutſchland zurück, und nachdem er am 22. Januar 1866 die Staatsprüfung in der klaſſiſchen und deutſchen Philologie und in Geſchichte für Oberklaſſen beſtanden, wurde er vom 1. April 1866 an dem Realgymnaſium zu Wiesbaden als Kollaborator zugetheilt, dann im Frühjahr 1867 an die höhere Bürgerſchule zu Geiſenheim a. Rh. verſetzt. Am 1. Dezember 1868 über⸗ nahm er die ihm angetragene erſte Lehrerſtelle und Leitung einer höheren Lehranſtalt zu Höhr(bei Vallendar a. Rh.). Mit dem 1. April 1871 wurde er ſodann von dem Königl. Provinzial⸗Schulkollegium dem Gymnaſium zu Fulda proviſoriſch als Hülfslehrer zugewieſen und durch Verfügung vom 7. November definitiv zum ordentlichen Lehrer ernannt.