Jahrgang 
1932
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Ich kann mir denken, daß Ihre Gebete auch ganz dadurch absorbiert sind; wenn Sie aber noch ein Augen- blickchen für andere Leute erübrigen könnten, dann bitte denken Sie an ein ganz besonderes Anliegen, was

mir auf der Seele lastet.

Mit den innigsten Grüßen küssen wir Ihnen die Hände und bitten um Ihren Segen.

Wie immer, hochwürdigster Herr Abt,

Ihre ergebene Mathilde von Hoensbroech.

5.

Gräfin Mathilde von Hoensbroech an Abt Ephrem.

Hochwürdigster Herr Abt!

Wir haben allerdings zwei unbeantwortete Briefe von Ihnen erhalten, und doch kommt es uns vor, als hätten wir solange nichts mehr von Ihnen Lehört. Auch die Zeitungen sind so unheimlich still über Rom, und wir machen uns große Sorgen, wie es dort wohl aus- sieht. Deshalb bitten wenn es möglich ist, uns doch ein Wörtchen zu schreiben. Es geht mir ein solcher Schmerz durch die Seele über diese Angelegenheit, daß ich es garnicht auszudrücken vermag, und mein Mut ist eigentlich ganz geschwunden. Zwar bleibe ich der Ueberzeugung, daß der hl. Geist die Definition folgen lassen wird, aber was wird es dann in unserem armen Deutschland geben! Mir scheint jetzt, daß viel versäumt worden ist, indem sich gar keine Partei offen für die Infallibilität in Adressen nach Rom hier aus- Lesprochen hat. Unsere Bischöfe können sich am Ende mit Recht einbilden, ganz Deutschland dächte wie sie und die hochmütigen Professoren! Glauben Sie denn wohl, daß die Sache vor Peter und Paul abgemacht sein wird? Es fängt an, uns unmößglich zu erscheinen. Und was wird es werden, wenn die Bischöfe vorher in ihre Diözesen zurückkehren!

Verzeihen Sie diese wenigen Zeilen! Mein Mann empfiehlt sich Ihnen sehr, und Ihre Schwester und die drei Töchter grüßen herzlichst.

wir,

er-

Mit der innigsten Verehrung Ihre ergebene Mathilde von Hoensbroecchh.

Haag, den 1. Juni 1870.

6.

Karoline van der Meulen an ihren Bruder, Gräfin Antonia von Hoensbroech an Abt Ephrem.

Haas, 8. VI. 70.

Lieber Bruder!

Ich bin in Gedanken so oft bei Dir, wenn Du auch keinen Brief von mir erhältst. Dein Brief hat mich sehr traurig gemacht; hoffentlich ist es jetzt wieder besser. Ich sehe Dich so im Geiste in Bocholt, wie Du dort Deine Gemütskrankheit hattest. Ich habe in den Kölner Blättern gelesen, daß der Bischof von Straßburg ab- Lereist ist. Du wärest gewiß gerne mit ihm gereist; ich las auch, daß das Konzil nicht vertagt würde. S0

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frage denn doch auch jetzt bald um Urlaub, damit Du doch nicht in der Hitze in Rom bist. Ich bin so bange, daß Du vor lauter Leid auch in Rom stirbst. Ich hatte so Schofft, daß Pfingsten die Bischöfe alle eins geworden wären, daß der hl. Geist das bewirkt hätte. Es muß doch eine große Erbitterung dort sein. Wenn ich ans Konzil denke, dann ist es gLerade, wie wenn jemand zu mir sagte: Bete, bete. Der hl. Vater kommt mir gLerade vor wie der liebe Heiland, als er unter den stolzen PDharisäern und Schriftgelehrten war. Ich glaube auch, wenn er stirbt, daß er sogleich in den Himmel aufgenommen wird; er macht wahrhaftig hier das Fege- feuer durch.

Ach, lieber Bruder, Du kannst garnicht denken, was ich für Schmerzen habe, und wie ich dabei Tag und Nacht husten muß. Der Appetit ist auch fast ganz weg. Ich bin so mager geworden, nur mehr Haut und Kno- chen, sodaß mir alles Liegen und Sitzen wehetut. Ich habe auch fast gar keinen Mut mehr, bin immer so traurig. Dann denke ich auch oft, der liebe Gott schickt mir kein größeres Kreuz, als ich tragen kann; aber jetzt ist es mir doch oft so schwer. Für Dich rufe ich oft Deine 5 Namenspatrone an: Augustinus, Johannes und Balthasar, daß sie Dir doch helfen möchten, Deine Bürde zu tragen.

Dann grüße doch auch recht Frau von Kimsky: hoffentlich ist die doch für die gute PDartei. Ich habe gehört, die Gräfin Hahn-Hahn wäre in Wut aus Rom abgereist; sie war natürlich gegen die Unfehlbarkeits- erklärung.

Jetzt, lieber Bruder, bist Du in dem Herzen Jesu und Mariã gegrüßt.

Deine dankbare Schwester Karolinc.

Die Schreiberin erlaubt sich, Ihnen hochwürdigster Herr Abt, noch ein Wörtchen hinzuzufügen. Wir hoffen und wünschen hier alle sehr, daß die Unfehlbarkeit des Papstes bis Peter und Paul proklamiert werde. Ich meine, es müßte doch für beide Parteien eine große Beruhigung sein, wenn es einmal definitiv aus- gesprochen sein wird. Dann wird es hoffentlich den Bischöfen, die jetzt so hartnäckig dagegen sind, wie Schuppen von den Augen fallen. Ich kann wenig tun, aber tue doch das, was Sie mir gesagt haben, meine täglichen Beschäftigungen für das Konzil aufzuopfern.

Ihre ganz ergebene Dienerin Antonia von Hoensbroech.

7.

Gräfin Mathilde von Hoensbroech an Abt Ephrem. Hochwürdigster Herr Abt!

Ich muß sehr um Verzeihung bitten, daß ich so lange nicht Leschrieben und nicht gedankt habe für Ihre uns immer so sehr interessierenden Mitteilungen. Heute ver- anlaßt mich das Befinden Ihrer Schwester zu diesen Zeilen. Seit vorigem Sonntag wiederholt sich das Blut- speien bei ihr in solchem Maße, daß wir doch ernst- liche Besorgnisse haben. Diese letzte Nacht war sie so schlimm, daß wir glaubten, sie würde darin bleiben.