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4. Sonſtiges.
Die Kurzſtunde wurde auch in dem vergangenen Schuljahr beibehalten und hat ſich im ganzen bewährt. Wünſchenswert bleibt, daß die Schülerinnen nur 30 Wochenſtunden haben, ſo daß ſie täglich 5 Stunden am Schulunterricht teilnehmen müſſen. Die große Zahl der durch ärztliche Zeugniſſe begründeten Befreiungen— im Sommerhalbjahr 50, im Winterhalbjahr 64— beweiſt, daß die Anſtrengung für viele Mädchen zu groß iſt.
Die Zahl der an den Turnſpielen teilnehmenden Schülerinnen iſt gegen das Vorjahr um 38 zurückgegangen und betrug 122. Daraus wurden zwei Spielabteilungen gebildet; die eine, Schü⸗ lerinnen aus den Klaſſen— V umfaſſend, ſpielte unter Fräulein Wenzel auf dem Milchhof, die zweite(Kl. VI— VII) unter Fräulein Bathe auf dem Schulhof. Eine Umfrage nach den Gründen der geringen Beteiligung an den Turnſpielen hat folgendes ergeben:
1. Die Schülerinnen haben, beſonders in den oberen Klaſſen, zu viel Hausaufgaben; 2. manche Schülerinnen müſſen im Haushalt helfen; 3. andern iſt der Weg zu weit; 4. wieder andere ſind durch den heißen Sommer 1911 abgeſchreckt worden; 5. eine fünfte Gruppe hat Konfirmandenunterricht; 6. eine ſechſte hat Privatſtunden in Klavier, Nadelarbeit und Turnen und deshalb keine Zeit zum Spielen. Bemerkt ſei dazu, daß die an den Spielſtunden teilnehmenden Schülerinnen mindeſtens von den ſchriftlichen Hausarbeiten für den folgenden Tag befreit werden.
An der geringeren Beteiligung an den Turnſpielen mag auch die Pfadfinderinnen⸗Bewegung mit ſchuld ſein, die im vergangenen Frühjahr mit aller Wucht einſetzte und ungefähr 60 Schülerinnen unſrer Anſtalt in ihre Kreiſe zog. Wir haben uns der ganzen Bewegung zunächſt freundlich gegen⸗ übergeſtellt, wenn wir uns auch nicht verhehlten, daß dadurch das Elternhaus und die Schule ge⸗ ſchädigt werden können; denn wünſchenswert iſt doch, daß die Eltern in der Freizeit mit ihren Kindern in Gottes ſchöne Natur wandern und daß dadurch die Bande des Blutes gekräftigt und geſtärkt werden. Andrerſeits ſagten wir uns, daß manche Mädchen nur auf dieſe Weiſe ins Freie kommen und ſich abhärten. Unſere Bedenken wegen einer Beeinträchtigung des Unterrichtsbetriebes in der Schule wurden dadurch beſeitigt, daß drei Lehrerinnen unſerer Anſtalt und eine frühere Schülerin die Liebens⸗ würdigkeit hatten, die Führung der vier Gruppen zu übernehmen, nämlich Fräulein Oberlehrerin Reishaus(im Winter Fräulein Hafkesbring', Fräulein Wenzel, Fräulein Bathe und Fräulein Eliſabeth Ott. Ausdrücklich ſei bemerkt, daß zu den Ausflügen uſw. keine Sonntage benutzt werden. Über den Betrieb und die dabei gemachten Erfahrungen teilen die Leiterinnen folgendes mit:„Es wurden häufige Wanderungen in die nähere und weitere Umgebung Frankfurts unternommen und dabei Orientieren nach der Karte, Gebrauch des Fahrplans, Geländeſpiele, Abkochen im Freien, Ge⸗ ſang und Reigen u. a. m. geübt. Außerdem nahm die erſte Gruppe von Herbſt bis Weihnachten 1912 an einem Samariterkurſus teil, den Herr Dr. Hohenemſer abhielt, die zweite Gruppe ebenfalls von Neujahr bis Oſtern d. Is. Die dritte und vierte Gruppe beſchäftigten ſich im Sommer haupt⸗ ſächlich mit Gartenbau.— Wanderungen in der freien Natur gewährten den Schülerinnen die meiſte Befriedigung: die Kinder waren ſtets mit ganzer Seele dabei und trugen aus dem Walde Freude und Friſche heim in die Stadt. Bei ernſteren Aufgaben aber, die an ſie geſtellt wurden und ſie einem gewiſſen Zwang unterwarfen, wie bei Winter-, Gartenbau⸗- und Samariterübungen, erlahmte


