und Bischöfen, Drälaten und Ordensgeneralen zu wis- sen. Diese Notiz in die Annalen des Pastorats-Archivs zur Ehre meiner Pfarrgemeinde für ewige Zeiten ein- zutragen, habe ich nicht unterlassen können. Möge der liebe Gott die ehrwürdigen Väter des großen Konzils durch den hl. Geist erleuchten, damit sie das beschließen, Heile seiner hl.
was zur höchsten Ehre Gottes, zum Kirche und in diesen so überaus trüben Zeiten der ganzen Welt zum Segen gereiche. Um dieses zu er-—
flehen, lasse ich an allen Sonntagen, wenn des Nach- mittags keine andere Andacht dieses hindert, und jetat in der Fastenzeit an allen Freitagen die populärste aller Andachten, jene des hl. Kreuzweges, immer bei voller Kirche abhalten.
Welch ein Schauspiel bietet jetzt Rom oder viel- mehr die katholische Kirche versammelt in Rom dal Sie, die man schon längst sich überlebt oder doch ihrem Ende nahe oder gar gestorben wähnte! Als unser hl. Vater das Konzil ankündigte, lachte die arge Welt darüber, hielt es für unmöglich, wenigstens ohne allen Erfolg; und kaum begonnen, haben alle Bischöfe aller Länder, aller Sprachen, aller Nationen sich um unseren gemeinsamen Vater, das Oberhaupt, versammelt; da ge- raten alle Konfessionen, vor allem die so tätigen Gesell- schaften, selbst Kaiser und Könige in Staunen, in ent-— setzliche Furcht und Angst vor dem, was vielleicht das Konzil beschließen möchte. Selbst der Antichristus ab initio gerät in Furcht und Angst ob seines seit vielen Jahren geführten Regiments, er brummt, knurrt, bläst, schürt und reizt überall, weil er sein Reich in Gefahr sieht. Ja, unser deutscher Michel, sonst so langsam, glaubt diesmal nicht der letzte sein zu dürfen, um sich gründlich zu blamieren. Von München aus, wo man infallibior ist, als das infallibile Konzil, geschweige denn als der infallibile Papst, wo man gelehrter ist als alle Väter des Konzils, hat man dem Konzil Er— wägungen und zwar durch die Zeitungen zugehen lassen zu müssen geglaubt, und die ganze Meute der gelahrten Doktoren in Breslau, Bonn usw. jauchzt Bei-
hoch-
fall dem Helden ob der mannhaften Tat. Ich freue mich, daß unser hochwürdigster Bischof gottselig im Herrn entschlafen ist; wie tief hätte es ihn betrüben
müssen, zu sehen, daß auch seine Akademie in Münster dem Herrn von Döllinger zugestimmt hat. Alle diese Herren sind Stöckel in Münster derbe zurechtgewiesen, der ihnen gezeigt, daß, sie logisch und konsequent sein wollten, notwendig zur Häresie übergehen müßten. So weit wird es hoffentlich nicht kommen, aber für von Döllinger fürchtet man nickt ohne Grund, daß er den Weg des Pater Hyanzinth ¹) Sgehen werde. Wie wirre es in Deutschland durcheinander geht, kannst Du kaum glauben. Da die Zeitungen die oft sonderbarsten Nachrichten über das Konzil, über Spaltungen selbst unter den Bischöfen bringen; das meiste, wie ich vermute, sind nur Erdichtungen, Ver-
zwar von Dr. sehr
wenn
1827 zu Orleans; Paris,
1) P. Hyacinth= Charles Loyson, geb. Karmelit; 1864/69 wegen Verhaltens 1873/74 Pfarrer in Genf, grün- Kirche und Bourier seit
1862 Kanzelredner in
wurde
gefeierter
seines exkommuniziert, heiratete, wurde 1872 Altkatholik und dete 1879
dem abgefallenen
begünstigte die von
1891
eine kath.-gallik.
Priester betriebene Los-
von-Rom-Bewegung.
26
mutungen? wie z. B. der famose Brief des Bischofs von Lavalle an seine Diözesanen über Bischof Dupanloup?
Seit mehreren Jahren habe ich mich vergeblich be- müht, für unsere neu zu bauende Pfarrkirche, wofür ich freilich erst 10 000 Eeichstaler zinsfreies Kapital habe, einen Stein aus den Katakomben zu erlangen und habe
neuerdings einen hier gebürtigen Benediktiner, Sub- diakon Hermann Drentzel, der jetzt in Rom seine Studien macht, darum ersucht, befürchte aber auch
diesmal vergeblich. Sollte Deine jetzige hohe Stellung es möglich machen können, einen solchen Stein aus den Katakomben für Deine Geburts- und meine Pfarrkirche mir zu verschaffen, so wirst Du mich sehr verpflichten, ich bitte darum; Deine Auslagen werde ich mit Dank an Bruder Laurentius entrichten.
Meine Gemeinde und mich Deinem Gebete am Grabe der hl. Apostel dringend empfehlend, wünsche ich Dir und allen Vätern des hl. Konzils die Gnade des hl. Geistes und bleibe
Dein Heynek, Pfarrer.
13. Johanna Dastor an Abt Ephrem.
Köln, den 25. Mai 1870.
Hochwürdigster Herr!
Ob dieser Gruß von deutschem Boden Sie noch
in Rom antrifft? Ich vermute ja, denn Sie sind ganz gewiß einer der ersten, der als treuer Kämpfer der Kirche bis zum Ende aushaart. Wir sind seit drei Wochen in Deutschland, und Sie haben wohl schwerlich erfah- ren, daß unsere Abreise von Rom durch ein leichtes Unwohlsein von mir um 8 Tage verschoben werden mußte. Also erst seit 5 Wochen sind wir hier, und ich habe schon wieder eine Sehnsucht nach Rom, die stark an Heimweh streift. Mit dieser Stimmung hier kann ich mich nicht befreunden. Die besten Katholiken, die aller UIltramontansten schreien gegen die Unfehlbarkeit in einer Weise, die gar zu betrübend klingt; da ist die Majorität zusammengesetzt entweder furchtsamen Geistern, die nur mit dem Strome schwimmen, oder von solchen, die das Interesse oder die Abhängigkeit
von
leitet, oder von ganz unwissenden, dummen Menschen; dann kommen die Jesuiten aufs Rad, und schließlich geht es dann noch bitterböse über den Helden-Greis, über unseren unsterblichen Dius her. So sind nicht bloß die Laien, auch der Klerus ist durchweg von dieser Stimmung angefressen. Den einzigen Trost, den ich hier habe, ist der Superior der Jesuiten, Pater Rieve. Sie haben wohl von diesem Herrn schon gehört, er wurde mehrmals schon verklagt wegen Aeußerungen über die Unfehlbarkeitsfrage in seinen Dredigten. Bitte, schrei- ben Sie mir doch einmal etwas Direktes, wie die Sa- chen wirklich stehen, was man hoffen darf; ich bin hung- rig nach etwas Wahrem; die Lügen in den Blättern ekeln mich an. Dater Rieve lieh mir die neueren Bro- schüren und Bücher, aber das ist immerhin nicht von Rom. Sie tun ein wirklich gutes Werk, und es ist nur für mich.


