Jahrgang 
1886
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bildeten die Ziele einzelner Klassen. Die Kleinen feierten ihr Maifest im Stadtwalde und anderen in der Nähe der Stadt gelegenen geeigneten örtlichkeiten.

Am 14. Juni machte die Prima und Obersekunda unter Führung des Referenten eine Turnfahrt von Cronberg über den Feldberg, Schloßborn, Ehlhalten, Niedernhausen, Naurod, Sonnenberg, Wiesbaden. In der Thatsache, daß dieser, allerdings mit großer Vorsicht und sorg- samer Verteilung der Rastpausen ausgeführte, mehr als achtstündige Tagesmarsch für keinen der Schüler mit Ubermüdung verbunden war, vielmehr alle am andern Morgen frisch am Unterrichte teilnahmen, darf die Schule einen erfreulichen Beweis erblicken, daß ihre der körperlichen Kräftigung zugewandte Fürsorge und die mannigfachen in dieser Beziehung gegebenen Anre- gungen nicht ohne Erfolg bleiben.

Der zweite September wurde durch eine gemeinsame Turnfahrt auf den Altkönig ge- feiert, an welcher die Klassen der Realschule von Quinta aufwärts teilnahmen, nachdem am Nachmittage zuvor am Schlusse des Unterrichts eine in Gesang und einer Ansprache des Direktors bestehende Schulfeier vorangegangen war.

Am 4. Januar wurde in der als Aula festlich geschmückten Turnhalle das fünfund- zwanzigjährige Regierungs-Jubiläum Seiner Majestät des Kaisers und Königs feierlich begangen. In der Festrede suchte der Unterzeichnete unter Zugrundelegung des Bibelwortes: »Eine Krone der Herrlichkeit ist das Alter, nur auf dem Wege der Pflichttreue wird sie ge- wonnene in kurzen Zügen der Darstellung des reichen Lebens, der glanzvollen Regierung, der gesegneten Herrscherwirksamkeit, der verehrungswürdigen Charakterzüge des erhabenen Wieder- herstellers des Deutschen Reiches gerecht zu werden und dieselben den jugendlichen Geistern zum Verständnisse, den jugendlichen Herzen zur Verehrung näher zu bringen.

Der Geburtstag Seiner Majestät des Kaisers und Königs fiel auch dieses Jahr auf einen wegen des Schuschan Purim schulfreien Tag. Derselbe wurde deshalb an dem vorher- gehenden Schultage, dem 19. März, in gewohnter Weise unter Ausfall des Unterrichts durch einen Schulaktus, Deklamationen, Gesänge und Festrede des Direktors feierlich begangen.

Auch in diesem Jahre haben wir eines außerhalb des engeren Rahmens des eigentlichen Schullebens liegenden Schulfestes zu gedenken, welches wiederum am Chanucka unter heralicher Beteiligung der gesamten Schulgemeinde stattfand. Die Prima und Obersekunda der Real- schule unter Mitwirkung von Schülern der Untersekunda brachten die Tabakskollegiums-Scene aus Zopf und Schwert und Scenen aus Wilhelm Tell(Akt I, Scene 2, Akt II, Scene 2, Akt III, Scene 3 und Akt IV, Scene 3) in einer Weise zur Aufführung, die erfreuliches Zeugnis dafür ablegte, daß es den Schülern gelungen war, mit Verständnis sich in den Geist der herrlichen Dichtung hineinzuleben.

Leider haben wir auch von schmerzlichen Verlusten zu berichten, die unsere Schule in diesem Jahre zu beklagen hatte.

Am 28. Juni starb nach mehrmonatlichem Leiden der seit achtzehn Jahren an unserer Schule mit mehreren Stunden als Fachlehrer für Talmud wirkende Herr Seckel Bamberger. Mit berufsfreudiger Hingebung hat er stets an der Förderung seiner Schüler gearbeitet und seine mit gewissenhaftem Ernste gepaarte großee Geduld, die er mit den Schwächeren hatte, sicherten ihm die Liebe seiner Schüler. Seiner Bahre folgten am 30. Mai der Schulrat, das Lehrerkollegium und die oberen Klassen. Der Unterzeichnete gab der Trauer der Schule um den heimgegangenen

werten Kollegen Ausdruck und widmete seinem treuen Wirken ehrende Worte der Anerkennung. 4