An unſere Eltern, Freunde und Schüler
Die Geſchichte der Gegenwart ſchreitet nicht nur ſchweren Gang, wie ich in der Einleitung zu dem Jahrbuch 1932⸗33 ſchrieb, ſondern ſie ſchreitet auch raſchen Gang.
Daher muß jeder Volksgenoſſe ſich eifrigſt bemühen, gleichen Schritt mit allem Geſchehen zu halten, mit geſchärften Sinnen zu marſchieren und tatkräftig am Aufbau der neuen Zeit mitzuarbeiten. Drohnen und Ruhebedirftige ſchaffen es nicht.
Aus dieſer Notwendigkeit heraus iſt unſer Jahrbuch in dieſem Jahre geſtaltet.
Es bringt im erſten Kapitel die wichtigſten miniſteriellen Verfügungen, die wegweiſend für die Reform der höheren Schule im nationalſozialiſtiſchen Staate ſind. Die Eltern unſerer jetzigen und kommenden Schüler werden dieſelben mit allem durch das Gebot der Stunde notwendigen Ernſte ſehr aufmerkſam durchſtudieren müſſen, um den neuen Geiſt und das neue Ziel der höheren Schule erkennen und die Berufsausbildung ihrer Kinder in die rechten Bahnen führen zu können.
Wir ſtehen erſt am Anfang der Neuformung des Schulweſens. Wo es ſich aber um die Erziehung handelt, kann ſich kein verantwortungsbewußter Vater und keine verantwortungsbewußte Mutter früh genug und gründlich genug um die Forderungen einer neuen Erziehung kümmern.
In der deutſchen Volksgemeinſchaft müſſen Schule und Haus, wenn möglich, noch inniger als bisher, Beziehungen pflegen. Es war und iſt ein köſtlicher Vorzug unſerer Schule, daß dieſe Verbundenheit bislang ſchon ſehr tief ging, und doch muß ſie noch tiefer werden in dieſer Zeit größten Umbruches auf unterrichtlichem und erzieheriſchem Gebiete. Mit großer Freude und froher Hoffnung habe ich den überaus regen Beſuch unſerer vier Elternabende im laufenden Schuljahre feſtſtellen können, in denen die neuen erzieheriſchen Maßnahmen von mir den Eltern nahegebracht wurden.
Ich hoffe daher, den Eltern mit meiner Zuſammenfaſſung der wichtigſten miniſteriellen Verfügungen in dieſem Jahrbuch einen großen Dienſt erwieſen zu haben. Die Eltern aber werden der Schule dieſen Dienſt vergelten durch reſtloſe Beteiligung an den kommenden Elternabenden und durch noch zahlreichere Rückſprachen mit jedem einzelnen der an der Selektenſchule tätigen Lehrer.
Das zweite Kapitel bringt den Verlauf des Schuljahres 1934-35 in kurzen, aber wichtigen Ausführungen, damit unſere Eltern unſer aller Streben und Arbeiten an der uns anvertrauten Jugend beurteilen können.
Manches wird die kommende Schulreform ändern. So werden in Zukunft die Schulgemeinden vielgeſtaltiger erſcheinen und in ihrer Bedeutung ſteigen, ſoweit ſie die Mitarbeit der Eltern vertiefen werden.(vergl. S. 12) Die Studienfahrten der Ull, deren wir im laufenden Schuljahre die 7. durchgeführt haben und die alle unterrichtlich und erzieheriſch im Sinne der neuen Schulreform ſehr fruchtbar geweſen ſind, werden übergehen in zweiwöchentliche Schulungslager(vergl. S. 19), der Staatsjugendtag wird von Oktober 1935 an alle Klaſſen erfaſſen(vergl. S. 21), die Leibesübungen werden verſtärkt(vergl. S. 21) u. a.—
Mit einem frohen Optimismus wollen wir alle, Eltern, Lehrer und Schüler uns plagen und uns bemühen, an der Neugeſtaltung der Gegenwart und Zukunft unſeres Volkes mit allen Kräften mitzuwirken.
Frankfurt am Main, den 19. Oktober 1935 Dr. phil. Rarl Breuer
Studiendirektor


