Jahrgang 
1912
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von Herrn Oberlehrer Schmahl und der freundlichen Begleitung von Fräulein Lic. Barth und Herrn Professor Dr. Vögler antraten.

Die Fahrt ging durch das sonnengleißende weitere Rheintal über Coblenz hinein in die ver- schlossene Schönheit des Mosellandes. Mit der Moselbahn erreichten wir Moselkern und wanderten im Abendschimmer nach der stillen Waldburg Eltz. die in ihrer stolzen Märchenabgeschiedenheit alle Schönheit und allen ritterlichen Glanz minnenden und wehrhaften Mittelalters in sich zu bergen scheint. Schwer nur lösten wir uns von ihrem befangenden Zauber. Um 10 Uhr trafen wir mit der Bahn in Bullay ein, ließen uns bei blinkendem Mondschein über die Mosel setzen und stiegen durch die Wein- berge von Alf hinauf nach dem Waldfrieden, wo wir übernachteten. Der nächste Tag, ein kalter, heller Wintersonntag, führte uns von Traben-Trarbach durch die tiefeingeschnittenen Täler und über die waldigen Hänge des Hunsrück nach Bernkastel. Wir sahen die hochgelegenen Dörfer Ausonius weiß von ihrem lieblichen Fernblick, aber auch von ihrer Wasserarmut zu erzählen. Sie hatten sich gemächlich auf der Höhe gelagert; denn unten stießen die Berge fast mit dem Fuße zusammen und gönnten gerade der Landstraße und einem grünen Wildbach Raum. Am Abend fuhren wir von Cues über Wengerohr nach Trier, wo uns die Nonnen im St. Josephsstift freundlich aufnahmen.

Am nächsten Morgen warf sich die alte Kaiserstadt eilig einen glitzernden Schneemantel über, um trotz ihrer nüchternen Alltagshäuser heimelig auszusehen. Merkwürdig dunkel ragte die festgefügte Porta Nigra aus der weißen Decke empor, tot und kalt lagen die weiten Thermen, und nur die alte trotzige Kaiserpfalz trug ihre Schnechülle wie einen fürstlichen Schmuck. Draußen im Amphitheater rief uns die kalte Stille das grause Bild in die Erinnerung zurück, das Seneca von den Zwischenspielen entwirft. Nach all den Eindrücken von Verfall umfing uns wohltuend die tiefe, heilige Ruhe des Domes. Noch stimmungsvoller freilich war es in der grauen Krypta von St. Matthias vor der Stadt, wo alles so steinkalt schien und doch warm umwoben war von dämmerigem Duft. Am Nachmittag folgten wir noch der wertvollen Führung des Herrn Direktors Dr. Krüger durch das Provinzialmuseum, das eine gedrängte Veranschaulichung zu der Mosella des Ausonius darbot.

Mit dem Zug 10 Uhr 44 Minuten langten wir wohlbehalten Montagabend in Frankfurt wieder an.

Die Feier des Sieges von Sedan wurde in üblicher Weise durch Klassenausflüge festlich begangen.

An der Gedenkfeier für die 50. Wiederkehr von Uhlands Tod in der Paulskirche am 13. November nahm eine Abordnung als Vertretung der Schülerinnen teil. Durch diese Feier, bei welcher der Direktor die Festrede zu halten hatte, wurde die alljährliche Schiller- feier der Schule etwas hinausgeschoben; sie fand am 25. und 26. November statt, und zwar als Nachmittagstee für die Angehörigen der Schülerinnen im Festsaal der Schule. Die Schülerinnen hatten die Tische selbst gedeckt und mit reichem Blumenschmuck ausge- stattet; auch die Berge von Kuchen waren von den Schülerinnen gestiftet und vielfach selbst gebacken. Zwischen den leiblichen Genüssen wurden allerlei Vorführungen geboten, die als verbindenden Gedanken diedeutsche Volkskunst in Wort. Weise, Tracht und. Tanz hatten. Sie verliefen folgendermaßen:

1. Zwei altdeutsche Volkslieder, gesungen vom Schulchor:

1. Ach Gott, wie weh tut Scheiden(1540).

2. All mein Gedanken(Lochheimer Liederbuch 14521460).

2. Zwei oberdeutsche Volstänze:

l. Oberbayrischer Ländler, getanzt von den Schülerinnen der Klasse L 5: Friedel Becker, Else Behrens, Ruth Diesterweg. Hedvy Hofmann, Rosv Holzamer, Minnie Röver. Gertrud Schilling-Ziemßen, Trude Strauß.

2. Elsässer Kindertanz, getanzt von den Schülerinnen:

Friedel Bartscher UIII als Mädchen. Maria Haselsteiner UIII als Herrn, sowie den Schüle-

rinnen der Klasse L10: Else Clever. Käthe Encke, Anna Göbel, Annelore Schilling-

Ziemßen als Kindern.

3. Ein Schwank von Hans Sachs: Sanct Peter mit der Geiß(1555), vorgetragen von Tilly Edinger UII.