VII. Mitteilungen an die Eltern.
Für diejenigen Eltern, die unserer Einladung zum Elternabend am 13. Dezember 1913 keine Folge geleistet haben, heben wir aus der damaligen Beratung jolgende Punkte zur Kenntnisnahme hervor:
Die Eltern müssen der Schule noch mit viel größerem Vertrauen entgegenkommen und sich auf keinen Fall durch die ungerechtfertigte Belürchtung, ihren Kindern könne irgend ein Nachteil daraus erwachsen, davon zu- rückhalten lassen, in vertraulicher Besprechung mit den Lehrern rückhaltlos alles zu erörtern, was der Schule vom Wesen ihres Kindes zu wissen nötig ist und ihre erzieherische Arbeit unterstützen kann.
Dazu gehört aber, daß die Eltern die Schule nicht nur aus den häuslichen Berichten ihrer Kinder kennen. Einsichtige Eltern werden sich von selbst sagen, daß ein Schüler noch kein Urteil über Erziehungsmaßregeln seines Lehrers haben kann. Das sollte vor allem dann be- herzigt werden, wenn der Lehrer strafend gegen den Schüler vorgehen mufte. Wie oft kommt es da vor, daß auch ein durchaus ehrlicher Schüler, der sich nicht etwa zu Hause„herausreden“ will, dennoch subjektiv Un- wahres über ein Vorkommnis in der Schule berichtet. Nur wenn sich die Eltern sofort mit dem Lehrer selbst ins Einvernehmen setzen, kann es vermieden werden, daß aus solchen unwissentlichen Entstellungen dauernde Entfremdung zwischen Schule und Haus entsteht. Wir wollen durchaus nicht, daß ein Schüler in lalscher Angst- lichkeit, der Lehrer könnte es ihm„nachtragen“, eine ihm unverständliche Strafe stillschweigend hinnehmen soll; nur hat er, wenn er um Aulfklärung bittet, dabei die angemessene und anständige Form zu wahren. Auf diese Weise kann manches Mißverständnis bereits im Entstehen beseitigt werden. Das Wichtigste bleibt auf alle Fälle das Vertrauen von Eltern und Schülern zum Lehrer als einem stets wohlwollenden Freunde und von
seiten der Jugend ein wenig Bescheidenheit, die von jeher
ihre schönste Zierde gewesen ist.
Das an der Schule eingeführte System der Selbst- verwaltung hat sich durchaus bewährt, und wir be- trachten es als ein wichtiges Erziehungsmittel sowohl für die Primaner, die selbständige Leitung und Verantwortung lernen, wie für die jüngeren Schüler, deren Sinn für Unterordnung unter das, was für das große Ganze zweck- mäßig ist, entwickelt werden soll. Leider beiriedigen manche Schüler in diesem letzten Punkte nicht immer. Wir dürſen von den Eltern erwarten, daß sie uns darin kräftig unterstützen und ihre Kinder zur Achtung vor diesen wohlüberlegten und bewährten Einrichtungen der Schule erziehen.
Die Eltern können die Arbeit der Schule dadurch bedeutend fördern, daß sie durch eine zweckmäßige Zeiteinteilung ruhige Gleichmäßigkeit und feste Ge- wöhnung in das tägliche Leben des Schülers bringen. Vor allem müssen die Kinder ein ausreichendes Früh- stück erhalten, und zwar so zeitig, daß sie den Schul- weg ohne schädigende Hast zurücklegen können. Ferner muß unbedingt für eine ausreichende Nachtruhe gesorgt werden. Mögen die Eltern doch bedenken, daß z. B. durch lang in die Nacht sich ausdehnende Vergnügungen nicht nur die Gesundheit ihrer Kinder geschädigt, sondern auch der Schulunterricht empfindlich beeinträchtigt wird.
Das häufige Fehlen der Schüler zeigt, daß diese nicht immer die nötige Willensstärke besitzen, um trotz
konzentriert.
irgend einer kleinen Unpäßlichkeit zur Schule zu kommen. Gerade die älteren Schüler müßten hierin mehr Selbst- erziehung und Pflichtbewußtsein zeigen.
Vom Turnen sollte ein Schüler nur in den aller- notwendigsten Fällen ganz befreit werden. Im übrigen werden die meisten Schüler doch an gewissen UÜbungen des so vielgestaltigen Turnunterrichts teilnehmen können.
Bei dem freundlichen Entgegenkommen, das die Lehrer den Schülern zeigen, berührt es um so unangenehmer, wenn diese Schüler bisweilen, sei es in der Schule oder beim Spiel oder auf Ausflügen, den Forderungen der Höflichkeit und des Taktes zu entsprechen versäumen. Nur zu oft zeigt sich hier ein Zug der Rücksichtslosigkeit und ungezügelter Selbstsucht, dem die häusliche Er- ziehung mit allem Nachdruck entgegentreten sollte. Das Benehmen der Schüler auf der Straße muß tadellos sein. Die radſahrenden Schüler sind besonders vor zu schnellem, rücksichtslosem Fahren zu warnen.
Die Eltern sollten genau darauf achten, daß ihre Kinder beim Schreibwaren- oder Buchhändler, soweit nicht besondere Vereinbarungen getrofſen sind, keine Schulden machen. Hat die Schule einmal für irgend einen beson- deren Zweck Geld einzuziehen, so bitten wir die Eltern, darauf zu halten, daß dieses Geld möglichst am lolgenden Tage abgelielert wird. Diese Mahnung richtet sich auch allgemein gegen Unordnung in jeder Form, die zu be- kämplen der Schule viele Zeit kostet. Hier können uns die Eltern wertvolle Hilſe leisten, wenn sie z. B. bei den kleineren Schülern das Packen des Ranzens u. S. w. selbst überwachen.
Die Eltern können ſerner darauf halten, daß der Schüler sich beim Urbeiten auf seine Kuſgaben Dann wird umso weniger über Uber- bürdung zu klagen sein. Wollen die Eltern die Anſerti- gung der Auſgaben selbst beaufsichtigen, so darf die Hilie keinesfalls so gehalten sein, daß die selbständige Arbeit des Schülers hinfällig wird. Damit erweist man den Kindern den allerschlechtesten Dienst.
Die Eltern, deren Kinder dauernd keine befriedi- genden Leistungen aufweisen, müssen wir dringend vor irrtümlichen Vorstellungen über Schande u. dgl. warnen, wenn es sich um Maßregeln handelt, die das Wohl ihrer Kinder bezwecken, wie z. B. das Wiederholen eines Jahres- kursus. Während der Quarta soll, falls der Schüler große Schwierigkeiten bei der Spracherlernung bis dahin gehabt hat, der Ubergang zu einer lateinlosen nstalt stets erwogen werden, da das Englische erlahrungsgemäß den Schülern wesentlich leichter fällt als das Latein. Ahnlich muß vor Abschluß der Untersekunda die Frage nach der Zweckmäßigkeit ſerneren Verbleibens auf der Schule bei sehr schwachen Schülern unbedingt gestellt werden. Oft verlassen derartige noch nach Obersekunda versetzten Schüler die Anstalt doch am Ende dieser Klasse, da ihr weiteres Verbleiben in der Schule aussichtslos ist. Diese haben dann zu ihrem Nachteil ein ganzes Jahr ver- loren und müssen bei Stellenbewerbungen statt des noch ausreichenden Untersekundazeugnisses ein meist viel schlechteres Obersekundazeugnis zu ihrem Nachteile vorlegen.
Die von der Schule gebotenen Möglichkeiten, sich aus Fachkreisen über Berufswahl rechtzeitig belehren zu lassen, wird den Eltern dringend emplohlen. Auch sollten die Eltern darauf hinwirken, daß die Schüler von den


