den Kaiserpreis am 6.—8. Mai. Mehrere Oberpri- maner versahen den Ehrendienst als Pagen in der Kaiser- loge. Am 7. Mai wurde auch den Schülern der beiden oberen Klassen der Besuch des Konzertes in der Festhalle gestattet. Der Unterricht ſiel während der Festtage aus. Herr Adolfi Müller und der Direktor wurden am Schluß des Begrüßungskonzertes durch eine Unterhaltung mit Sr. Majestät ausgezeichnet.
Anläßlich der 100 jährigen Wiederkehr von Richard Wagners Geburtstag wurde am 23. Mai eine Feier veranstaltet, bei der Wagnersche Kompositionen vorgetragen wurden. Der Unterprimaner M. Firnberg würdigte in einem Vortrag Wagners Bedeutung; W. Reh- berg IIle trug auf dem Flügel Variationen über Walthers Preislied aus den Meistersingern und Elsas Brautzug vor, Herr B. Müller sang Wodans Abschied aus der Walküre. Besonderer Dank gebührt auch Herrn Opern- sänger H. Schramm, der das Steuermannslied aus dem Fliegenden Holländer meisterhaft vortrug.
Kurz nach Ostern sprach der Direktor in Gegenwart des Lehrerkollegiums und der Schüler Herrn G. Voltz zu seiner 25jährigen Tätigkeit als Heizer der Schule die Anerkennung für die auch unter den schwierigsten Verhältnissen ausgeübte treue Erfüllung seiner Berufs- pflichten aus und erfreute ihn durch ein von Lehrern und Schülern gespendetes Geldgeschenk.
Das Mailest jand am 27. Mai in der gewohnten Weise statt. Die Klassen unternahmen unter Führung ihrer Klassenlehrer Ausflüge in die nähere und weitere Umgebung Frankfurts. Während die Vorklassen in den Frankfurter Wald wanderten, besuchten die Schüler des Realgymnasiums den Taunus, den Spessart, den Odenwald und den Rheingau.
Mußten wir im Jahre vorher des ungünstigen Wetters wegen auf die Turnjahrt und die Feier des Sedan- festes auf der Oberschweinstiege verzichten, so waren in diesem Jahre beide Unternehmungen vom besten Wetter begünstigt. Die Turnfahrt, an der diejenigen Schüler teilnahmen, die sich regelmäßiig am Jugendspiel beteiligt hatten, fand am 26. September statt. Die Schüler der Unter- und Mittelklassen unternahmen Wanderungen in den Taunus unter Führung der Herren Beul, Proſessor Dr. Gündel, Oberlehrer Dr. Zickel, Dr. Beyer, Prof. Dr. Dick.
Die zweitägige Turnſahrt der 3 Oberklassen unter Führung der Herren Prof. Dr. Weidemann und Dr. H. Hoſ- mann, denen sich noch die Herren Dr. Sander, Weber, Dr. Mies und der Direktor anschlossen, galt den Schlacht- ſeldern von Weißenburg und Wörth, für deren Besuch'die Schüler in mehreren Unterrichtsstunden besonders vor- bereitet worden waren. Zur Hin- und Rückfahrt konnten wir Eilzüge benutzen, so daß die weite Entfernung nicht so sehr ins Gewicht ſiel. Vom Bahnhof Weißenburg aus überschritten wir am YVormittage das Angrijfisfeld der deutschen Truppen und stiegen vom Gutleuthof zur Höhe des Geisbergs hinan, wo wir an dem schlichten Denk- mal der 3. Armee der tapferen Gefallenen gedachten, die hier gegen„Turkos und Mitrailleusen“ die„Brücke über den Main“ geschlagen. Nach einem kurzen Kufenthalt in dem ſestungsartigen Schloß Geisberg, an dem uns noch die unmittelbaren Spuren grimmiger Kämpfe von den herrlichen Ruhmestaten erzählten, kehrten wir über den Schafbuschhof zur Stadt zurück und fuhren nach pPech- born, wo uns ein Besuch der ausgedehnten Fabrikanlagen bei den Petroleumquellen einen interessanten Einblick in die Vielseitigkeit der industriellen Behandlung und Ver-
wertung des Rohöls gewährte. Nach einstündigem Marsche überblickten wir vom Kaiser Friedrich-Denk- mal aus den Schauplatz der„improvisierten“ Schlacht vom 6. August, und orientierende Angaben ließen noch einmal das gewaltige Ringen um die von der Natur so vortrefflich ausgestattete Verteidigungsstellung der Divi- sionen Mac Mahons vor uns aufleben. Als wir endlich in freudig gehobener Stimmung in der„Zusammenkmunft der Jäger“ zu Fröschweiler den Tag beschlessen, emplanden wir noch voll Spannung die ganze Unmittelbarkeit der Erzählung einer Augenzeugin der schweren Kämpfe, der Besitzerin des Gasthofes, die uns eine Reihe ſesselnder Einzelbilder von der Erstürmung des Dorfes entrollte.
Am Vormittag des 2. Tages durchquerten wir das heute noch teilweise sumpfige, wellige Gelände, über das der Todesritt der Kürassiere Bonnemains dahingebraust, und gelangten an vielen der zu Ehren der deutschen und französischen Kämpfer errichteten Denkmäler vorbei zu dem historischen Nußbaum, von wo aus Mac Mahon längere Zeit die Schlacht geleitet hatte. Uber die heiß umstrittene Bastion des Galgenbergs hinab gewannen wir wieder das Sauertal und überschritten dann südwärts das Angriffsfeld des 11. Armeekorps bis zum Bahnhol Mors- bronn. Wenn schon das Nacherleben der glänzenden Erfolge unsere Herzen hatte höher schlagen lassen: der Marsch über das Schlachtfeld von Wörth hatte doch auch uns erkennen lassen, daß die Oberlegenheit der Zahl auf deutscher Seite in diesem Kampfe durch die natürlichen Vorzüge der teilweise kaum angreilbaren Verteidigungs- stellungen der Franzosen mehr als ausgeglichen war.
Am Nachmittage unternahmen wir dann noch von dem alten Weinstädtchen Klingenmünster aus eine kleine Pfalzwanderung und konnten auf dem überraschend schönen Horizontalwege von der Madenburg bis zu Annweilers „Burgdreifaltigkeit“ die Eigenart des plälzischen Berg- landes auf unser entzücktes Auge wirken lassen.— In Annweiler ließen wir bei fröhlichem Mahle noch einmal die einzelnen Bilder der inhaltreichen zweitägigen Wan- derung an uns vorüberziehen und setzten diese Unter- haltung dann noch auf der Heimfahrt bis zu unserer An- kunft in Frankfurt fort.
Die Sedanſeier ſand am 2. September in der üblichen Weise auf der Oberschweinstiege statt unter reger Be- teiligung vieler Eltern der Schüler und Freunde der An- stalt. Es wurden, wie sonst, turnerische Wettspiele ver- anstaltet, die mit der Preisverteilung ihren Abschluß fanden. Zum ersten Male wurde dabei um den vom Musterschulverein in dankenswerter Weise gestifteten Wanderpreis—einen künstlerisch ausgestatteten Schild— gestritten, der von der Oberprima errungen wurde. Als Gäste konnten wir einige englische Schüler aus Manchester begrüßen, die sich auch am Stafettenlaul beteiligten. Eine Ansprache des Direktors, von Chorvorträgen und Deklamationen Körnerscher Ge- dichte umrahmt, beschloß die schöne Feier. Die Rück- fahrt erfoſgte gegen Mittag in der auch diesmal auf Ver- anlassung des Herrn Waldbahndirektors Bode festlich geschmückten Waldbahn.
Am 16. Juni wurde das 25jährige Regierungs- jubiläum S. M. des Kaisers durch eine Schulfeier festlich begangen. Stimmungsvolle Vorträge des Chores und Gedichte leiteten die Feier ein, deren Höhepunkt die Rede des Herrn Oberlehrers Dr. Zickel über die Persönlichkeit und den Charakter unseres Kaisers bildete. Eine Ansprache des Direktors und gemeinsamer


