Jahrgang 
1876
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die vier oberen, die eigentlichen Gemara⸗Klaſſen, aus denjenigen Schülern der vier oberen Klaſſen beſtehen, die für eine erfolgreiche Theilnahme an dieſem Unterrichte qualificirt erſcheinen. Herr Moritz Lewin, der während des Sommerſemeſters die beiden Abtheilungen der bisherigen erſten Klaſſe mit anerkennens⸗ werther Hingebung unterrichtete, wird dieſen Unterricht der einen Abtheilung auch ferner ertheilen.

Auch hinſichtlich des Zeichenunterrichtes ſtellte ſich die Nothwendigkeit einer Theilung der Secunda heraus, ſo daß ſeit Beginn des Sommerſemeſters die Unterſecunda ſeparirt wurde, während die Oberſecunda mit der Prima combinirt blieb.

Der ſeit Beginn des Sommerſemeſters Hrn. Thiel übertragene Turnunterricht wurde auf Antrag des Unterzeichneten gleichfalls um einige Stunden vermehrt, ſowie auch die Mittel zur Vermehrung, reſp. Erneuerung der Geräthe von löbl. Schulrathe in einſichtsvoller Würdigung der Bedeutung dieſes Unter⸗ richtes bereitwillig gewährt wurden. Die Erbauung einer eigenen Turnhalle und interimiſtiſch die Her⸗ ſtellung, reſp. Gewinnung eines geeigneten Locales, um auch im Winter dieſem wichtigen Unterrichtszweige die ihm gebührende Pflege in vollkommnerem Maße zuwenden zu können, als dies bisher im Winter möglich war, bildet einen Gegenſtand unſerer angelegentlichſten Sorge und hoffen wir, daß der nächſte Jahresbericht eine erwünſchte Erledigung auch dieſer Angelegenheit zu bringen haben wird.

Mit Schluß des Schuljahres verläßt zu unſerem Bedauern Herr Dr. Kinkelin unſere Anſtalt, um einem Rufe an die Muſterſchule zu folgen. Unſere Anſtalt wird der Gewiſſenhaftigkeit und dem pflicht⸗ eifrigen Ernſte ſeiner erfolgreichen Wirkſamkeit, ſeiner berufsfreudigen Hingebung an dieſelbe, ſowie der unſeren Sammlungen zugewandten ſorgſamen Pflege ſtets dankbar ein ehrendes Gedächtniß bewahren. Für Herrn Dr. Kinkelin tritt Herr Dr. Liegel aus Lötzen ein und hoffen wir in ihm eine willkommene Ergänzung unſeres Lehrkörpers begrüßen zu dürfen.

Bei Beginn des Winterſemeſters zählten unſere Anſtalten 290 Knaben und 176 Mädchen. Das Sommerſemeſter begann mit 296 Knaben und 181 Mädchen.

Die Schule iſt darauf bedacht, durch die den Schülern aufgegebene häusliche Beſchäftigung den Erfolg des Unterrichts zu ſichern und die Schüler zu ſelbſtändiger Thätigkeit anzuleiten, aber nicht einen der körperlichen und geiſtigen Entwickelung nachtheiligen Anſpruch an die Zeitdauer der häuslichen Arbeit der Schüler zu machen. In beiden Hinſichten hat die Schule auf die Unterſtützung des elterlichen Hauſes zu rechnen. Es iſt die Pflicht der Eltern und deren Stellvertreter, auf den regelmäßigen häuslichen Fleiß und die verſtändige Zeiteintheilung ihrer Kinder ſelbſt zu halten, aber es iſt eben ſo ſehr ihre Pflicht, wenn die Forderungen der Schule das zuträgliche Maß der häuslichen Arbeitszeit zu überſchreiten ſcheinen, ihr davon Kenntniß zu geben. Die Eltern oder deren Stellvertreter werden ausdrücklich erſucht, in ſolchen Fällen dem Director oder dem Klaſſenordinarius perſönlich oder ſchriftlich Mittheilung zu machen und wollen überhaupt überzeugt ſein, daß eine ſolche Mittheilung dem betreffenden Schüler in keiner Weiſe zum Nach⸗ theil gereicht, ſondern nur zu eingehender und unbefangener Unterſuchung der Sache führt. Anonyme Zu⸗ ſchriften würden die genaue Prüfung des Sachverhaltes erſchweren und, wie ſie der Ausdruck mangelnden Vertrauens wären, die für die Schule unerläßliche Verſtändigung mit dem elterlichen Hauſe unmöglich machen.

Auch in dieſem Schuljahre hatten unſere Anſtalten ſich der fördernden Theilnahme von Freunden unſerer Beſtrebungen zu erfreuen, deren Spenden wir mit herzlichem Danke zu verzeichnen haben.

Namentlich hat der ſel. Herr Jacob Münzesheimer die Zahl unſerer Freiplätze durch Zuwen⸗ dung eines Kapitals von fl. 2600 um zwei vermehrt.

Mit dem lebhafteſten Danke verzeichnen wir dieſe und andere uns gewordenen Spenden und hoffen, daß den ſtets ſich ſteigernden Bedürfniſſen unſerer Anſtalten die opferfreudige Hingebung und die thatkräftige Förderung von unſerer Geſellſchaft ſtets zugewandt bleiben mögen.

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