Jahrgang 
1915
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Am 1. Mai fand der Schulausflug der Helmholtzschule statt, der die Tertianer und Quartaner an die Bergstraße und auf den Melibokus, die OQuintaner nach Walldorf und Groß-Gerau, die Sextaner über Homburg nach dem Taunus führte, während die Schüler der 1. Vorklasse mit dem Dampfschiff nach Schwanheim, die der 2. Vorklasse mit der Eisenbahn nach Wilhelmsbad fuhren und die Schüler der 3. Vorklasse mit ihrem Lehrer im Riederwald spielten.

Am 22. juni besuchten die Schüler die Völkerschau im Zoologischen Garten.

Am 4. August nach den Sommerferien fanden Lehrer und Schüler sich zu einer Schulandacht zusammen. Die Ansprache des Direktors galt den folgeschweren Ereig- nissen, die zum Ausbruche des Krieges geführt hatten. Der Tag blieb ebenso wie der 5. August, der als Buß- und Bettag gefeiert wurde, schulfrei.

Infolge des ausgebrochenen Krieges mußten 2 Lehrer dem Schulunterricht fern bleiben: Herr Oberlehrer Schwabe war von seiner Ferienreise, die er nach Frankreich unternommen hatte, nicht zurückgekehrt und wurde, wie sich später herausstellte, im äußersten Westen Frankreichs, zunächst in La Tranche, sodann in Les Sables d'Olonne und schließlich auf der Ile d'Veu als Zivilgefangener zurückgehalten. Herr Lucas war als Landwehrmann zu den Waffen einberufen worden. Auch unser Schuldiener und unser Heizer wurden zum Kriegsdienst eingezogen.

Die Kriegsbegeisterung, von der Alt und jung ergriffen wurde, gab auch unserem Schulleben einen neuen Inhalt. Das Interesse an den großen Ereignissen des Tages be- herrschte zeitweilig den Unterricht. Der Fortgang des Krieges wurde an erster Stelle im Klassenunterricht gewürdigt, unsere Siege wurden unter Ausfall einiger Unterrichts- stunden in der Aula mit Ansprachen und Gesängen gefeiert.

An mancherlei Veranstaltungen zum Zwecke der Kriegsfürsorge beteiligten sich unsere Schüler. 12 Schüler aus Untertertia und Quarta folgten einem Aufruf zur Feldarbeit und zur Bearbeitung städtischen Geländes für Gemüsebau und wurden zu diesem Zwecke einige Wochen vom Unterricht befreit. 6 Schüler, die dazu geeignet erschienen, erhielten die Erlaubnis derKriegsfürsorge zu Botengängen und anderen Hilfeleistungen sich zur Verfügung zu stellen. Als das erste Ergebnis einer Geldsammlung unserer Schüler konnte der Kriegsfürsorge der Betrag von 117. Mark übersandt werden. Zur Erfrischung der durchreisenden Krieger wurden von unseren Schülern 178 pakete mit Lebensmitteln durch die Schule dem hiesigen Ausschuss für die Verpflegung unserer durchreisenden Truppen überwiesen. 21 Pakete mit warmen Wollsachen für die Krieger im Felde wur- den von den Schülern zur Schule gebracht und der allgemeinen Wollsammlung unserer Stadt zugeführt. Zur weiteren Beschaffung warmer Unterkleidung für unsere Soldaten im Felde wurden in einer Sammelbüchse, die der Sammlung des Kriegsausschusses für warme Unterkleidung überwiesen wurde, 62.76 Mark von unseren Schülern zusammen- gebracht. Für die Sanitätskompagnie No. 52 gingen von den Schülern 70 Paketchen und ein Betrag von 6.80 Mark ein. Als Lesestoff für die Lazarette wurde von unseren Schülern eine große Anzahl Bücher und Zeitschriften gestiftet und dem Rhein-Mainischen Verband für Volksbildung überwiesen. Zu einem Konzert, das zum Besten des 223. Res.- Regiments gegeben wurde, entnahmen Lehrer und Schüler Karten für 43. Mark. Für eine kinderreiche Familie, deren Vater den meisten Schülern bekannt ist und zum zweitenmal nach einer Verwundung ins Feld zog, sammelten Lehrer und Schüler den Betrag von 80 Mark. Lehrer und Schüler beteiligten sich an der Aufnahme des per- sonenstandes in Frankfurt a. M. sowie den damit zusammenhängenden Arbeiten der Brot- verteilungskommission und der Feststellung des Kartoffelbestandes, die in unseren Schul- räumen stattfanden. Mehrere tausend Mark Goldgeld wurden von unseren Schülern durch Vermittlung der Schule in Papiergeld umgewechselt und der Reichsbank zugeführt. Eine Menge Gegenstände aus Kupfer, Zinn, Messing und Blei von ansehnlichem Gewicht wur- den von den Schülern durch die Schule gesammelt und der Frankfurter Metallsammlung für Kriegszwecke überliefert.

Am 2. September fiel der Unterricht nicht aus. Nach der 4. Unterrichtstunde fand in der Aula eine schlichte Feier mit Gebet und Gesang statt, wobei der Direktor in seiner Ansprache der Kriegsereignisse gedachte und die Gründe darzustellen versuchte, aus denen unsere Feinde zum Kriege trieben und aus denen wir unsere Zuversicht auf den Sieg schöpfen.

XAusflüge.

Teilnahme der Schule an den Kriegs- ereignissen.

Sedan.