Jahrgang 
1890
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V. Zur Geschichte der Anstalt.

1. Durch Allerhöchstes Dekret vom 20. März 1889 wurde der Grossherzogliche Gym- nasiallehrer am Ludwig-Georgs-Gymnasium zu Darmstadt Dr. Georg Windhaus mit Wirkung vom 16. April zum Direktor der Anstalt ernannt. Die feierliche Einführung desselben in sein Amt fand, nachdem das Schuljahr bereits am 7. Mai seinen Anfang genommen hatte, am 24. desselben Monats im festlich geschmückten Kasinosaale durch Herrn Oberschulrat Soldan statt. Der Feierlichkeit wohnten sämmtliche Lehrer und Schüler der Anstalt, sowie eine An- zahl von Vertretern des Stadtvorstandes und der hiesigen staatlichen und kirchlichen Be- hörden bei.

Georg Windhaus wurde geboren am 26. Januar 1847 zu Darmstadt, erhielt seinen ersten Unter- richt in dem Privatinstitut von Schwalbach, besuchte von Herbst 1858 bis Herbst 1864 das Gymnasium seiner Vaterstadt und bezog dann die Universität Giessen, wo er sich dem Studium der Philologie, ins- besondere der altklassischen Sprachen, widmete. Nachdem einer zur Beantwortung der für 1866/67 gestellten Preisfrage:Oratio de domo, quae vulgo Ciceroni tribuitur utrum genuina an subditicia est von ihm ein- gereichten Abhandlung von der philosophischen Fakultät der Landesuniversität der dafür ausgesetzte Preis zuerkannt worden war, unterzog er sich im Sommer 1868 der Staatsprüfung und bestand dieselbe am 18. August 1868. Am 27. August desselben Jahres durch Verfügung Grossherzoglicher Oberstudien-Direktion provisorisch zum Lehrer an der höheren Bürgerschule(jetzt Grossherzoglichen Realschule) zu Oppenheim ernannt, war er über zwei Jahre in dieser Stellung thätig, trat dann, um seiner militärischen Dienstpflicht zu genügen, in das 4. Grossh. Hess. Infanterieregiment als Einjährig-Freiwilliger ein und nahm als solcher an dem Feldzug gegen Frankreich teil. Am 5. Oktober 1871 wurde er durch Verfügung Grossherzoglicher Oberstudien-Direktion provisorisch und durch Allerhöchstes Dekret vom 21. Juli 1872 definitiv zum Lehrer an dem Gymnasium zu Darmstadt ernannt. Nach 17 ½jähriger Wirksamkeit an dieser Anstalt wurde er durch Allerhöchstes Dekret vom 20. März mit Wirkung vom 16. April 1889 zum Direktor an der Grossherzoglichen Realschule und dem Progymnasium zu Friedberg ernannt. Eine Abhandlung philologischen Inhalts Varietas lectionis ad L. Annaei Senecae Epistulas e codice Bambergensi enotata et brevi adnotatione critica instructa erschien von ihm im Programm des Darmstädter Gymnasiums Herbst 1879.

. 2. Vom 20. Juni bis 14. August war Reallehrer Dr. Willenbücher zu einer militärischen Ubung eingezogen; es vertrat ihn während dieser Zeit Herr Gymnasialaccessist Albrecht

Kullmann aus Schotten.

3. Kollege Nagel war leider auch in diesem Schuljahr wieder genötigt, sich zum Zwecke der Wiederherstellung und Kräftigung seiner Gesundheit von Grossh. Ministerium für die Dauer des Wintersemesters Urlaub zu erbitten, der ihm auch bewilligt wurde. Mit seiner Vertretung wurde Herr Gymnasial- und Reallehramtsaccessist Dr. Julius Stahl aus Giessen beauftragt.

4. Ausser den gewöhnlichen Monatsspaziergängen in der näheren Umgebung der Stadt machte die Schule am 23. Juli einen Tagesausflug, bei welchem die einzelnen Klassen ver- schiedene weiter entfernte Punkte der Umgegend(Cransberg, Ziegenberg, Hausberg u. a.) be- suchten. Im Winter wurden, so oft sich Gelegenheit dazu bot, die Turnstunden und am 6. Februar der ganze Nachmittag von sämtlichen Schülern der Anstalt unter Aufsicht der Lehrer zum Schlittschuhlaufen benützt.

5. Der Gesundheitszustand der Schüler war im allgemeinen befriedigend; doch wurde im Monat Dezember der Schulbesuch durch die hier, wie überall, auftretende Influenza empfindlich gestört. Um einer Weiterverbreitung dieser Krankheit durch die Schule vorzubeugen, mussten die Weihnachtsferien um 14 Tage verlängert werden.

6. Während der Herbstferien wurde das Schulgebäude äusserlich renoviert und in einer Anzahl von Lehrzimmern neue Fussböden gelegt. Auch für den nächsten Sommer sind weitere Herstellungen im Inneren des Gebäudes in Aussicht genommen. Wir fühlen uns verpfliichtet, hierfür dem Stadtvorstand auch an dieser Stelle unseren Dank auszusprechen.