Verlauf des Schuljahres.
Das Schuljahr begann Donnerstag, den 3. April, mit der Prüfung und der Auf- nahme der neueintretenden Schülerinnen. Am folgenden Tage fand die Eröffnungsfeier statt. Zugleich wurden die wissenschaftlichen Hilfslehrer Herr Hechler ¹) und Herr Dr. Hofsommer ²) und die technischen Lehramtsbewerberinnen Fräulein Scheelhaase und Fräulein Zorbach in ihr Amt eingeführt.
Vom 1. Oktober an war die Seminarkandidatin Fräulein Emma Strebel, die ihr Fakultätsexamen in Marburg abgelegt hat, zu ihrer praktischen Ausbildung der Viktoria- schule überwiesen.
Am 30. Juni verließ die ordentliche Lehrerin Fräulein Julie Kapp den Schul- dienst der Stadt Frankfurt, in dem sie 14 Jahre gestanden hatte. Für die Schule be- deutete das einen schweren Verlust. Fräulein Kapp war in besonders hohem Mafe die erste Kunst des Lehrers eigen, die gute Gesinnung in den Schülerinnen zu fördern, für die Zwecke der Erziehung ihren eigenen Willen zu gewinnen. Zu seinem Bedauern war der Direktor selbst verhindert, bei ihrer Entlassung zugegen zu sein. An seiner Stelle drückte der Scheidenden Herr Professor Velde den Dank der Schule und die Anerkennung und die guten Wünsche der Lehrer und Lehrerinnen, die in ihr eine stets hilfsbereite, allgemein beliebte Kollegin verlieren, in warmen Worten aus. Auch die Schülerinnen ließen es sich nicht nehmen, der verehrten Lehrerin zu sagen, wie dankbar sie ihr sind und wie sie sich bemühen wollen, ibrer Erziehung Ehre zu machen.
An die Stelle von Fräulein Kapp wurde Fräulein Barbara Schramm gewählt. Leider hat die neue Lehrerin nur kurz unter uns wirken können. Eine schwere Nerven- erkrankung zwang sie bei Beginn des Winterhalbjahres sich beurlauben zu lassen. Zu unserer großen Freude hat sich aber ihre Gesundheit erheblich gebessert, und voraus- sichtlich wird sie in nicht langer Zeit ihren Dienst wieder aufnehmen können.
¹) Karl Hechler, geboren am 16. Januar 1885 zu Offenbach am Main, besuchte das Real- gymnasium Musterschule in Frankfurt a. M., wo er Michaelis 1903 die Reifeprüfung bestand Er widmete sich dem Studium der Neueren Sprachen und studierte in Marburg, Göttingen, Frankfurt a. M. und Troyes (Champagne). Am 21. Juli 1910 bestand er in Göttingen die Präfung für das Lehramt an höheren Schulen. Sein Seminarjahr leistete er von Ostern 1911 bis Ostern 1912 an der Klinger-Oberralschule(Frankfurt a. M.), sein Probejahr von Ostern 1912 bis Ostern 1913 an der Adlerflychtschule(Frankfurt a. M.) und Klinger- Oberrealschule(Frankfurt a. M) ab. Im April und im Mai 1914 war er wissenschaftlicher Hilfslehrer an der Viktoriaschule; am 1. Juni 1914 wurde er zum Oberlehrer ernannt. ²) Ernst Wilhelm Hofsommer wurde geboren am 22. Dez. 1885 zu Frankenhain, Kreis Eschwege. Er besuchte das Wilhelmsgymnasium zu Cassel und studierte alsdann von 1904 bis 1900 in Strassburg, Berlin und Marburg Theologie und Philologie. Am 5. Okt. 1910 promovierte er in Marburg und bestand ebendort sein philologisches Staatsexamen am 12. Januar 1912. Nachdem er sein Seminar- und sein Probejahr in Magdeburg am Kloster Unser Lieben Frauen abgeleistet, trat er als Einjährig-Freiwilliger in das Inf. Reg. No. 82 zu Göttingen. Vom 1. April 1913 an war er als Hilfslehrer an der Viktoriaschule beschäftigt und wurde am 1. Oktober Oberlehrer.


