Jahrgang 
1909
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2. Mitteilungen aus dem Schulleben der Schülerinnen im abgelaufenen Schuljahr.

Wie im vorigen Jahre haben auch diesmal die Schülerinnen nicht nur für die von der Stadtgärtnerei gelieferten Topfpflanzen treu gesorgt, sondern auch selbst durch Blumen, Bilder und Skulpturen zum Schmuck der Schule beigetragen.

Die den einzelnen Schülerinnen zugewiesenen Beete wurden eifrig gepflegt.

Für die Hinterbliebnen Detlev von Liliencrons sammelten die Schülerinnen der Realgymnasialklassen in Verehrung für den großen Dichter 100 M., über deren Einlieferung die hiesige Reichsbank-Hauptstelle am 27. Dezember quittiert hat.

Die Weihnachtsbescherung der Kinderhorte verschönten unsre Schülerinnen durch Schenkung einer großen Zahl selbstgeputzter Puppen; auch wurde wie im vorigen Jahr zu Weihnachten manches warme nnd hübsche Kleidungsstück, Schuhwerk und Spielzeug für arme Kinder an die Horte gesandt.

Leider haben wir in diesem Jahre von einem Trauerfall unter unsern Schülerinnen zu berichten. Gleich nach den Freudentagen des Weihnachtsfestes wurde die Schülerin unsrer Klasse Méo Henny Gilberger den Ihren durch den Tod entrissen. In treuer Kameradschaft legten die Schülerinnen der M é einen Kranz am Sarge ihrer lieben Gefährtin nieder, und der Direktor gedachte der Entschlafnen vor versammelten Schülerinnen bei Wiederbeginn des Unterrichts nach Neujahr.

Neben der Trauer steht die Freude. Zwei unsrer letztjährigen Abiturientinnen, Klara Schiff, und Anna Klein und zwei Schülerinnen der Realgymnasialklassen, Martha Merkel und Hilda Sternau, konnten wir im abgelaufnen Schuljahr zur Verlobung beglückwünschen. Möge das Glück, das Lehrer und Mitschülerinnen den jungen Bräuten und Frauen von Herzen wünschen, ihnen ein reiches und gesegnetes Leben lang treu bleiben!

Bei der guten und zuverlässigen Haltung unsrer Schülerinnen konnten wir den Versuch wagen, ihnen an der inneren Verwaltung der Schule Anteil zu geben. Nicht nur in den

einzelnen Klassen wurden wie das schon früher geschah und wohl allgemein verbreitet ist von den Schülerinnen Klassenälteste und Beamtinnen für all die einzelnen Geschäfte

gewählt, die Unterricht und Ordnung mit sich bringen, sondern die oberen Realgymnasial- klassen wählten aus ihrer Mitte Schülerinnen, die im Gebäude und in den Pausen ihre jüngeren Mitschülerinnen in Ordnung und unter Aufsicht hielten. Mit Freude sahen wir dabei, wie die einzelnen Klassen sich selbst dazu erziehen, daß Verstöße nicht vorkommen, wie ein hübscher Korpsgeist und ein kameradschaftlicher Sinn sich heranbildet, das Gefühl, daß die einzelne teil hat am Ganzen, daß schließlich alle Mitglieder der Schulgenossenschaft auf gleichem Gedeih und Verderb sitzen.

Wir hoffen, diese Selbstverwaltung der Schülerinnen bei weitrer Bewährung noch ausgestalten zu können, bietet sie doch dem heranwachsenden Geschlecht die beste Vor- bildung und Vorübung für das Gemeindeleben und für die Staatsgesinnung.