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hatte. Zum Besten des Völkerschlachtdenkmals wurden am 7. Februar in der Aula der Schule„Vaterländische Festspiele“ veranstaltet, in denen den Schülern Bilder aus der Zeit der Erniedrigung und Erhebung des preußischen Volkes vorgeführt und insbesondere die Einzelheiten des gewaltigen Denkmals in Leipzig durch Lichtbilder ver- anschaulicht wurden.
Huch in diesem Jahre wurde die Schule von vielen auswärtigen Schulmännern besucht, die namentlich den neusprachlichen Unterricht kennen lernen wollten. Am 19. August besuchten uns 15 Schüler der Kilburn Gram- mar School(London) mit ihrem Lehrer, am 12. De- zember die Herren Geheimrat Varnhagen, Prolessor Pierson, Lektor Bodart, Konrektor Waldmann mit einigen Lehrern der höheren Schulen aus Erlangen und etwa 20 Studenten.
Mit besonderer Freude konnten wir auch in diesem Jahre den verdienstvollen früheren Direktor unserer Schule, Herrn Geheimrat Dr. Eiselen, begrüßen, der uns am 29. August durch seinen Besuch überraschte. Der Direktor sprach dem alten Herrn, der trotz seiner 88 Jahre seine alte geistige und körperliche Frische sich bewahrt hat, mit herzlichen Worten den Dank der Schule für das ihr dauernd bewiesene lebhafte Interesse aus.— Einen lang- jährigen Freund unserer Schule konnten wir am 27. Ok- tober begrüßen, Herrn Hauptmann Freiherr von Seckendorfl, den Begründer der Pfadlinderbewegung in Frankfurt a. M. Er hielt vor den Schülern einen an- regenden Vortrag über die Entwickelung der Pfad- linderbewegung, für den der Direktor den wärmsten Dank der Schule aussprach.
Zur gemeinsamen Besprechung wichtiger Erziehungs- fragen mit den Eltern unserer Schüler wurde am 2. Dezember ein Elternabend berufen. Die Ergebnisse dieser Be- ratungen sind am Schlusse dieses Berichts für diejenigen Eltern zusammengestellt, die leider trotz der über drei Wochen vorher erfolgten Einladung am Erscheinen ver- hindert waren.
Die Weihnachtsſeiern für die Vorschule und das Realgymnasium ſanden am 18. und 19. Dezember in der gewohnten Weise statt. Wiederum hatten wir die Freude, eine große Anzahl alter Schüler begrüßen zu können, die in treuer Anhänglichkeit zu diesem Feste nach der alten Schule geeilt waren, um es gemeinsam mit ihren Lehrern und Kameraden zu feiern.
Die Weihnachtssammlung zum Besten der Kinderhorte ergab eine Gesamtsumme von ℳ 452.40. Eine Sammlung von Spenden für die Veteranen und deren Hinterbliebenen ergab ℳ 107. Diese Summe wurde Herrn Kammerherrn von Bothmer, dem Vor- sitzenden des Frankfurter Kreiskrieger verbandes, über- wiesen. Allen Spendern sprechen wir unsern herzlichsten Dank aus 3
Am 30. Dezember leitete Herr Prof. Dr. Reinhardt die übliche Silvesterwanderung der Schüler der oberen Klassen unter Beteiligung zahlreicher alter Schüler und Freunde der Anstalt nach dem Altkönig und Feldberg. Wir erfreuten uns des wunderbarsten Winter- wetters und wurden auf der Höhe des Feldbergs wieder von unserem Homburger Freund, Herrn W. Maas, freundlichst begrüßt.
Die Feier des Geburtstags S. M. des Kaisers wurde diesmal am Vorabend des Tages, dem 26. Januar, 6 ½ Uhr abends abgehalten, um es den Eltern zu er- möglichen, dieses Fest zusammen mit ihren Rindern im Kreise der Schulgemeinde zu begehen, was erfahrungs-
gemäß bisher nur schwer zu erreichen war, wenn die Feier in die frühen Vormittagsstunden des Festtags selbst ver- legt wurde, in denen Vater und Mutter sich meist nicht leicht von den Pflichten des Berufs und des Haus- wesens frei machen können. Die Neuerung lſand in den Kreisen der Eltern lebhaften Beifall. Gesänge des Schüler- chores wechselten mit Gedichtvorträgen. Die Festrede hielt Herr Oberlehrer Dr. H. Hofmann über die Ent- wickelung der Funkentelegraphie. Ein von dem Direktor ausgebrachtes Hoch auf den Kaiser und das deutsche Vaterland beschloß die schöne Feier. Die von Sr. Majestät gestifteten Bücherprämien erhielten die Ober- primaner Körner und Wertheim, während zwei vom Musterschulverein gestiftete Bücher den Oberprimanern Rasor und Lampert überwiesen wurden.
Zur Beratung der Abiturienten über die Berufs- verhältnisse wurden von Fachmännern in sehr dankens- werter Meise belehrende Vorträge gehalten, in denen über die Vorbedingungen und Aussichten der verschiedenen Berufe klar und eingehend Auskunft gegeben wurde, da es sich leider oft genug herausstellt, daß die jungen Leute nur sehr wenig über die Verhältnisse des von ihnen erwählten Berufs orientiert und infolgedessen oft schweren Enttäuschungen ausgesetzt sind. Herr Dr. med. Eiermann sprach zu den Abiturienten über den Berul des Arztes, Herr Diplomingenieur Weihe über die technischen Berule. Entsprechende Vorträge sollen auch im nächsten Schuljahre gehalten werden.
Wie sonst hielt auch in diesem jahre Herr Prof. Dr. Flesch vor den abgehenden Schülern der Il und Ii und den Schülern der Prima je einen Vortrag, in dem er die nunmehr ins Leben hinaustretenden jungen Leute auf die schweren sittlichen Gefahren hinwies, von denen sie bedroht sind. Während der Genannte die Frage von der medizinischen und ethischen Seite aus behandelte, beleuchtete sie Herr Prof. Stelz in wirkungsvoller Rede vom naturwissenschaftlichen Standpunkte aus. Beiden Herren gebührt für ihre Mitarbeit an der Erziehung unserer Jugend fürs Leben der herzlichste Dank der Schule.
2. Besondere Veranstaltungen zur Förderung der Schüler.
Wie in früheren Jahren gewährte der Musterschul- verein und die Neusprachliche Vereinigung auch in diesem Jahre unseren Schülern Zutritt zu ihren Ver- anstaltungen. Die Schüler hatten Gelegenheit, den fran- zösischen Aufführungen von L'Avare von Molière und Le Verre d'eau von Scribe beizuwohnen(Truppe des Herrn A. Roubaud).
Weitere Gelegenheit zur Ausbildung in der fran- zösischen und englischen Sprache und Literatur boten durch Vorträge und Rezitationen die Herren Gauthey des Gouttes, Lehramtsassistent A. Courbet, H. Cliffe und Mr. Bernard aus Manchester. In letzterem Herrn lernten wir einen hervorragenden Künstler kennen, der Lehrern und Schülern durch dramatisch belebten Vortrag mehrerer Abschnitte aus Dickens, A Christmas Carol einen großen Genuß bot. Die von ihm in der Neu- sprachlichen Vereinigung in vollendeter Weise gegebene dramatische Darstellung hervorragender Szenen aus Shake- speares Macbeth war insbesondere für unsere Abiturienten, die kurz zuvor das Drama gelesen hatten, von beson- derem Werte.


