A. Zur Geschichte der Anstalt.
1. Allgemeines. Zu Beginn des Schuljahres wurden 43 Schülerinnen, davon 40 in Sexta (gegen 21 im Vorjahr) aufgenommen. Der Bestand am Anfang war 194 Schülerinnen(gegen 195 im Vorjahr). Im Laufe des Schuljahres traten 4 Schülerinnen ein, sodass eine Gesamtzahl von 198(gegenüber 197 im Vorjahr) erreicht wurde. Der Bestand am Schlusse ist 189(im Vorjahr 191). Näheres in der Tabelle S.
Der Lehrplan erfuhr gegenüber dem Vorjahr keine wesentlichen Aenderungen; es wurde nur mit Beginn des Schuljahres im mathematischen Unterricht in IIIb und IIIa die wöchentliche Stundenzahl, wie vorgesehen(s. Jahresbericht 1911), von 5 auf 4 Stunden herabgesetzt. Der Unter- richt in Nadelarbeiten wurde für die Klassen IIIb, IIla und IIb entsprechend den Bestimmungen der„Richtlinien“ wahlfrei, doch nahmen erfreulicherweise alle Schülerinnen dieser beiden Klassen bis auf 1 in IIIb, 2 in IIla und l in IIb daran teil. 3
Am Schlusse des vorigen Schuljahres waren vom Obst- und Gartenbauverein Friedberg auch an Schülerinnen der Schillerschule(Kl. IV, IIIb, IIla) verschiedene Blumensetzlinge(Geranien, Begonien, Chrysanthemen u. dgl.) zur weiteren Pflege verteilt worden. Am 12. Oktober wurden die Blumen durch ein Komitee besichtigt und an die Besitzerinnen der schönsten und bestgepflegten Blumen kleine Preise ausgeteilt. Sämtliche Blumen blieben Eigentum der Schülerinnen. Wir sagen den leitenden Herren, Landwirtschaftslehrer Dr. Hoffmann und Gärtner Henze, für ihre freund- liche und verdienstvolle Mühewaltung auch an dieser Stelle gebührenden Dank.
Vor Weihnachten wurde wieder wie bisher ein„Verzeichnis empfehlenswerter Jugendschriften“, diesmal das des Darmstädter Jugendschriftenausschusses an die Schülerinnen verteilt.
Am 20. Dezember unterzog Herr Professor Dr. Brüning von der chirurgischen Klinik in Giessen die Schülerinnen aller Klassen einer Untersuchung auf Rückgratsverkrümmungen. Die Untersuchung. die auch an anderen hessischen Schulen stattgefunden hat, sollte Material für die Beurteilung der Frage liefern, inwieweit die Schulen für die Rückgratsverkrümmungen verant- wortlich gemacht werden können; sie hatte für unsere Schule das verhältnismässig günstige Ergeb- nis, dass nur 8,0% Verkrümmungen(16 Fälle bei 180 untersuchten Kindern) im ganzen und 4% seitliche Verbiegungen festgestellt wurden, während der Durchschnitt allerhöheren Mädchenschulen in Oberhessen 9,9% bzw 5,4% beträgt. In den 16 Fällen lag 8 mal runder Rücken, 7 mal seit- liche Verbiegungen und 1 mal ein flacher Rücken(Verlängerung bedingt durch anderweitige körper- liche Fehler) vor. Schon die Tatsache, dass Verkrümmungen in den oberen Klassen weit weniger zahlreich sind als in den unteren, was auch für unsere Schule zutrifft, lässt den Vorwurf, die Schule befördere die Rückgratsverkrümmung oder verursache sie gar, grundlos erscheinen.
Am Milchfrühstück nahm zum erstenmal auch im Sommer eine grössere Zahl von Schülerinnen teil, nämlich 85; im Winterhalbjahr war die Zahl der Teilnehmenden 119.
2. Personalangelegenheiten. Der Herrn Lehramtsassessor Schlörb von Weihnachten 1911 bis zum Schlusse des Schuljahres 1911 aus Gesundheitsrücksichten erteilte Urlaub musste leider bis Pfingsten 1912 verlängert werden. Am 3. Juni konnte jedoch Herr Schlörb zu unserer Freude


