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bei dem mündlichen Teile der ersten, am 17. September 1885, führte Herr Provinzial- Schulrat Dr. Lahmeyer, bei der zweiten, am 11. März 1886, der Direktor den Vorsitz; beiden wohnte als Vertreter des Kuratoriums Herr Konsistorialrat Pfarrer Dr. Ehlers bei.— Am 11. April 1885 und am 9. Pebruar 1886 revidierte Herr Provinzial-Schulrat Dr. Lah- meyer den lateinischen Unterricht jedesmal einiger Klassen.
Mit tiefem Schmerze berichten wir über das Hinscheiden eines vortrefflichen und liebenswürdigen Schülers, des Obertertianers Julius Estenfeld, welcher uns am 4. Februar 1886 nach neuntägigem Krankenlager entrissen wurde. Die Lehrer und Mitschüler des Verstorbenen gaben ihm das letzte Geleite und legten als Zeichen ihrer Liebe und Zu- neigung einen Kranz auf das Grab.
Im Lehrkörper der Schule fanden folgende Veränderungen statt: Herr Kaplan Sehr- brock, welcher Michaelis 1884 den damals neu eingerichteten katholischen Religionsunter- richt in den beiden oberen Abteilungen übernommen hatte, sah sich zu unserm lebhaften Bedauern Michaelis 1885 in Folge überhäufter Arbeit und aus Gesundheitsrücksichten ge- nötigt, die auch ihm liebgewordene Thätigkeit an unserer Schule einzustellen; sein Nach- folger wurde Herr Pfarrer Linz. Die Herren Müller, welcher Ostern 1885, und Geussenhainer, welcher Michaelis 1885 das Probejahr beendigten, verblieben der Anstalt als wissenschaft- liche Hülfslehrer. Herr Klinkert absolvierte das Probejahr von Ostern 1885 bis auf 1886 und Herr Dr. Oesten begann dasselbe Michaelis 1885. Herr Müller wurde vom 1. Juni bis 31. Juli, Herr Klinkert vom 1. bis 15. Juni zu einer militärischen Dienstleistung ein- gezogen.
Die grosse Zahl von Abiturienten, welche wir Michaelis 1885 zu entlassen hatten, veranlasste uns, ihr Scheiden von der Schule durch einen Rede-Aktus in der Aula zu feiern, welcher sich eines sehr starken Besuches von Seiten der Gönner und Freunde der Schule erfreute. Es deklamierten Georg Seerig(3), Paul Schuster(2), Alfred Lang(1), Arthur Forchheimer(VI), Hans von Gosen(V), Paul Mayer(IV), Wilhelm Neuse(III 2), Alfred Hanau(III 1), Martin Oellerich(II 2), Karl Schneider(II1); der Unterprimaner Friedrich Schäffer sprach über„Sir Titus Salt, a self-made man“ in englischer, der Abiturient Raphael Slidell von Erlanger aus Paris über„Friedrich den Grossen als Schriftsteller“ in deutscher Sprache; der Sängerchor der Schule trug eine Anzahl schöner Gesangstücke vor.
Zum Schluss sei auch einer musikalisch-theatralischen Aufführung gedacht, welche die oberen Klassen, unterstüzt von einigen Schülern aus den mittleren, am 13. Februar 1886, mit einer Hauptprobe am Abend vorher, in den schönen Räumen des Palmengartens veranstalteten. Das aus 26 Schülern bestehende Orchester spielte die Ouvertüre zu Rosa- munde von Fr. Schubert, die Arie Cuius animam gementem aus dem Stabat mater von Rossini, Souvenir de Bellini von J. Artôt, Polonaise in E-dur von Liszt, Marche militaire op. 51 Nro. 1 von Schubert, und die Ouvertüre zu Egmont von L. van Beethoven; auf- geführt wurde„King Richard II. von Shakspere Act I. sc. 1, 2, 3, Act II. sc. 1“ in englischer, „Les Précieuses ridicules von Molière“ in französischer, und die„Rütli-Szene“ aus Schillers Wilhelm Tell; woran sich dann am 2. Abend gemeinschaftliches Abendessen und fröhlicher Tanz schloss. Die sehr anerkennenswerten Leistungen fanden bei den an jedem Abend sich auf mehr als 1000 belaufenden Zuhörern und Zuhörerinnen wohlwollendste Aufnahme und freundlichen Beifall.


