Jahrgang 
1912
Einzelbild herunterladen

S*

29

Durch Verfügung des Herrn Ministers ist die Anstalt vom 1. April 1911 ab als Real- schule i. E. unter die Zahl der in der Entwicklung begriffenen höheren Lehranstalten auf- genommen und der Aufsicht des Königlichen Provinzial-Schulkollegiums zu Cassel unter- stellt worden. Gleichzeitig hat der Herr Minister unter Berücksichtigung der besonderen Verhältnisse seine Genehmigung dazu erteilt, daß bis zum 1. April 1914 Knaben und Mädchen in der Vorschule und in den Realschulklassen Sexta bis Quarta einschließlich gemeinsam unterrichtet werden. Der Herr Minister hat dabei aber ausdrücklich betont, daß eine Verlängerung des Termins über den 1. April 1914 hinaus nicht möglich sei.

7. Notwendigkeit eines Neubaues der Anstalt.

Der Unterzeichnete möchte an dieser Stelle seinen Dank für die Bereitwilligkeit aus- sprechen, mit der das Kuratorium der höheren Schulen im Einvernehmen mit dem Hoch- bauamt es sich hat angelegen sein lassen, das Innere unseres Schulgebäudes im Laufe des Berichtsjahres umzugestalten, damit es den Anforderungen, die bezüglich der baulichen Einrichtungen an eine neuzeitliche höhere Schule gestellt werden müssen, möglichst genüge.

Anderseits hat der Leiter der Anstalt es aber auch für seine Pflicht gehalten, während des abgelaufenen Schuljahres die vorgesetzte städtische Schulbehörde darauf hinzuweisen, daß unser etwa 130 Jahre altes Schulhaus Mängel aufweist, die trotz noch So kostspieliger Reparaturen niemals sich beseitigen lassen können: Das Fehlen eines Zeichensaales, das Fehlen eines Physikzimmers und eines Zimmers für den naturkundlichen Unterricht, das Fehlen einer Turnhalle, nicht zuletzt die äußerst ungünstige Lage des Schulgebäudes am verkehrsreichsten Punkte des Stadtbezirks und das hohe Alter der

Treppen, auf denen unsere Schülerinnen und Schüler leicht einen Unfall erleiden können,

sind Mißstände, die einen Neubau dringend erheischen! Vor allem muß aber auch hier die Befürchtung ausgesprochen werden, daß beim Ausbruch eines Feuers das ganz in Holzfachwerk errichtete, alte Gebäude sofort völlig in Flammen stehen wird, also eine Gefahr droht, die durch die wiederholt und unerwartet vorgenommenen Feuerproben nicht beseitigt werden kann. Um so erfreulicher ist es, daß die städtischen Behörden in richtiger Erkenntnis der Sachlage die Frage eines baldigen Neubaues der Schule nunmehr in ernstliche Erwägung gezogen haben. Möchten alle Hindernisse, die der Ausführung des von Eltern, Schülern und Lehrern ersehnten neuen Schulgebäudes entgegenstehen sollten, im neuen Schuljahre sich leicht beseitigen lassen, damit unsere aufblühende Anstalt recht bald ein neues, würdiges Heim beziehen kann.