Jahrgang 
1873
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A. Chronik der Anſtalt.

Gegen Schluß des vorigen Schuljabres feierte auch unſere Anſtalt das Sedanfeſt am 2. September durch einen Spaziergang aller Lehrer und Schüler nach dem Oſſenheimer Waldchen, woſelbſt die Jugend gemeinſame Spiele ſpielte, die nur durch eine die Bedeutung des Tags hervorhebende Anſprache des Directors unterbrochen wurden.(Das diesjährige Jugendfeſt wird im nächſten Programm ausführlich geſchildert werden.):g unlhr i.

Der vorjährigen Schlußprüfung wohnte Herr Geh. Oberſtudienrath, Prof. Dr. Wagner, bei und betheiligte ſich in einzelnen Fächern ſelbſt durch eingehende Pruͤfung in anregender Weiſe. Es iſt dieß das erſtemal, daß bei unſerer Feierlichkeit ein hoher Vorgeſetzter anweſend war, und unſere Anſtalt iſt dem genannten Herrn für das rege Intereſſe, welches er an derſelben nahm, zu beſonderem Danke verpflichtet. 9 ag a,.

Die ſeit Oſtern 1872 durch Herrn Reallehrer Wirths Abgang erledigte Stelle wurde, nachdem während des ganzen Sommers ſeine Stunden von den Herren Collegen verſehen worden waren, in den Monaten October, November, December des neuen Schuljahres durch Herrn Schäfer von hier (Candidaten des höheren Lehramtes) zum Theil verſehen, indem demſelben der franzöſiſche Unterricht in den 3 oberen Claſſen zugetheilt wurde.. 4

Durch Allerhöchſtes Decret vom 30. November 1872 wurde Herr Reallehrer Opel(bis dahin an der höheren Volksſchule zu Herrſtein im Fürſtenthum Birkenfeld) zum definitiven Lehrer an unſerer Anſtalt ernannt und am 6. Jan. 1873 in ſein Amt eingeführt. Derſelbe gibt von ſich nachſtehende Mittheilungen:

Karl Opel, evang. Conf., wurde am 5. Februar 1837 zu Staffel, im Amt Limburg, ge⸗ boren, beſuchte von ſeinem 6. Lebensjahre an die Elementarſchule zu Diez und von ſeinem 10. Jahre an die Realſchule daſelbſt. Mit dem 16. Jahre trat er in das Schullehrerſeminar zu Uſingen ein und nahm nach Beendigung des dreijährigen Curſus eine Lehrerſtelleman der Handels⸗ und Ge⸗ werbeſchule des Herrn De. Schirm zu Wiesbaden an. Nach 3 jährigem Wirken verließ er die⸗ ſelbe freiwillig, um eine Privatlehrerſtelle bei dem Banquier Kinen in Paris anzunehmen. Daſelbſt beſuchte er während des Winterſemeſters Vorleſungen an der Sorbonne; in der Sommerzeit machte

mer Reiſen mit der Familie in Frankreich, Dentſchland und England. Nach 6 ½ Jahr gieng er wieder zurück, um eine Lehrerſtelle an der Realſchule zu Hachenburg zu übernehmen. Im December

1866 machte er zu Wiesbaden das Staatsexamen für Mittel⸗ und Realſchulen. Im Frühjahr 1868

verließ er Hachenburg, um eine zur Concurrenz ausgeſchriebene Lehrerſtelle an der höheren Volks⸗

ſchule zu Herrſtein im Fürſtenthum Birkenfeld anzutreten. Daſelbſt blieb er 4 ¾ Jahre, bis er

durch die Großh. Heſſ. Regierung hierher berufen wurde.

Am 27. März beehrte Herr Oberſtudiendirector, Geh.⸗Rath von Willich, während ſeiner Anweſen⸗ heit bei der Prüfung am Schullehrerſeminar, unſre Anſtalt mit ſeinem Beſuche und wohnte in einigen

Claſſen dem Unterrichte bei.

Geſchenke erhielten wir für die Lehrerbibliothek von der Großh. Oberſtudiendirection, von den Buchhandlungen C. Habel, Ad. Enslin, J. A. Wohlgemuth, Hoffmann& Campe in Berlin, Lieſching& Co. in Stuttgart, Jäger in Frankfurt a M.; für die Sammlungen von Herrn Gerbermeiſter Ph. A. Ritzel einen ausgeſtopften Kiebitz, von Herrn Verwalter Bailly auf dem Schwalheimer Brunnen einen ausge⸗ ſtopften Dachs, von Herrn Bergdirector Trapp in Ober⸗Rosbach eine Stufe: traubigen Brauneiſenſtein, von Herrn Oberſteiger L. Plock in Beienheim eine Stufe: thonigen Sphäroſiderit; Programme der Realſchule zu Bremen und des Königl. Sächſ. Technikums zu Mittweida, ſowie des Königl. Real⸗ gymnaſiums zu München und der Baugewerkſchule zu Höxter a. d. W., wofür wir den verehrten Gebern hiermit unſern geziemenden Dank ausſprechen..