III. Zur Geschichte der Anstalt.
Das Schuljahr begann am Donnerstag, den 3. April, mit Aufnahmeprüfungen; der Unter- richt wurde am Freitag, den 4., mit einer Andacht eröffnet. Zu den bisherigen Klassen trat die Obertertia hinzu.
Da durch Errichtung der neuen Klasse wieder eine Erweiterung des Lehrkörpers bedingt war, wurde der wissenschaftliche Hilfslehrer Dr. Pfeiffer überwiesen. Vor allem aber brachte das neue Schuljahr die längst erwünschte Vermehrung der definitiven Lehrerstellen; mit Wirkung vom 1. April wurden die wissenschaftlichen Hilfslehrer Dr. K. Henkel¹) und H. Seis ²) zu Oberlehrern ernannt; außerdem wurde der Zeichenlehrer A. Lappe ³) an die Anstalt versetzt. Da Herr Lappe seine Stelle erst zum 1. Juli antreten konnte, führte der Zeichenlehrer an der Schillerschule P. Scheffler den Zeichenunterricht in dankenswerter Weise noch ein Vierteljahr weiter, im übrigen übernahm die Vertretung der wissen- schaftliche Hilfslehrer Dr. Konze. Auch im katholischen Religionsunterricht trat wieder eine Anderung ein; er wurde, da Herr Kaplan Wolf nach Limburg berufen war, Herrn Kaplan Jörges übertragen. Im August und September war der Anstaltsleiter zu einer achtwöchigen militärischen Übung einberufen; seine Vertretung konnte, da Herr Dr. Konze auch im zweiten Vierteljahr an der Anstalt verblieb, von dem Kollegium übernommen werden; die Geschäfte der Anstaltsleitung führte Herr Oberlehrer Seis. Zu Beginn des Winterhalbjahres wurde der wissenschaftliche Hilfslehrer Dr. O. Becker überwiesen; er erteilte einige Stunden in Quarta und Obertertia, mußte uns jedoch bereits zu Neujahr wieder verlassen, um eine Vertretung in Arolsen zu übernehmen. Vom 24. November
¹) Dr. Karl Henkel, evangelischen Bekenntnisses, wurde im November 1883 zu Hanau geboren. Er bestand Ostern 1902 die Reifeprüfung am Kgl. Gymnasium seiner Vaterstadt und studierte dann Französisch, Englisch und Erdkunde an den Universitäten Marburg, Heidelberg, Berlin und an der Akademie für Sozial- und Handelswissenschaften in Frankfurt a. M. In Marburg erwarb er am 1. Mai 1907 die Doktorwürde und legte am 27. Juni 1908 die Prüfung für das höhere Lehramt in Preußen ab. Nachdem er 1908— 09 seiner militärischen Dienstpflicht genügt hatte, wurde er als Kandidat des höheren Lehramts dem Kgl. Gymnasium zu Fulda zugewiesen. Von Oktober 1910 bis Oktober 1911 war er an der Realschule zu Bad Wildungen, von Oktober 1911 bis Ostern 1912 an der Oberrealschule II in Cassel beschäftigt. Nach einjähriger Tätigkeit als wissenschaftlicher Hilfslehrer am Kgl. Sachsenhäuser Gymnasium i. E. wurde er zum 1. April 1913 an der gleichen Anstalt als Oberlehrer angestellt.
²) Hermann Seis, geb. 1874 zu Dieler bei Boppard a. Rh., kath, Konf., bestand die Reifeprüfung 1897 am Kaiserin Augusta-Gymnasium zu Coblenz. Von 1897 bis 1906 studierte er an den Universitäten Würzburg und Bonn Mathematik und Naturwissenschaften. Inzwischen war er vielfach unterrichtlich tätig, z. B. als Lehrer am adligen Institut Juleaneum zu Würzburg sowie als Lehrer und Erzieher am evang. Paedagogium von Kühne zu Godesberg a. Rh.(Zweiganstalt Herchen a. d. Sieg). Seiner Militärpflicht genügte er von Herbst 1903 bis Herbst 1904 in Coblenz. 1906 bestand er das Staatsexamen an der Universität Bonn. Das Seminarjahr legte er von Herbst 1906 bis Herbst 1907 am Kgl. Gymnasium in Fulda und das Probejahr in Wiesbaden und Hadamar von Herbst 1907 bis Herbst 1908 zurück. Von Herbst 1908 bis Ostern 1913 war er wissenschaftlicher Hilfslehrer an der Liebig-Realschule zu Frankfurt a. M., am Gymnasium zu Limburg a. L. und am Kgl. Sachsenhäuser Gymnasium zu Frankfurt a. M.
³) Andreas Lappe, evang., geb. im September 1884 in Berlin, besuchte nach Beendigung seiner Schulzeit das Lehrerseminar zu Cöthen-Anhalt von 1899— 1905, wurde darauf diätarisch beschäftigt und 1907 in Hechlingen- Anhalt fest angestellt. Nachdem er einen zweijährigen Urlaub zwecks Ausbildung zum Zeichenlehrer erhalten und an der Kunst-Akademie in Cassel 1909 die entsprechende Prüfung abgelegt hatte, verließ er den anhalti- schen Staatsdienst und nahm eine Stelle als Zeichenlehrer an der Rektoratsschule zu Ronsdorf,(Rhld.) an. Von dort aus wurde er an seine jetzige Stelle berufen.
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