II. Chronik der Schule.
Der Chronik der Schule für das Jahr 1874/75 muß ein kurzer Bericht über zwei für die Schule bedeutſame Vorkommniſſe aus dem Schluſſe des Schuljahres 1873/74 vorausgeſchickt werden.
Am Samſtag den 21. März beging die Schule in ihrem feſtlich geſchmückten Prüfungsſaale eine Vorfeier des Geburtstages Sr. Majeſtät des Kaiſers und Königs mit Geſang, Deklamation und Feſtrede. Letztere hielt Herr Dr. J. Kirſchbaum und gab darin einen geſchichtlichen Ueber⸗ blick über die Entwickelung der Macht des preußiſchen Staates unter dem Hauſe Hohenzollern bis auf unſere Tage.
In den Schluß des Winterſemeſters fiel ſodann die im Oſtertermine 1874 abzuhaltende (dritte) Abiturientenprüfuug an der Schule. Es wurde die ſchriftliche in den Tagen vom 2— 5. März vorgenommen, die mündliche am 23. deſſelben Monats unter dem Vorſitze des Herrn Regierungs⸗ und Provinzial⸗Schulraths Dr. Rumpel als Königl. Commiſſarius und in Anweſenheit des Herrn Geiſtlichen Raths und Direktors an der Leonhardskirche Schlenger als Local⸗Commiſſarius, ſowie theilweiſe auch des Vorſitzenden des Curatoriums für die höheren Schulen, Herrn Senators Dr. von Oven, abgehalten. Zu der ſchriftlichen Prüfung waren folgende Themata gegeben:
1. Für den deutſchen Aufſatz: Die Verdienſte Rudolph's von Habsburg um Deutſchland.
2. In der franzöſiſchen Sprache: Ueberſetzung aus dem Deutſchen in's Franzöſiſche (Prinz Heinrich von England).
3. In der engliſchen Sprache: Ueberſetzung aus dem Deutſchen in's Engliſche(Charakter Ludwig's XIV.).
4. In der Mathematik: a.(X¼ † x)?— X= 30+ 7xv. b. Wenn man den Centner einer Waare zu fl. 25 verkauft, ſo verliert man 6%. Wie viel% werden gewonnen, wenn man das Pfund zu 18 Kr. verkauft? c. Es ſei die Differenz zweier Seiten eines ungleich⸗ ſeitigen Dreiecks a— b= d= 19m, ihr Produkt ab= p*= 53040, der der erſteren gegenüber ſtehende Winkel«= 128⁰ 9“; das Dreieck zu berechnen. d. Gegeben iſt der Ueberſchuß der Kathetenſumme über die Hypotenuſe und ein ſpitzer Winkel; das rechtwinkelige Dreieck zu con⸗ ſtruieren.
Es hatten ſich zu dieſer Prüfung ſieben Schüler der II. Klaſſe gemeldet; alle wurden für reif erklärt und erhielten:
1. Friedrich Witthöft, geb. zu Frankfurt a. M. den 22. Januar 1858, das Prädikat: Gut beſtanden.
2. Philipp Reiſſert, geb. zu Frankfurt a. M. den 28. Februar 1857, das Prädi⸗ kat: Gut beſtanden.—
3. Joſeph Martin, geb. zu Frankfurt a. M. den 2. November 1857, das Prädikat: Gut beſtanden.


