Jahrgang 
1912
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III. Chronik der Schule.

1. Zur Schulgeschichte.

Das neue Schuljahr begann am 20. April mit der Prüfung der angemeldeten Schüler und der Aufnahme der Schüler der 3. Vorklasse. Der Unterricht wurde am 21. April durch eine Feier im Festsaale der Schule eingeleitet, in wolcher der Stellvertreter des Direktors*) Herr Professor Dr. Rausenberger den neu eintretenden Herrn Oberlehrer Dr. Zickel**) und die neuen Schüler begrüßte.

Am 9. Mai fand anläßlich des 40. Gedenktages des Frankfurter Friedens eine Feier statt, in der Herr Professor Dr. Weidemann die Festrede hielt. Am 10. Mai fiel wegen der großen städtischen Friedensfeier(Kornblumentag) der Unterricht aus.

Am 15. Mai unternahmen die Vorschulklassen ihr Maifest durch Ausflüge nach Buch- schlag(Vorkl. la und 1 b), und nach der Oberschweinstiege(Vorkl. 2a, 2b, 3).

Vom 12. 22. Mai beteiligten sich die Schüler der drei Oberklassen an der Oedipus- Aufführung der Reinhardtschen Truppe im Cireus Schumann.

Am 23. Mai zogen die Realgymnasialklassen unter Leitung ihrer Klassenlehrer hinaus zum Maifest. VI. Hohemark, Sandplacken, V. Jugenheim, Melibocus, Auerbacher Schlot, Auerbach. IV. Nauheim, Kapersburg, Lochmühle. IIIL. Jugenheim, Felsberg, Felsenmeer, Fürstenlager, Auerbach. IIII. Mainz, Eltville, Schlangenbad, Wiesbaden. IIg. Aschaffenburg, Miltenberg, Sansenhof, Erbach. IIi. Langenschwalbach, Hennetal, Idstein. Ig. Heigenbrücken, Mespelbrunn, Hohe Warte, Aschaffenburg. Ii. Neustadt a. IHI., Maxburg, Madenburg, Burg Trifels, Annweiler.

Über die am 2. Juli abgehaltenen Schüͤlerwettkämpfe, über die Erfolge der Schüler im Rudern, Hockeyspiel und im Wettgehen s. S. 10.

Wegen der außergewöhnlich großen Hitze wurde der Unterricht nach Rückkehr von den Sommerferien noch an einigen Tagen ganz oder teilweise ausgesetzt.

Bei der Wiederaufnahme meiner Tätigkeit nach Gmonatiger Abwesenheit in Amerika wurde ich durch Herrn Professor Dr. Rausenberger im Namen der Schule freundlichst begrütt; der Oberprimaner Zeiger trug einen von Herrn Rektor a. D. G. Lang gütigst ver- faßten Prolog vor, und der Gesangchor unter Leitung des Herrn Weigand erfreute mich durch ein sinnig zusammengestelltes Programm, das die Reise in die Ferne und die glückliche Heimkehr behandelte. Auch Herr Adolf Müller stellte uns in liebenswürdiger Weise seine Sangesgaben zur Verfügung. Die Schüler der oberen und mittleren Klassen und ehemalige Schüler der Anstalt erfreuten mich bei meiner Heimkehr durch einen Fackel-Aufmarsch im Schulhofe der Musterschule.

Die Sedanfeier wurde am 2. September auf der Oberschweinstiege mit Gesang, An- sprache, Vortrag von Gedichten, Turnen, Wettspielen, Preisverteilung unter Anwesenheit zahl- reicher Eltern und Freunde der Schule gefeiert. Herr Waldbahndirektor Bode hatte die Waldbahn, die uns gegen 1 Uhr zur Stadt zurückführte, mit dem gewohnten festlichen Reiser- und Fahnenschmuck in dankenswerter Weise versehen lassen. Die Kosten für die Musik, die Preise und die Waldbahnfahrt übernahm wie bisher der Musterschulverein.

*) Der Direktor folgte auf Veranlassung des Ministeriums einer Einladung des Prasidenten N. M. Butler von der Columbia-Universitàt in New Vork, um dort Vorlesungen über die Methodik des neusprachlichen Unterrichts zu halten. Er war vom 1. Januar bis Ende Juli beurlaubt.

*) Dr. Ernst Zickel, geb. am 27. Juli 1884 zu Marienberg, besuchte das städtische Lessing-Gymnasium zu Frankfurt a. M.(1894 1903), studierte auf den Universitten zu Bonn, Berlin und Straßburg Geschichte, Deutsch und romanische Sprachwissenschaft, bestand 1907 die Staatsprüfung zu Straßburg und promovierte 1908 ebendaselbst mit einer Abhandlung aus dem Gebiete der mittelalterlichen Verfassungsgeschichte. Er leistete 1908 9 sein militärisches Dienstjahr zu Frankfurt a. M. ab, gehörte 1909 10 dem Seminar der Klingerschule zu Frankfurt a. M. an, war 1910 11 an der Oberrealschule zu Marburg als Probekandidat und wissenschaftlicher Hilfslehrer beschaftigt und ist seit 1. April 1911 Oberlehrer an der Musterschule.