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Schülerinnen Wege wies, auf denen ſie den praktiſchen Lebensanforderungen gerecht zu werden ver⸗ mögen. Daß ſich die Frauenſchule ſo gedeihlich entwickeln konnte, verdankt ſie der unermüdlichen Arbeit des Herrn Direktor Philipps und ſeines Lehrerkollegiums, denen an dieſem Feſttage Anerkennung und Dank zu zollen allen ehemaligen Schülerinnen Herzensbedürfnis ſei. Heute wolle man im Freiſe der Freundinnen fröhlich ſein und ſich der gemeinſamen Freuden der Schuljahre erinnern. Mit dem Wunſche für einen harmoniſchen Verlauf des Feſttages ſchloß Frl. Kleber ihre trefflichen Ausführungen.
Bei Kaffee und Kuchen entwickelte ſich nun eine recht fröhliche Stimmung. Den Reigen der künſtleriſchen Darbietungen zur Anterhaltung der Feſtgäſte eröffneten zwei Lieder, vom Chor der aktiven Frauenſchülerinnen unter Leitung von Oberreallehrer Schieferſtein ſehr ſchön geſungen. Hieran ſchloß ſich eine Anſprache von Direktor Philipps an. Er dankte im Kamen des Lehrerkollegiums für die freundliche Einladung zur Tagung und betonte, daß man ihr gerne entſprochen habe. Die Lehrer wollen ihren ehemaligen Schülerinnen im Geiſte nahe ſein und dergeſtalt die geiſtige Ver⸗ bundenheit zwiſchen den ehemaligen Schülern und Lehrern dartun. Durch dieſe unſere innere Bindung werde eine Tradition geſchaffen, die geeignet ſei, ſtets als Erinnerungszeichen deſſen zu dienen, was an ethiſchen und geiſtigen Werten in der Frauenſchule geſchaffen wurde. Tradition in des Wortes edelſter Bedeutung, ſtelle einen Gefühlswert dar, an dem ſich alle, die ihr huldigen, innerlich erheben könnten. Wie im ſtaatlichen Leben der Völker die Tradition ein Sinnbild ihrer Größe und ihres Wachstums ſei, jſo jolle auch hier, in der Gemeinde der ehemaligen Frauenſchülerinnen und ihrer Lehrer die Tradition der Schule geehrt werden, um aus ihr neue Anregungen für künftiges ſegensreiches Schaffen und Streben zu ſchöpfen. Mögen dieſe Tagungen dazu beitragen, den Gemeinſchaftsgeiſt zu fördern, den Willen zur gemeinſamen Arbeit an Volk und VPaterland zu ſtärken. In dieſem Sinne möge dieſer Tag erneut ein einigendes Band um alle Feſtteilnehmer ſchlingen.
Kach dieſer, mit großem Beifall aufgenommenen Kede, nahm das Feſt ſeinen weiteren, ſtimmungs⸗- vollen Verlauf. So wurde z. B. noch eine entzückende Humoreske: Stadtmädel und Lanoͤmädel von Frl. Henkel und Frl. Acker vorgetragen. Ferner wurden noch zwei hübſche Lieder vom aktiven Frauen⸗ ſchulchor gebracht. Beſonders beifällig aufgenommen wurde eine Schillergirl-Tanzpantomime, in prächtigen Koſtümen von ſieben jungen Damen der Frauenſchule getanzt, eine ebenſo gute Aufnahme fand ein Lauten⸗ und Geſangsvortrag der„Bilſteinerinnen“.
Das Feſt erreichte gegen ſieben Ahr ſein Ende und wird wohl allen Teilnehmern als eine wohl⸗ gelungene Veranſtaltung in Erinnerung bleiben, die ihren ernſten Zweck erfüllte und durch ihren heiteren Kahmen erfreute.
Die Ausſtellung der Frauenſchule und des Luzeums(21. und 22. März 1928).
Die Ausſtellung der Schillerſchule im Feldwebelbau iſt eine Lleberraſchung. Wie ſehr ſtechen doch die heutigen Handarbeitsausſtellungen von Schülerinnen ab gegen das, was man noch vor 20 Jahren auf dieſem Gebiet zu ſehen bekam. Künſtleriſcher Farbenſinn, dazu vielfach urſprünglicher kunſtgewerblicher Schmiß betätigen ſich auf den verſchiedenen Gebieten des Kunſtgewerbefleißes und ſelbſt in rein materiellen Künſten. Die Menge der Handarbeiten, die qualitativ über dem Durchſchnitt ſtehen, mußte imponieren: Kiſſen, Tiſchdecken, Deckchen, Kaffeewärmer uſw. bis zu den Verkünſtelungen an Wäſcheſtücken! Erſtaunlich iſt vor allem, was die Kinder der unterſten Klaſſen mitunter ſchon zu leiſten imſtande ſind. Man wundert ſich deshalb ſchon nicht, wenn man in den Ausſtellungsräumen der jungen Damen auf„Creationen“ der Kleiderkunſttrifft, die ſich im Schau⸗ fenſter jedes Modell⸗ und Spezialgeſchäfts ſehen laſſen könnten. Die Kochkunſtausſtellung iſt geradezu eine Aufreizung zum Geldausgeben, zum Gourmandwerden; ſie gibt einer profeſſionellen Koch⸗ kunſtſchau durchaus nichts nach mit ihren Salaten, Paſteten, Fiſchen, Käſeplatten, Torten uſw. Ein Kapitel für ſich iſt ſchließlich die Kindergarten⸗Ausſtellung: originelles Spielzeug, verfertigt von Frauenſchülerinnen und ihren Lehrerinnen. Jedes Stück, angefangen von dem zirkus und der Puppenſtube bis zu den einzelnen Tieren und Menſchen,(größtenteils aus Kiſtenholz zerſägt und ge⸗ ſchnitzt) zeigt von verſtandesmäßigem Erfaſſen der kindlichen Bedürfniſſe und herzlichem, gefühlsmäßigem Einleben in die Kinderſeele. Die Ausſtellung der Schillerſchule iſt in allen ihren Teilen eine reine Freude. Eltern und Schülerinnen ſind zu der Leiſtungsfähigkeit der Schule auf den beſprochenen Ge⸗ bieten nur zu beglücwünſchen..


