Jahrgang 
1914
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7. Organisation der Schule.

Durch Verfügung des Herrn Ministers(vergl. Abschnitt II, 1 des Berichtes) wurde

die Rödelheimer Realschule Ostern 1913 als berechtigte Realschule anerkannt.

Unter Berücksichtigung der besonderen örtlichen Verhältnisse hat der Herr Minister seine Genehmigung dazu erteilt, daß in der Vorschule auch über den 1. April 1914 hinaus Knaben und Mädchen gemeinsam unterrichtet werden.(Vergl. Abschnitt Il, l des Berichtes.) Die Direktion des nächstgelegenen Lyzeums, der Viktoriaschule, hat sich auf die Bitte des Unterzeichneten bereit erklärt, diejenigen Mädchen, die in die Sexta der Rödelheimer Realschule versetzt worden sind, künftighin ohne Prüfung in die entsprechende 7. Klasse der Viktoriaschule aufzunehmen.

8 Notwendigkeit eines Neubaues der Anstalt.

Unsere im letzten Berichte ausgesprochene Hoffnung, daß im Herbst 1913 mit dem Neubau der Rödelheimer Realschule begonnen werden könne, wäre zweifellos in Erfüllung gegangen, wenn nicht der Bezirks-Verein Rödelheim gegen die Errichtung der Schule auf dem von der Stadt ausgewählten Gelände am Biegwald beim Regierungspräsidenten Einspruch erhoben hätte, weil der Platz für den Neubau 200 Meter jenseits der Grenze der ehemaligen, seit 4 Jahren eingemeindeten Stadt Rödelheim liegt. Nach längeren, ergebnislosen Verhandlungen mit dem Bezirksverein z0g der Magistrat am 2. Ja- nuar 1914 seine Vorlage wegen der Errichtung eines Neubaues zurück, und die Stadtverordneten-Versammlung billigte den Beschluß des Magistrats.

Die Lehrerschaft der Rödelheimer Realschule sah sich nunmehr veranlaßt, durch den Direktor folgendes Schreiben an den Magistrat zu richten:

Das unterzeichnete Lehrerkollegium hält es für seine Pflicht, den Magistrat der Stadt Frankfurt darauf aufmerksam zu machen, daß trotz der zahlreichen baulichen Verbesserungen, die seit der Obernahme der Schule durch die Stadtverwaltung in dankenswerter Weise vorgenommen wurden, das über 130 Jahre alte Gebäude der Rödelheimer Realschule zahlreiche Mängel aufweist, die durch keine noch so kostspielige Reparatur sich beseitigen lassen werden und geeignet sind, die Ge- sundheit der Schüler und Lehrer auf die Dauer schwer zu schädigen: Die Kamin- anlagen sind im Laufe der Jahrzehnte so mangelhaft geworden, daß in diesem Winter(obwohl die Baubehörde wiederholt Ausbesserungen vornehmen ließ) in mehreren Klassen trotz dauernden Hei- zens stundenlang beinur 9 11 Grad Wärme unterrichtet werden muß, gewib nicht zum Vorteil für Schüler und Lehrer. Dazu kommt eine sehr gesundheitsschädliche Rauchentwicklung in mehreren Klassen, mangelhafte Beleuchtung in einzelnen Zimmern, besonders im Zeichensaal(Wo die Schüler sich leicht die Augen verderben können) und die schlechte Luft in den garnicht oder wenig unterkellerten Räumen des Erdgeschosses, besonders in dem kleinen, dumpfen Amtszimmer, wo sich vor einigen Monaten starke Schwammbildung gezeigt hat, was den unterzeichneten Leiter der Schule aber nicht hindern darf, täglich bis zu 8 Stunden hier zu arbeiten.

Wir erkennen dankbar an, daß in Anbetracht dieser vom Direktor wiederholt geschilderten, un- haltbaren Zustände der Maxgistrat seit 1 ½ Jahren bereit ist, in schöner Lage am Biegwald ein neues Schulgebäude zu errichten, und bitten dringend, mit diesem Neubau ohne Rück- sicht auf etwaige Gegenströmungen in Rödelheim sofort beginnen zu wollen.

Da der Magistrat außerdem in einer von über 600 Einwohnern des Stadtbezirks Rödelheim unterzeichneten Eingabe vom 12. Januar d. J. dringend gebeten wurde, sobald wie möglich einen Neubau der Realschule am Biegwalde zu errichten, da ferner in einer von 40 Mitgliedern besuchten Versammlung des Bezirks- Vereins Rödelheim vom 12. Februar d. J. nur 19 Mitglieder beschlossen, den Einspruch gegen den Platz aufrecht zu erhalten, während 12 Mitglieder für den vom Magistrat gewählten Platz waren und9 Mitglieder sich der Ab- stimmung enthielten, so erachten wir es als zweifellos, daß der Magistrat nicht auf die 19 Stimmen einiger Mitglieder des Bezirks-Vereins, sondern auf die 600 Stimmen aus der Einwohnerschaft Rödelheims und auf die Bitte des am meisten in Mitleidenschaft gezogenen Lehrerkollegiums hören und den uns so bitter nötigen Neubau, dessen Dringlichkeit in der Stadtverordneten-Versammlung von allen Parteien wiederholt betont wurde, nun endlich bescheren wird.