jökull, den ich unter grossen Mühen bestieg. Aber der Aufstieg war lohnend; von der Höhe aus sah ich ein so schönes Bild, wie man es auf dem Kontinent niemals schauen kann. Ueber eine der grossen, nach Norden vorstehenden Gletscherzungen stieg ich hinunter zum Gehft Barkarstadur, wo ich nach den Strapazen herzlich aufgenommen und bewirtet wurde.
Ueber ein Gelände von eckigen Lavabrocken und Sanden ging's auf beschwerlichem Wege weiter zum Thorsmörk und von dort durch die Sandwüste zwischen Keldur und Selshund zur äussersten menschlichen Siedelung am Rande der Hekla. Ohne die treuen isländischen Pferde könnte man nichts unternehmen. Sie bringen einen sicher durch die reissenden Ströme und über die wildesten zerklüfteten Lavafelder.
Von Selshund aus ritt ich um Mitternacht 3 Stunden über zackige Lavafelder von phantastischen Formen bis zur Hesturvarda, wo die Pferde zurückblieben.
In 1 ½ stündigem Aufstieg erreichte ich gegen 5 Uhr morgens den Gipfel der Hekla. Die Schönheit des Ausblicks übertraf alle Erwartung. Weit im Osten zerfliesst das Weiss der Inlandgletscher mit dem matten Blau des Himmels; nach Süden zu leuchten die Zungen des Myrdal- und Godalands- des Tindfjalla- unde Torfajökulls weit draussen im Tal. Im Norden neigt sich die Heklakette langsam zur Tiefe, und in weiter Ferne zerschmilzt sie mit dem Niveau des übrigen Hochlandes, wo die öde gefürchtete Wüste Odadahraun beginnt. Nach Südwesten bricht die Hekla steil zum Tiefland ab. Lange musste ich dieses Bild immer wieder betrachten, nur schwer konnte ich mich entschliessen hinabzusteigen.
Ich ritt dann über Selshund nach Efri-hvoll. Nun weile ich hier seit zwei Tagen in dem gastfreien Hause des Syslumadur Björg Björgvinsson, und ich habe einen tiefen Eindruck bekommen von der hohen Kultur der isländischen Familie, von ihrem gast- freien Sinn und ihrer edlen, stolzen Art. Ich fühle mich wohl unter diesem herrlichen Volke, dessen Lob man nicht genug verkünden kann.
Morgen werde ich die gastfreie Stätte verlassen und nach Reykjavik zurückkehren. Von dort fliege ich mit einem Flugzeug der deutschen Lufthansa ins Nordland, um von Akureri die Insel in nordsüdlicher Richtung zu durchqueren und das Gletschergebiet des Langjökull zu untersuchen. Vielleicht finde ich später nochmals Zeit zu einem kurzen Bericht.
Mit besten Grüssen an Sie und das Kollegium. Aenne Schmücker. (Studienassessorin)
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