Jahrgang 
1910
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Infolge von Krankheit waren beurlaubt: Professor Gebhard, Oberlehrer Dr. Loos und Reallehrer Schieferstein.

Für Oberlehrer Praetorius war Vertreter Assessor Grimm, in den anderen Fällen übernahmen die Amtsgenossen und Referendare die Vertretung.

Einen schweren Verlust erlitt unsere Schule kurz vor Jahresschluss 1909. Am 30. Dez. wurde zu Berlin, wo er die Weihnachtsferien verbrachte, Herr Direktor Dr. Hermann Balser durch einen tückischen Unglücksfall plötzlich dem Leben und seinem segensreichen Wirken in noch nicht vollendetem 55. Lebensjahre entrissen.

Was das Lehrerkollegium, die Schüler und die Anstalt an ihm verloren, sagt am besten ein Nachruf, den dieDarmstädter Zeitung am 11. Januar 1910 brachte; ihm entnehmen wir die folgenden Stellen zur Kennzeichnung dieser vorbildlichen Persönlichkeit:Ein unbeug- samer, fester, zielbewusster Wille war die Charaktereigenschaft des Verstorbenen, die auch dem Fernstehenden zunächst auffiel. Diese Willensstärke, gepaart mit unermüdlicher Arbeits- kraft, liess ihn in täglicher Pflichterfüllung jeden Gesunden beschämen. Denn er war uner- bittlich streng gegen sich und gönnte sich selbst kleine Erleichterungen nicht, die dem schwer Leidenden niemand hätte verargen dürfen. Und diese ganze gewaltige Arbeitskraft stellte er aus innerstem Beruf in den Dienst der Schule. Eine weite, tiefe Bildung, die, im Boden klassischer Denkweise verankert, doch den brennenden-Fragen der eigenen Zeit niemals aus dem Wege ging, und die der Rastlose selbst in den schwersten Zeiten seiner arbeits- reichen Laufbahn zu vertiefen und zu erweitern nicht müde wurde, gab seiner Lehrtätigkeit den befruchtenden Muttergrund..... Ihm war Klarheit Lebensluft. Unklares duldete er nicht um sich. Er war darum auch ein Mann peinlicher Ordnung..... Musste schon dieser Geist der Klarheit und Ordnung den Geschiedenen zum Leiter einer grossen Anstalt wie geschaffen erscheinen lassen, so machten ihn andere Eigenschaften des Kopfes und Herzens zu einem vorbildlichen Führer eines so grossen Lehrkörpers. Vor allem wirkte wohltuend seine unerschütterliche Ruhe, die allem, was er tat, das Gepräge der Sicherheit und Festigkeit aufdrückte. Er wusste, dass im Schulleben Überstürzung und aufgeregte Hast vom Ubel sind, und er verstand es, mit schonender, vorsichtiger Hand nötige Neuer- ungen ohne allzu starke Erschütterungen durchzuführen, Werdendes langsam und lebendig wachsen zu lassen, ohne wertvolle Überlieferung zu zerstören. Streng gegen sich selbst bis zur Unerbittlichkeit, durfte er Einsetzen der vollen Persönlichkeit auch von seinen Mit- arbeitern verlangen. Er tat es und war doch gegen fremde Art so duldsam verstehend, wie es eben nur eine durchaus vornehme, wohlwollende, geläuterte, aufs Sachliche gerichtete Natur sein kann. Denn neben lauterer Wahrhaftigkeit, die Menschenfurcht nicht kannte, war vor

allem eine gute deutsche Sachlichkeit ein hervorstechender Zug seines Wesens..... Unerwartet hat ihm der Tod das Rüstzeug aus den nimmerruhenden Händen genommen. Doch was er war, und was er schaffte, das wird in dankbaren Herzen nicht vergehen..... Schülern

und Lehrern ist er ein leuchtendes Vorbild unbeugsamer Pflichttreue, das strahlend zeugt, ein wie herrliches es um den menschlichen Willen ist, und wie der Geist den Körper zwingt. Dass es etwas gibt, das über irdische Vergänglichkeit weit hinausreicht, dessen ist sein ein- fach schlichtes Leben ein unvergänglicher Beweis. So wird er leben und nicht sterben. Denn dem treuen Wirken echten Menschentums sind die Grenzen nicht gesetzt in dieser Zeitlichkeit.

Die Beerdigung fand am 4. Januar 1910 in Darmstadt statt. Das ganze Lehrerkollegium gab dem Verstorbenen das letzte Geleite, Herr Professor Grein legte im Namen der Amtsgenossen mit warm empfundenen Worten einen Kranz nieder. Herr Geh. Schulrat Dr. Forbach sprach im Namen des Neuen Gymnasiums zu Darmstadt, Herr Direktor Dr. Müller für das Gymnasium zu Laubach: an diesen beiden Anstalten hatte der Ver- storbene gewirkt, che er nach Friedberg kam. Auch die Oberprimaner folgten dem Sarge.

Am ersten Tage des neuen Schuljahres fand eine ernste Gedächtnisfeier im Kreise der Schule statt, bei der Herr Professor Lampas die Ansprache hielt.

Durch S. K. H. den Grossherzog wurde am 5. Januar 1910 der Oberlehrer am Neuen Gymnasium zu Darmstadt, Professor Theodor Ritsert, zum Direktor der Augustinerschule ernannt. Seine Einführung erfolgte durch Herrn Geh. Oberschulrat Nodnagel am 10. Januar.