Jahrgang 
1898
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IV. Zur Geschichte der Anstalt.

Das abgelaufene Schuljahr 1897/98, das am Mittwoch den 28. April begann, ist ohne grosse Störungen für den Unterrichtsbetrieb verlaufen.

In der Zeit vom 9. bis 23. Juni waren die beiden Kollegen Altendorf und Hüffell zu einer Landwehrübung eingezogen.

Die Abgangsprüfung der Schüler der ersten Klasse des Jahrgangs 1897/98 fand am 11. März durch die mündliche Prüfung ihren Abschluss, nachdem die schriftlichen Arbeiten bereits am 14. bis 17. Februar angefertigt worden waren. Als Regierungs- kommissär fungierte der Direktor. Von den 25 Schülern der ersten Klasse stellten sich noch 23 zum mündlichen Examen; 22 bestanden die Prüfung, darunter 9 unter Befreiung von der mündlichen Prüfung.

Der Geburtstag II. KK. HH. des Grossherzogs und der Grossherzogin wurde am 25. November durch einen öffentlichen Schulaktus in der Turnhalle des Lehrerseminars feierlich begangen. Gesänge und Deklamationen wechselten mit instrumentalen Vor- trägen der Schüler. Die Ansprache hielt Herr Lehramtsassessor Zinn über Philipp den Grossmütigen.

Die Feier von Kaisers Geburtstag fand diesmal im engeren Kreise der Schule am 27. Januar statt. Die Ansprache hielt Herr Reallehrer Hüffell über die deutsche Flotte.

Durch hohe Verfügung vom 18. Dezember 1897 wurde der provisorische evangelische Religionslehrer Zinn zum Lehramtsassessor ernannt.

Mit Rücksicht auf die grossen Manöver im Herbst 1897 wurde der Beginn der Herbstferien auf Antrag der Direktion um 8 Tage hinausgeschoben.

Der Tagesausflug wurde am 25. Juni veranstaltet; Nachmittagsgänge am 30. Juli, 18. Oktober und 14. März.

Zu einer Aufführung der Jungfrau von Orleans waren am 3. November die beiden obersten Klassen im Theater in Frankfurt..

Hitzfrei war an 7 Nachmittagen.

Der Gesundheitszustand von Lehrern und Schülern war nur im ganzen befriedigend. Vor Weihnachten musste Herr Kollege Grein auf ärztliche Anordnung kurze Zeit den Unterricht aussetzen, und im Januar hat Herr Kollege Altendorf, ebenfalls auf ärztliche Verfügung hin, einen 5wöchigen Urlaub nehmen müssen zur Stärkung seiner Nerven.

Noch am Schlusse des vorigen Schuljahres hatte die Schule den Tod ihres lang- jührigen Dieners Konrad Herold zu beklagen. Er starb am 29. März und wurde am 31. März von Lehrern und Schülern zur Ruhe gebracht. Wie er mit Treue und Gewissen- haftigkeit seines Amtes gewartet hat, wird bei Lehrern und Schülern in dankbarer Erinnerung bleiben. Herr Lehramtsassessor Zinn gab am Grabe diesen Empfindungen einen beredten Ausdruck, und der Direktor legte im Namen des Lehrerkollegiums einen Kranz nieder.

Die wichtigste Frage, die im Laufe dieses Jahres das Leben der Schule bewegte, war die Frage des Ausbaues unseres Progymnasiums zu einem Vollgymnasium.

Die Grossherzogliche Staatsregierung legte am 20. Dezember v. J. den Ständen diese Frage zur Genehmigung vor. Es war eine rechte Weihnachtsfreude für ganz Friedberg, als am 24. Dezember die Vorlage in der Darmstädter Zeitung veröffentlicht wurde. Nach einer hartnäckigen Redeschlacht in der 2. Kammer am 4. März 1. J., in der die Gross- herzogliche Staatsregierung und unser Landtagsabgeordneter in vortrefflicher Weise unsre Sache vertraten, wurde die Regierungsvorlage angenommen. Noch steht die Entscheidung. der 1. Kammer aus, aber wir hoffen zuversichtlich, dass hier der Regierungsvorlage keine ernsten Schwierigkeiten mehr bereitet werden.