Jahrgang 
1890
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F. Gottesdienſt.

Die Schüler beſuchten regelmäßig den Vormittagsgottesdienſt in der Burgkirche und der Singchor beteiligte ſich mehrfach an der Liturgie durch Aufführung mehrſtimmiger Ge⸗ ſänge bei verſchiedenen kirchlichen Feierlichkeiten.

G. Chronik.

1. Das Schuljahr 1889/90 hat am 13. Mai 1889 ſeinen Anfang genommen und ſoll am 29. März 1890 geſchloſſen werden.

2. Im Laufe des Schuljahres iſt weder ein Wechſel noch eine ſonſtige Störung im Lehrerkolleg vorgekommen.

3. Am 30. Mai unternahm der Turnlehrer eine Turnfahrt mit der Oberklaſſe in den Taunus.

4. Der 2. September(Sedanstag) wurde, wie ſeit einer längeren Reihe von Jahren, vormittags durch Beteiligung am Feſtgottesdienſt und nachmittags durch Mitwirkung beim Jugendfeſt gefeiert.

5. Der Geburtstag Seiner Königlichen Hoheit des Großherzogs gab Ver⸗

anlaſſung zu einem Ausflug ſämtlicher Schüler und Lehrer der Anſtalt nach der ſchönen Burgruine Münzenberg, nach deren Beſichtigung in der Jägerſchen Wirtſchaft von dem älteſten Lehrer ein Hoch auf den erhabenen Landesherrn ausgebracht wurde. .6. Hilfslehrer Faulſtroh iſt vom 16. September bis 28. October zu militäriſchen Übungen eingezogen worden. Seine Unterrichtsſtunden wurden vom Beginn des Winter⸗ halbjahres an teils von den Kollegen Schwarz und Dr. Karg, teils von Seminariſten der Oberklaſſe gehalten.

7. Am 16., 17. und 18. September wurde im Auftrage Großherzoglichen Miniſteriums des Innern und der Juſtiz im Seminar eine Prüfung der Schulamtsaſpiran⸗ tinnen abgehalten, zu welcher außer dem Lehrerkolleg der Großherzogliche Seminarlehrer Helm aus Bensheim zugezogen wurde. Der mündlichen Prüfung am 18. September wohnten der Herr Geheime Oberſchulrat Greim aus Darmſtadt und Herr Domkapitular Thoms aus Mainz bei.

8. Am 4. November beteiligte ſich das Seminar bei der feierlichen Enthüllung des Denkmals, das dem erſten Muſiklehrer des Seminars, dem nachherigen Pfarrer und ge⸗ feierten Componiſten Peter Müller*) von dankbaren Verehreru und Freunden geſtiftet und in unmittelbarer Nähe des Seminars errichtet worden iſt. Die Zöglinge der Anſtalt trugen unter Leitung des Seminarlehrers Schmidt bei der Enthüllungsfeier 2 von Müller com⸗ ponierte Männerchöre vor.

9. Die Weihnachtsferien, welche am 21. Dezember ihren Anfang nahmen und bis zum 6. Januar 1890 dauern ſollten, mußten wegen der Influenza, an welcher mehr als die Hälfte der Seminariſten erkrankt war, bis zum 27. Januar verlängert werden.

10. Der Geburtstag Seiner Majeſtät des Kaiſers wurde durch Teilnahme der Seminarlehrer an dem Feſtmahl im Hötel Trapp und durch eine Anſprache an die Se⸗ minariſten gefeiert.

*) Johann Peter Müller iſt am 28. Juli 1791 zu Keſſelſtadt bei Hanau geboren; er ſtudierte in Heidelberg und Gießen Theologie, war Rektor in Gladenbach, kam 1817 als Lehrer an das Schullehrer⸗

Seminar, von 1837 an auch als Muſiklehrer an das Predigerſeminar, wurde 1839 Pfarrer in Staden und ſtarb am 29. September 1877 in Langen.