V. Zur Geschichte der Anstalt.
1. Durch Verfügung Grossherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz Abteilung für Schulangelegenheiten vom 31. März 1890 wurde dem Schulamtsaspiranten Ludwig Roth aus Friedberg mit Wirkung vom 1. April an die provisorische Verwal- tung einer Lehrerstelle an unserer Anstalt übertragen.
Die hiermit erfolgte— allerdings zunächst nur provisorische— Vermehrung des Lehrerpersonals unserer Schule machte es möglich, die bis dahin durch den Mangel an Lehrkräften bedingten zahlreichen Kombinationen des Unterrichts mehrerer Klassen auf ein geringeres Mass zu beschränken, die Zahl der Turnstunden zu vermehren und den Unterricht im Zeichnen einer eigens dafür ausgebildeten Lehrkraft zu übertragen.
2. Durch Allerhöchste Dekrete vom 3. Dezember 1890 wurden der in der Kategorie der Volksschullehrer definitiv angestellte Reallehrer Albert Kost und der provisorische Reallehrer Dr. August Stroman zu Lehrern an dem Gymnasium und der Realschule zu Worms ernannt; beide wurden indes durch Verfügung Grossherzoglichen Ministeriums des Innern und der Justiz Abteilung für Schulangelegenheiten vom 4. Dezember 1890 bis auf Weiteres in ihrer seitherigen Thätigkeit an unserer Schule belassen.
Die Personalien des Grossherzoglichen Gymnasial- und Reallehrers Kost sind bereits in dem zu Ostern 1889 erschienenen Programm unserer Anustalt veröffentlicht; Herr Dr. Stroman macht über seinen seitherigen Lebens- und Bildungsgang folgende Mitteilung:
August Stroman wurde geboren am 29. Januar 1862 zu Offenbach, besuchte das Realgymnasium daselbst und verliess dasselbe Ostern 1880 mit dem Zeugnis der Reife. Alsdann widmete er sich auf der Landesuniversität Giessen dem Studium der Naturwissenschaften, diente vom 1. Oktober 1884 bis 1. Oktober 1885 als Einjährig-Frei- williger und bestand am 11. Dezember 1885 die Staatsprüfung. Vom 3. Januar 1886 bis 3. Januar 1887 war er zum Access an dem Realgymnasium und der Realschule zu Offenbach zugelassen. Hierauf arbeitete er nochmals im chemischen Laboratorium zu Giessen und promovierte zum Dr. phil. Nachdem er dann von Herbst 1887 an wieder einige Unterrichtsstunden in Offenbach übernommen hatte, wurde er im April 1888 mit der provisorischen Verwaltung einer Lehrerstelle an der Realschule und dem Progymnasium zu Friedberg beauftragt. Durch Allerhöchstes Dekret vom 3. Dezember 1890 wurde er zum Lehrer an dem Gymnasium und der Realschule zu Worms ernannt und gleich- zeitig durch Grossherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz angewiesen, die seither verwaltete Stelle vorerst weiter zu versehen.
3. Herr Turninspektor Marx besichtigte am 20. Juni das Turnen in den unteren Klassen unserer Schule; am 7. Juli beehrte auch Herr Oberschulrat Soldan die Anstalt mit seinem Besuche und wohnte im Laufe des Tags dem Unterricht in einer grösseren
Anzahl von Klassen bei.
4. Vom 27. Juli bis 20. September waren die Reallehrer G. Karg und Dr. Willen- bücher zu militärischen Übungen eingezogen. Da eine Stellvertretung für dieselben nicht zu beschaffen war, wurde, um die dadurch verursachten Störungen im Unterricht weniger fühlbar zu machen, durch Ministerialverfügung vom 4. August der Anfang der diesjährigen Herbstferien unserer Anstalt vom 17. auf den 10. August verlegt, und der Unterricht statt am 20. bereits am 17. September wieder begonnen.
5. Ausser den gewöhnlichen Monatsspaziergüngen in der näheren Umgebung der Stadt machte die Schule am 26. Juni 1890 einen Tagesausflug, bei welchem die einzelnen Klassen verschiedene weiter entfernte Punkte der Umgegend(Kapersburg, Saalburg, Ronneburg, Gelnhausen, Münzenberg u. a.) besuchten. Ausserdem gab der Unterricht in der Minera- logie und Chemie(Besuch von Steinbrüchen, Besichtigung der Salzsiedereien und sonstigen Salineneinrichtungen in Bad-Nauheim), in der Botanik und besonders in der Heimatkunde einzelnen Klassen wiederholt Veranlassung zu kleineren Gängen in der Nachbarschaft.


