Jahrgang 
1911
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Die Schule empfing auch in diesem Jahre nur selten auswärtigen Besuch. Besonders erfreut wurden wir durch einen solchen von Herrn Prof. Dr. Rein von Jena.

Die Gesundheitsverhältnisse bei Schülern und Lehrern waren befriedigend, abgesehen von der ernsten Erkrankung des Herrn Simon, über die zu Anfang berichtet ist. Herr Prof. Dr. Bothe wurde eine zeitlang durch ansteckende Krank- heit in der Familie ferngehalten. Am meisten kamen Katarrhe vor, wobei nicht selten über die ungünstigen Wärmeverhältnisse in der Baracke(besonders im Klassenzimmer von Quarta a) geklagt wurde. Auch bei den kleineren Schülern kamen nur wenige ernste und länger dauernde Erkrankungen vor. Unfälle infolge wilden Spielens und Tobens auf dem Schulhofe waren nicht selten, doch ohne ernste Folgen. Beim Bobsleighfahren im Taunus zog sich ein kleiner Sextaner einen schweren doppelten Beinbruch zu.

Wir haben durch ungehöriges Verhalten von Schülern auf den Straßen und auch im Freien, sowie durch Vergehungen ernsterer Art manche Sorge gehabt und einigemale schwere Strafen verhängen müssen. Ich weise die Eltern im Interesse ihrer Kinder nachdrücklich auf die Mitteilungen am Schluß hin. Wir sind stets zu Besprechungen bereit und legen den größten Wert auf stete Fühlung zwischen Elternhaus und Schule(vgl. auch die Darlegungen in der gesondert ausgegebenen Beilage). Da die räumliche Enge, unter der wir schon so lange Jahre zu leiden haben, fortbesteht, so müssen die Eltern allerdings verzeihen, wenn wir ihnen für diese wichtigen Unterredungen nur wenig geeignete Räume zur Verfügung stellen können. Die Aussicht auf Besserung unserer Lage ist sehr gering, da sich dem Neubau immer neue Schwierigkeiten in den Weg stellen(in diesem Jahr u. a.: anderer Bauplatz, neuer Bauplan, Konflikt zwischen Magistrat und Stadtverordneten wegen des Dienstwohngebäudes).

Die Teilung der Obertertia, die wir für das kommende Jahr erwarteten, wird nicht eintreten. Ebenso wenig wird eine Obersekunda eröffnet, auf die wir glaubten hoffen zu dürfen. Die vorhandenen Klassen genügen zunächst noch.

Die neue Dienstanweisung(vgl. II, Kassel, 30. Dez.) ordnet an, daß zu Herbst, Weihnachten und Ostern Zeugnisse erteilt werden, womit unser Versuch, zu Weih- nachten davon abzusehen, ein Ende erreicht hat. Ein besonderes Urteil über den häuslichen Fleiß braucht nicht mehr gefällt zu werden. Für das Betragen werden neue Bezeichnungen, auch die Notesehr gut, die bisher nicht gegeben werden durfte, angeordnet.

In dem jetzt zu Ende gehenden Schuljahre war versuchsweise dieKurzstunde und die Zusammenlegung des Hauptunterrichts auf den Vormittag genehmigt. Dar- über sind viele, z. T. recht lebhafte und heftige Auseinandersetzungen erfolgt. Die städtischen Behörden haben nun eine mit größter Vorsicht veranstaltete Ab- stimmung veranlaßt, die eine sehr beträchtliche Mehrzahl von Stimmen der Eltern, Arzte und Lehrer für die Kurzstunde ergeben hat. Wir glauben, daß dieses Ergebnis für Schule und Schüler von Nutzen sein wird. Vgl. VIII. 16.