Jahrgang 
1898
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Zu beſonderem Danke fühlen wir uns Großh. Staatsregierung und hoher Kammer der Stände für die Bewilligung der für Errichtung einer Badeeinrichtung notwendigen Mittel verpflichtet.

Der Geſundheitszuſtand von Lehrern und Schülern der Anſtalt war im ganzen gut.

Durch hohe Verfügung vom 3. März 1897 wurde dem prov. Seminarlehrer Otto Urſtadt der nachgeſuchte Urlaub bewilligt und der Lehramtsacceſſiſt Konrad Alles zum prov. Seminarlehrer ernannt.

Konrad Alles wurde geboren am 7. Oktober 1863 zu Unter⸗Wegfurth im Kreiſe Lauter⸗ bach, beſuchte das Lehrerſeminar zu Friedberg von 187982 und war dann als Volksſchullehrer thätig bis zum Jahre 1891. Zu Oſtern 1893 beſtand er die Maturitätsprüfung und ſtudierte neuere Sprachen, Deutſch und Geſchichte an der Univerſität Gießen. Im März 1897 beſtand er die Staatsprüfung für dieſe Fächer.

Am 2. Oktober 1897 und 5. Februar 1898 beehrte Herr Geh. Oberſchulrat Dr. Eiſen⸗ huth die Anſtalt mit ſeinem Beſuch und wohnte mehreren Ünterrichtsſtunden bei.

Durch Allerh. Entſchließung Sr. Kgl. Hoheit des Großherzogs wurde dem Schüler der erſten Klaſſe Karl Roth I. aus Langsdorf die Rettungsmedaille verliehen.

Die Geburtsfeſte Ihrer Kgl. Hoheiten des Großherzogs und der Großherzogin, ſowie der Geburtstag Seiner Majeſtät des Kaiſers wurden in herkömmlicher Weiſe gefeiert.

Geſellige Abendunterhaltungen, die durch Deklamationen, Vorträge, muſikaliſche Auf⸗ führungen und turneriſche Produktionen ein abwechslungs⸗ und genußreiches Programm dar⸗ boten, fanden im Laufe des Jahres mehrmals ſtatt.

Anfang Juni unternahm die Mittelklaſſe unter Leitung des Herrn Eck einen größeren Ausflug in den öſtlichen Odenwald und nach Aſchaffenburg, während die Oberklaſſe mit Herrn Gatzert Schwetzingen, Heidelberg und das untere Neckarthal bis Zwingenberg beſuchte.

Am 26. Juni 1897 war ſämtlichen Zöglingen Gelegenheit geboten, die Schönheiten des Palmengartens in Frankfurt kennen zu lernen und am Abend im Opernhaus der Aufführung von Minna von Barnhelm beizuwohnen. Ein weiterer Theaterbeſuch durch die dritte Klaſſe fand am 16. Februar ſtatt, als Schillers Tell gegeben wurde; auch iſt unſerer Mittelklaſſe der Beſuch einer Vorſtellung des Götz noch in dieſem Schuljahr in Ausſicht geſtellt.

Der hochlöbl. Intendanz der vereinigten Stadt⸗Theater zu Frankfurt ſei an dieſer Stelle für freundliches Entgegenkommen unſer aufrichtigſter Dank ausgeſprochen.

Auch in dieſem Jahre konnten wir, unterſtützt durch Beiträge zahlreicher Freunde der Lehrerbildung, eine Erweiterung und Ergänzung unſerer Lehrmittelſammlung vornehmen.

Allen freundlichen Gebern ſprechen wir für die ſchönen Geſchenke hiermit nochmals unſeren herzlichſten Dank aus.

Durch die am 29. November 1897 erlaſſene Verordnung Großh. Miniſteriums des Innern, Abteilung für Schulangelegenheiten wurden mehrere wichtige Veränderungen im Lehr⸗ und Prüfungsplan getroffen, durch welche für die Seminariſten eine weſentliche Er⸗ leichterung geſchaffen und ihre methodiſch⸗praktiſche Ausbildung gefördert werden ſoll. Die bezüglichen Beſtimmungen lauten:.

1. In der Mittelklaſſe fällt eine Schreibſtunde weg. Dafür tritt eine dritte Stunde für Naturlehre ein, die es ermöglichen ſoll, neben dem Klaſſenpenſum in der Phyſik die Mineralogie in Verbindung mit der Chemie zu behandeln.(§§. 9 und 11 des Lehrplans.)

2. Die Stunde für dentſche Grammatik in der Oberklaſſe iſt ausſchließlich für die ſpezielle Methodik des deutſchen Sprachunterrichts in der Volksſchule zu verwenden und mit den praktiſchen Unterrichtsübungen im Deutſchen in ſteter Verbindung zu halten.(§§. 4 und 5 des Lehrplans.)

3. Die in der Oberklaſſe für Mineralogie angeſetzte Stunde fällt weg. Dafür tritt eine Stunde für ſpezielle Methodik ein, die hauptſächlich für die Vorbereitung und Beſprechung der Unterrichtsübungen im Rechnen, in der Raumlehre und den Realien zu verwenden iſt.(§§. 4 und 9 des Lehrplans).

4. Die ſpezielle Methodik der übrigen Lehrfächer(Religion, Geſang, Zeichnen und Turnen)

werd in den für die Oberklaſſe in dieſen Fächern angeſetzten Lehrſtunden behandelt.(§. 4 des ehrplans.)

5. Die Unterrichtsübungen der Mittelklaſſe der Schullehrerſeminarien ſollen in Zukunft nicht mehr mit Kindern des erſten Schuljahres, ſondern mit ſolchen aus der Mittelſtufe der Volksſchulen vorgenommen werden. In den unterricht bei Kindern des erſten Schuljahres ſind die Seminariſten

der Oberklaſſe einzuführen.(§. 4 des Lehrplans.)