Jahrgang 
1928
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70 JAHRE KLNGERSCHUlIE.

Am II. Moi 1927 sind 70 Jahre verflossen, seitdem die hiesige Klingerschule, die älteste Oberrealschule nicht nur der Stadt Frankfurt sondern duch der Provinz Hessen-Nassao, gegröndet wurde. Die Anstalt ist aus derHöheren Börgerschule hervorgegangen, die für die Kinder des nintelligenten Gewerbe- und Kaufmannsstandes und der Beumten bestimmt war und am I1. Moi 1857 im Gebäude der heutigen Bethmannschule an der Seilerstraße von den Frankfurter Behörden feierlich eröffnet wurde. Sie zöhlte im Gröndungsjahre 438 Schölerund Schölerinnen(254 Knaben und 184 Mädchen), im Jahre 1865 bereits 900 Kinder und zehn Jahre später sogor 1424 Schöler und Schölerinnen.

Aus der altenHöheren Börgerschole entwickelten sich seit Ostern 1876 zwei Anstalten, die Bethmannschule, die im alten Hause blieb und als Mittelschule noch heute dort ihr Heim hat, und die Klingerschule, die in das alte Woisenhaus an der Seilerstraße öbersiedelte und zur Erinnerung an den in Frankfurt geborenen Dichter desStormes ond Dranges ihren Namen erhielt. Im Jahre 1884 worde die Klingerschule als Ober- realschule anerkannt, entließ 1886 ihre ersten Abiturienten und bezog im Herbst 1901 das Gebõude am Hermesweg, in dem vorher 20 Jahre lang die Mosterschole unter- gebracht war.

Die Leiter der Schule waren die Direktoren Dr. Paldamus(1857-73), der als Pädagoge weit öber frankfurt hinaus bekannt war, Dr. Scholderer(1873-76), Jäãger(1876-79), Dr. Schultze(1880-88), Geheimrat Dr. Simon(1889-1901) und der unvergeßliche Geheimrat Dr. B°de(1901-17), dem zu Ehren eine Straße in EschersheimPaol Bode- Straße genannt wurde. Seit zehn Jahren steht Oberstodiendirektor Dr. Hartmann an der Spitze der Anstalt.

Ihrer Ueberlieferung, in stiller, ernster Pflichterföllung ihre vornehmste Aufgabe zu sehen, ist die Schule bei allen äußeren Wandlungen treu geblieben. Wer die Leistungen auf wissenschaftlichem und sportlichem Gebiete, den Geist der Zucht und Ordnung, der bei oller freundlichkeit in ihr herrscht, und die Försorge för den einzelnen in der Schule beobachtet hat, wer anderseits dos enge freundschaftliche Verhältnis zwischen Elternhaus und Schule kennt oder im schmucken Landheim, das die Elternschaft vor sechs Jahren in Endbach bei Marburg erworben hot, bei der fröhlichen Klinger- scholjugend einmal zu Gost gewesen ist, der weiß, daß die besten Traditionen der Schole in der Gegenwart zur vollen Entfaltung gelangt sind. Mögen sie duch weiterhin reiche Frõchte bringen zum Segen der Frankfurter Jugend, die der Schole anvertraut ist.

Von einer besonderen feier hat die Schule obgesehen. Sie hofft, in fünf jahren ihren 75. Geburtstag in wördiger Weise begehen zu können.

(Aus denFrankfurter Nachrichten vom 10. Mai 1927.)