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6. November 1909. Königl. Prov.-Schulkollegium übersendet Ministerial-Rescript be- treffend Berechtigungen der Schülerinnen, die die oberste Klasse einer höheren Mädchen- schule ½ Jahr besucht haben.
21. Dezember 1909. Königl. Prov.-Schulkollegium übersendet Ministerial-Rescript auf dessen die Kurzstunde genehmigt wird.
21. Januar 1910. Königl. Prov.-Schulkollegium spricht die Anerkennung der höheren Mädchenschule aus.
IV. Chronik der Schule-
Das Schuljahr begann am 20. April 1909 und schliesst am 23. März 1910.
Im Lehrerkollegium traten im Laufe des Sommersemesters Anderungen nicht ein, sowohl Herr J. Kaufmann als Herr Dr. J. Breuer blieben mit Genehmigung des Königlichen Pro- vinzial-Schulkollegiums an der Realschule tätig. Zu Beginn des Winterhalbjahres aber schied Fräulein Lina Gottlieb aus ihrer Stellung, um sich zu verheiraten. In ihrer fast sechsjährigen segensreichen Tätigkeit an unserer Anstalt, hat sie es verstanden, ihre Schülerinnen in jeder Hinsicht zu fördern, ihre Liebe und Zuneigung zu gewinnen und die Achtung und Freundschaft ihrer Kollegen und Kolleginnen, deren Schülerin zum Teil sie noch gewesen, zu erringen. Unsere wärmsten Wünsche begleiten sie auf ihrem weiteren Lebenswege. Mit Genehmigung der Königlichen Aufsichtsbehörde übernahmen Fräulein Regina Schwarzschild und Fräulein Jentilla Jeidel für das laufende Schuljahr den zu besetzenden Unterricht. Eine definitive Neubesetzung der Stelle liegt nicht in der Ab- sicht der Schulbehörde, da die neuen Bestimmungen über das Höhere Mädchenschulwesen die Anstellung einer pro fac. doc. geprüften, akademisch vorgebildeten Lehrerin verlangen. Mit dem neuen Schuljahr schied auch Herr J. Gans aus seiner Stellung als Handelslehrer an der Fortbildungsklasse der Anstalt, da ihn seine Tätigkeit in seiner eigenen Handelsschule für eine weitere Tätigkeit bei uns zu stark in Anspruch nahm. Seit Begründung der Fortbildungsklasse hatte er mit pflichttreuem Eifer und inniger Hingebung sich bemüht, seine Schüler in die einzelnen Zweige der Handelswissenschaft einzuführen, und dem Eifer seines Strebens entsprach auch das Resultat. Mögen Herrn Gans in seiner neuen Stellung rechte Befriedigung und Erfolge zu Teil werden!
Im Sommer fiel der Unterricht an vier Nachmittagen der Hitze wegen aus.
Die Sommerferien begannen am 2. Juli und schlossen am 3. August.
Am 10. November wurde in den einzelnen Klassen in den letzten Unterrichtsstunden des Geburtstages unseres Schillers gedacht. Die Damen und Herren des Kollegiums suchten die Bedeutung des grossen Dichters für das geistige Leben unseres deutschen Vaterlandes, entsprechend dem Fassungsvermögen ihrer Klassen, darzulegen, und an ihren Vortrag schlossen sich Deklamationen und die Lektüre geeigneter Schillerscher Gedichte an.
Der Gesundheitszustand sowohl des Kollegiums als auch unserer Schüler war im Ganzen ein sehr wohl befriedigender. Epidemische Erkrankungen wie in den letzten zwei Jahren kamen G. s. D. nicht vor. Doch haben wir leider auch in diesem Jahre wieder


